Eskalation türkischer Hochzeiten: Hochzeits-Blockaden finden immer mehr Nachahmer

Eskalation türkischer Hochzeiten : Hochzeits-Blockaden finden immer mehr Nachahmer

Immer wieder eskalieren türkische Hochzeitsfeiern, am Wochenende hat die Polizei im Rheinland erneut mehrere Konvois gestoppt. Was steckt hinter den Korsos?

„Was soll der Scheiß?“, fragt der junge Mann im Anzug mit Weste, der am Samstagmittag mit einer Zigarette in der Hand vor einer Kneipe im Düsseldorfer Stadtteil Flingern steht. Er gehört einer türkischen Hochzeitsgesellschaft an, deren Konvoi hochpreisiger Fahrzeuge soeben von der Polizei gestoppt worden ist. Weil es so viele Autos sind, haben die Bereitschaftspolizisten, die zufällig in der Nähe gewesen sind, einen ganzen Straßenzug abgesperrt. Der Verdacht: Teilnehmer haben sich verkehrswidrig verhalten. Die Personalien der Fahrer werden überprüft. Letztlich kann die Polizei ihnen nichts nachweisen und lässt sie ziehen.

Seit Wochen sorgen insbesondere türkische Hochzeitsgesellschaften für Negativschlagzeilen. Vor allem seit der Foto-Session auf der A 3 zwischen Ratingen und Köln im März häufen sich die Fälle. Ein Polizist, der anonym bleiben möchte, sieht darin auch den Grund für die Zunahme. „Seitdem stellen wir fest, dass sie einander nacheifern. Wir haben das Gefühl, dass die Hochzeitsgesellschaften sich gegenseitig überbieten wollen. Dass dadurch ihr Ansehen innerhalb ihrer Familien steigt“, sagt er.

Besonders häufig kommt es im Ruhrgebiet und im Rheinland deswegen zu Polizeieinsätzen. Dort leben besonders viele türkischstämmige Familien. Nach Angaben des Innenministeriums ist die Polizei am vergangenen Wochenende in NRW aus diesem Grund zu 27 Einsätzen gerufen worden. Drei Mal kam es zu „Hochzeits-Blockaden“ mit Fahrzeugen auf Autobahnen: Auf der A 2 bei Kamen, der A 4 nahe Düren und auf der A 52 bei Marl. In diesem Fall ermittelten die Beamten sogar in zwei Festsälen.

Aylin Demiray (Name geändert) richtet türkische Hochzeiten im Ruhrgebiet aus. Diese, sagt sie, würden sich von deutschen vor allem in der Größe unterscheiden. „Die Zahl der Gäste ist wesentlich größer. 250 gelten als wenig. Meist sind es so zwischen 400 und 600. Es gibt auch noch deutlich größere Gesellschaften mit mehr als 1000 Teilnehmern“, sagt sie. Dafür müssten manchmal sogar Hallen gemietet werden. „Früher heirateten die Türken fast nur unter sich. Das hat sich mittlerweile geändert. Daher fließen in die Feierlichkeiten verschiedene Bräuche aus anderen Kulturen ein. Natürlich auch der deutschen.“

Korsos sind Bestandteil von Feierlichkeiten

Die Korsos seien Bestandteil der Feierlichkeiten – wie auch bei den Deutschen. Damit soll die Freude über die Hochzeit zum Ausdruck gebracht werden. „Diejenigen, die dabei über die Stränge schlagen, mit Pistolen herum schießen und Blockaden auf der Autobahn verursachen, sind in der Regel Türken, die nicht gut integriert sind“, sagt der Düsseldorfer DJ Koray Güne. „Der Großteil hält sich an die deutschen Gesetze und Regeln“, betont er. Zu dem Brauch gehörten auch immer hochpreisige Fahrzeuge. „Die sind meist geliehen. Man will schon ein bisschen protzen. Das gehört dazu“, sagt er.

Mit dem Konvoi wird die Braut abgeholt. In der Regel fahren dabei Freunde, Bekannte und Verwandte des Bräutigams mit. Die Fahrzeuge werden mit Blumen, Bändern und Tüchern verziert. „Üblich ist es, dass der Autokorso vorher auf dem Weg zum Haus der Braut angehalten wird“, so Günes. Bei der Polizei verweist man darauf, dass es im Zusammenhang mit türkischen Hochzeiten immer schon Vorfälle gegeben hat.

Polizei warnt vor Abgabe von Schüssen

„In den 90er Jahren sind wir in Duisburg zu Einsätzen in Festsäle gerufen worden, in denen man die Decke vor lauter Einschusslöchern nicht mehr sehen konnte“, sagt ein Polizist. Der türkischen Tradition zufolge handelt es sich dabei um sogenannte Freudenschüsse in die Luft. „In der Türkei, insbesondere in den ländlichen Regionen, wird mit scharfen Pistolen in die Luft gefeuert“, sagt Günes. „Dass das in Deutschland verboten ist, wissen die meisten auch und halten sich daran. Nur eine Minderheit tut das leider nicht“, erklärt er.

Die Polizei warnt vor der Abgabe von Schüssen. Das sei verboten und alles andere als ein Kavaliersdelikt, so ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen. Selbst Inhaber eines kleinen Waffenscheins hätten bei Zuwiderhandlung eine Geldbuße von bis zu 10 000 Euro zu erwarten.

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