GA-Klimazeitung: Hitzefrust in Bussen und Bahnen

GA-Klimazeitung : Hitzefrust in Bussen und Bahnen

Extremes Niedrigwasser im Rhein, plötzlicher Starkregen mit Überflutungen, Dürre auf Feldern, monatelange Hitzeperiode: Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst in der Region angekommen.

Die extreme Hitze im vergangenen Jahr führte bei vielen Bonnern bereits zu Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Aber nicht nur Kinder und Senioren haben unter der extremen Hitze gelitten. Auch Bonner, die eigentlich gesund und vital sind, waren betroffen“, sagt Dr. Simone Sandholz, Wissenschaftliche Expertin, Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS).

Wie sich Städte entwickeln müssen, um ihre Bevölkerung auch bei extremen Hitzebelastungen zu schützen, das hat ein interdisziplinäres Forscherteam mit dem Projekt „Zures“ untersucht. Bonn war dabei Pilotstadt. Die Untersuchungen fanden in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung statt, die die Ergebnisse für die weitere Stadtentwicklung nutzen wird. Bisher wurden die Ergebnisse noch nicht vollständig veröffentlicht, eine Vorabauswertung liegt aber vor.

Insgesamt befragten die Forscher 688 Einwohner. Die Initiatoren der Studie konzentrierten sich auf die Bonner Altstadt und Bad Godesberg. Mehr als 70 Prozent der Bürger gaben an, dass sie Hitzewellen als Problem betrachten.

„Die Analyse ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen oder Bildungsabschlüssen. Dagegen gab es Unterschiede bei der Bewertung von Hitzewellen, je nach Ausstattung der eigenen Wohnung“, erläutert Sandholz. Ein großer Teil der Befragten erklärte, bei Hitze unter gesundheitlichen Beschwerden zu leiden. „Überraschend war hier, dass vor allem Jüngere beziehungsweise Berufstätige unter Schlaf- und Konzentrationsproblemen sowie unter Kopfschmerzen leiden“, sagt Sandholz. Eine mögliche Erklärung ist nach Ansicht der Forscher der meist „fremdbestimmte“ Tagesablauf durch den Job, während Ruheständler ihre Aktivitäten leicht anpassen könnten. „In der Gruppe der Senioren ab 65 Jahren nimmt dagegen die Zahl der Herz-Kreislauf-Probleme zu, die zu gravierenden gesundheitlichen Problemen führen könnten“, so die Sprecherin.

Die Hitze wird an verschiedenen Orten innerhalb der Stadt unterschiedlich wahrgenommen. Während die Mehrzahl der Befragten hohe Temperaturen in Parks und Gärten ebenso wie in der eigenen Wohnung nicht oder nur wenig wahrnimmt, sieht es am Arbeitsplatz, in Bus oder Bahn sowie in der City anders aus. „Insbesondere in der dicht bebauten und wenig begrünten Innenstadt und dem in Bonn oft ohne Klimaanlage operierenden ÖPNV wird Hitze stark empfunden“, analysierten die Forscher. Mehr als drei Viertel der Befragten gaben an, dass bei der Stadtentwicklung darauf geachtet werden soll, unbedingt Maßnahmen gegen Hitzestress umzusetzen.

Für etwa ein Viertel der Befragten ist es wichtig, dass die Bedingungen am Arbeitsplatz angepasst werden. „Berücksichtigt man dabei die vergleichsweise hohe Prozentzahl der Befragten, für die diese Option nicht zutrifft – weil sie bereits pensioniert sind oder derzeit nicht arbeiten – zeigt sich, dass die Ausstattung des Arbeitsplatzes und dessen Anpassung an das Klima bereits heute ein wichtiger Faktor ist“, heißt es in der Analyse. „Insgesamt geben die Ergebnisse wertvolle Informationen darüber, wie die Bonner Hitzestress wahrnehmen und welche Änderungen sie erwarten“, resümiert Sandholz.

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