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40 Grad und mehr: Frankreich leidet unter Rekordhitze

40 Grad und mehr : Frankreich leidet unter Rekordhitze

In Teilen des Landes werden über 40 Grad gemessen. Die Regierung in Paris hat vorsorglich die Schulen schließen lassen. Die Wetterkarte verspricht für die nächsten Tage nur eine leichte „Abkühlung“.

Ein großer, dunkelroter Fleck liegt über dem Zentrum Frankreich. Fast 40 Grad werden dort auf der Wetterkarte im Fernsehen angezeigt. Seit Tagen wird das Land von einer Hitzewelle heimgesucht, in deren Verlauf längst alle Rekordtemperaturen gebrochen worden sind. Mit 45,9 Grad Celsius wurde am späten Freitagnachmittag der höchste jemals in Frankreich gemessene Wert registriert, wie das Meteorologie-Institut Météo France mitteilte. Er wurde aus Gallargues-le-Montueux im südlichen Département Gard gemeldet.

In den Schlagzeilen der Zeitungen ist nur noch von „canicule“ (Gluthitze) zu lesen, die Steigerung von „chaleur“ (Hitze). Das Ende der extremen Wetterlage ist inzwischen abzusehen, spätestens am Dienstag sollen die Temperaturen wieder unter die 30-Grad-Marke sinken. Für rund 30 Départements im Osten und Süden Frankreichs bleibt vorerst aber die Warnstufe Orange aktuell.

Hitze wird zur Staatsaffäre

Die Hitze ist in Frankreich längst zu einer Staatsaffäre geworden. Der Präsident und Premierminister melden sich zu Wort und mahnen zur Vorsicht. Die Kritik der Opposition an der Regierung lässt nicht auf sich warten, ihr gehen die Maßnahmen aus Paris viel zu weit. Doch nach den Erfahrungen aus dem Jahr 2003 sind die Politiker vorsichtig geworden.

Damals sind während einer außergewöhnlichen Hitzewelle 15.000 Menschen gestorben, verantwortlich gemacht wurde dafür auch die zögerlich agierende Regierung. Nun meldet die Regierung, dass seit Beginn der Hitzewelle lediglich vier Personen den hohen Temperaturen zum Opfer gefallen seien und wertet dies als Beweis, dass die getroffenen Vorkehrungen gegriffen haben.

4000 Schulen haben hitzefrei

So wurden etwa 4000 Schulen geschlossen, weil sie nicht für sichere Bedingungen ihrer Schüler sorgen konnten. Lehrkräfte an der Victor-Hugo-Grundschule in Colombes nahe Paris behielten die Kinder den ganzen Tag im Freien und bespritzten sie mit Wasser. „Ich sorge dafür, dass sie mit Büchern auf den Spielplatz gehen, im Schatten“, sagte Lehrerin Valerie Prevost. „Sie müssen sitzen bleiben, sie bleiben regelmäßig hydriert.“ An den Mittelschulen wurden kurzerhand die Prüfungen um eine Woche verschoben, weil die Belastung den Schüler nicht zuzumuten sei.

In Großstädten wie Paris wurde ein Fahrverbot für ältere Autos verhängt – das tägliche Verkehrschaos bleibt trotz dieser Anordnung in der französischen Hauptstadt allerdings dennoch nicht aus. Abgehalten werden die Autofahrer auch nicht von der Tatsache, dass wegen der Hitze der Grad der Luftverschmutzung in den Innenstädten steil ansteigt.

Telefonische Tipps gegen die Hitze

Vom französischen Gesundheitsministerium wurde eine kostenlose Info-Hotline zum Thema Hitze eingerichtet. Dort können sich die Anrufer unter anderem Tipps holen, wie man sich am besten schützt. In vielen Städten werden die Behörden auch selbst aktiv und rufen besonders bedürftige, vor allem ältere Menschen an, um regelmäßig nachzufragen, ob es ihnen gut geht.

In Paris sind auf vielen Plätzen inzwischen Wassersprinkler aufgestellt, die von den Passanten gerne für eine erfrischende Dusche genutzt werden. Die meisten Brunnen sind von den Einwohnern längst zu öffentlichen Badeanstalten umfunktioniert worden. Sehr gut besucht sind auch die gut klimatisierten Kaufhäuser in der Innenstadt und die Zeitungen veröffentlichen Listen mit den Métro-Linien, deren Züge eine Klimaanlage haben.

Dutzende Waldbrände in Südfrankreich

Die extreme Hitze hat in Südfrankreich auch dutzende Waldbrände ausgelöst. Dabei wurden mehrere Häuser und Hunderte Hektar Land zerstört. Am stärksten betroffen von den Bränden war die Gemeinde Saint Gilles im Département Gard. Dort brannten insgesamt elf Gebäude ab, wie der Radiosender France Bleu auf seiner Webseite berichtete. Mehr als 280 Personen mussten demnach vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Beim größten Feuer in Saint Gilles et Garons brannten 150 Hektar Wald nieder.

Rund 100 Feuerwehrleute und mehrere Löschflugzeuge waren im Einsatz. Im Département Vaucluse kämpften 200 Feuerwehrleute gegen einen Fabrikbrand, der auf angrenzendes Buschland übergriff. Mindestens zehn Feuerwehrleute erlitten bei den Löscharbeiten einen Hitzschlag und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Autobahn zwischen Orange und Avignon war wegen des Brandes zeitweise gesperrt.