Filmhuhn Sieglinde: Streit um Schadenersatz geht vor Gericht

Rechtsstreit in Kleve : Tod von Filmhuhn Sieglinde ist ein Fall fürs Gericht

Das Filmhuhn Sieglinde hätte wohl noch Karriere gemacht. Aber das Tier wurde von einem Hund totgebissen. Die Eignerin fordert nun vor Gericht Schadenersatz, der Hundebesitzer zweifelt an der Identität des Opfers.

Ute Milosevic will Gerechtigkeit für sich und ihr Huhn Sieglinde. „Es war ein Tier unter tausend, das einfach nur besonders war“, sagte Milosevic: ungewöhnlich zahm, gelehrig, kam in die Ausbildung, erhielt die ersten Rollen beim Film. Es hätte wohl noch eine schöne Karriere werden können, für dieses braune Legehuhn. Wenn da nicht die Sache mit dem Hund gewesen wäre. Sieglinde ist nicht mehr. Das Huhn wurde am 4. Juni 2017 von einem Hund auf dem Hof seiner Besitzerin im niederrheinischen Weeze getötet - so stellt es Milosevic dar.

Der Hundehalter hatte Milosevic zwar eine Entschädigung angeboten. Zehn Euro, sagt sie. Zehn Euro für Sieglinde! Sie lehnte ab und fordert 4000 Euro Schadenersatz. Das Amtsgericht Geldern sprach der Huhn-Eignerin 300 Euro zu. Milosevic legte Berufung ein. Die Richter am Landgericht Kleve verhandeln darüber an diesem Freitag.

Mehrere Tiere beim Film

Mit Mann und Tieren wohnt die Frau auf dem Bauernhof in Weeze. Man braucht eine Wegbeschreibung, um den Hof im Wald zu finden. Es gibt, wie sie erzählt, Pferde, Mini-Schweine, die hier alt werden dürfen, Hunde und eben auch Hühner. Milosevic hat wohl ein Gespür für Tiere. Schon früher habe sie einige ihrer Schützlinge zum Film gebracht: Ihr Schwein Villeneuve beispielsweise „war immer gut gebucht“, sagt sie. Auch ihr Alpaka, das aber nicht mehr lebt.

Und am Ende die besonders zahme Sieglinde. 2017 kam sie in die Ausbildung bei einer Tiertrainerin, dann kamen die ersten Angebote, wie Milosevic erzählt. Ein Highlight war die anspruchsvolle Rolle in dem Fernsehfilm „Wir sind doch Schwestern“, der auf einem niederrheinischen Gutshof spielte, wie Trainerin und Agentin von Sieglinde, Aurelia Franke-Hornung, erzählt.

Zuhause, in der drehfreien Zeit, gehörte Sieglinde zur Familie, wie die Besitzerin sagt: „Sie kam mir jeden Tag entgegen, wollte gestreichelt werden, fuhr mit mir im Auto.“ Mit ihren damals fünf Artgenossinen und einem Hahn lief sie frei auf dem Hof herum. Ein schönes Hühnerleben, bis zu jenem Tag, als drei Männer mit einem Hund im Wald spazieren gingen.

Hundebesitzer bedauert Vorfall

Plötzlich Randale auf dem Hof, die Hühner schrien, Sieglinde war am Ende tot. „Dieser Hund ist mindestens 80 Meter bei mir auf den Hof gelaufen und hat das Huhn totgebissen“, erzählt Milosevic. Für sie und ihren Mann gab es keine Zweifel, dass der Hund Sieglinde erwischt hatte. „Ich hatte zu der Zeit nur ein einziges braunes Huhn“, sagt sie - und das sei Sieglinde gewesen.

Die Identität des Opfers zweifelt der beklagte Hundebesitzer an, wie seine Anwältin Karin Albertz mitteilt. In der Hühnerschar hätten sich mehrere braune Tiere befunden. Der Beklagte bezweifele, dass sein Hund gerade das Filmhuhn erwischt habe. Er bedauere den Vorfall und habe der Besitzerin einen Betrag als Wiedergutmachung angeboten. Die Höhe des geltend gemachten Schadenersatzes von 4000 Euro habe die Klägerin nicht nachvollziehbar begründen können.

Milosevic hat immer noch Hühner auf ihrem Hof. Nach dem Tod von Sieglinde haben ihr Bekannte auch neue geschenkt. Aber keines sei wie Sieglinde, sagt sie.

(dpa)