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Fakes zum Coronavirus: Diese Falschmeldungen kursieren im Internet

Während Coronavirus-Krise : Diese Falschmeldungen zum Coronavirus kursieren im Internet

Eingeschränkte Öffnungszeiten in Supermärkten, Ibuprofen als Verstärker der Coronaviren oder Chlordioxid als vermeintliches Heilmittel gegen das Coronavirus: Falschmeldungen verbreiten sich im Internet rasant. Ein Überblick.

Falschmeldungen, die sich über die sozialen Netzwerke rasant verbreiten, verunsichern in der aktuellen Coronavirus-Krise viele Menschen. Jetzt kursiert gar ein Dokument, das angeblich bezeugt, dass die Bundesregierung schon im Jahr 2013 über das Coronavirus Bescheid wusste und Maßnahmen für eine mögliche Pandemie aufgestellt hat.

Einblick in das Dokument bekommt jeder, der im Internet die Begriffe „Bundesdrucksache Januar 2013“ in die Suchleiste eingibt und in den ersten Treffern dieses Dokument aufruft. Ab Seite 55 ist darin Anhang 4 mit dem Titel „Risikoanalyse Bevölkerungsschutz Bund - Pandemie durch Virus ‚Modi-SARS’“ zu lesen. Deswegen glauben momentan einige User in den sozialen Netzwerken, dass das Dokument die derzeitige Situation exakt beschreibt - und dass die Bundesregierung schon seit Jahren von dem neuartigen Coronavirus gewusst sowie Maßnahmen geplant hat.

Dem ist jedoch nicht so: Es handelt sich hier um ein hypothetisches Szenario, das auf vorangegangenen Seuchengeschehen basiert. Daher trägt das fiktive Virus in dem Dokument auch den Namen „Modi-SARS“. Allerdings finden sich Gemeinsamkeiten zur aktuellen Coronavirus-Krise: In dem Dokument von 2013 wird etwa von einem Coronavirus ausgegangen. Doch dies ist insofern nicht ungewöhnlich, als dass es sich bei SARS und MERS ebenfalls um Coronaviren handelte, die Pandemie-Potenzial hatten. Dazu erklärt das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung: „Die Coronaviren sind eine Familie von RNA-Viren, die sowohl Tiere als auch Menschen infizieren können und beim Menschen vor allem Erkrankungen des Respirationstrakts auslösen. Sie können wie harmlose Erkältungen verlaufen, aber auch tödlich sein.“ Daraus wird deutlich, dass es Coronaviren tatsächlich schon eine ganze Weile gibt. Denn es ist nicht etwa ein Virus, sondern eine Virenfamilie. Neben einigen Gemeinsamkeiten bei der damaligen Drucksache und der heutigen Situation gibt es auch einige Unterschiede, beispielsweise bei der Verbreitung des Virus oder der Sterberate. Eine detaillierte Auflistung aller Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es hier.

Schmerzmittel, Supermärkte und Chlordioxid

Im Bezug auf das aktuelle Coronavirus kursieren jedoch noch weitere Falschmeldungen. So verbreitete sich vor einigen Tagen auf dem Nachrichtendienst WhatsApp eine Sprachnachricht, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus vor dem Schmerzmittel Ibuprofen warnt. Angeblich verstärke dieses die Vermehrung des Virus SARS-CoV-2. Die bislang unbekannten Verfasser der WhatsApp-Meldung nennen die Universitätsklinik in Wien als Quelle. Laut der Sprachnachricht dürfe diese Information aus Sorge vor einer Klage der Pharma-Industrie nur mündlich weitergegeben werden.

Die Uniklinik Wien hat mittlerweile auf ihrer Facebook-Seite dementiert, eine entsprechende Mitteilung herausgegeben zu haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zudem untersucht, ob Ibuprofen tatsächlich einen negativen Einfluss auf mit dem Coronavirus infizierte Menschen hat, dafür aber keine Hinweise gefunden.

Außerdem machte das Gerücht die Runde, dass mehrere große Supermarktketten ihre Öffnungszeiten stark einschränken würden. Das belegte ein angeblicher Screenshot, der schnell als Fälschung identifiziert wurde.

Ebenfalls falsch und vor allem gefährlich ist die Behauptung, dass Chlordioxid - oder auch andere sogenannte Miracle Mineral Supplement (MMS) - ein wirksames Heilmittel gegen das Coronavirus ist. Denn oral eingenommen ist das Mittel stark gesundheitsgefährdend: Es wirkt auf der Haut und Schleimhaut je nach Konzentration reizend bis ätzend. Wie die Verbraucherzentrale mitteilt, können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, schwere Darmschädigungen und Blutdruckabfall die Folge sein.

Bei Nachrichten wie diesen ist also nach wie vor Vorsicht geboten. Und: Studien zufolge verbreiten sich Falschmeldungen sehr viel schneller als seriöse Nachrichten. Oft sind sie bereits als wilde Spekulationen im Umlauf, bevor es überhaupt gesicherte Informationen gibt.