Kommentar zu Michael Jackson: Die Kunst ist unschuldig

Kommentar zu Michael Jackson : Die Kunst ist unschuldig

Was momentan geschieht, ist die Vorverurteilung eines Verstorbenen – der sich naturgemäß nicht mehr verteidigen kann. Das geht nicht. Und so ist es richtig, dass die Bonner Jackson-Schau gezeigt wird

Bevor wir nun aufhören, „Thriller“ zu hören oder bei „Man In The Mirror“ nur erschüttert in Abgründe zu blicken: Auch für den 2009 gestorbenen Michael Jackson gilt die Unschuldsvermutung. Es gibt Männer, die behaupten, vom King of Pop als Kinder missbraucht worden zu sein. Aber es gibt wie bei vorangegangenen Pädophilievorwürfen keinen Schuldspruch. Was momentan geschieht, ist die Vorverurteilung eines Verstorbenen – der sich naturgemäß nicht mehr verteidigen kann. Das geht nicht.

Und so ist es richtig, dass die Bonner Jackson-Schau gezeigt wird. Und es ist wichtig, dass man sich in der Bundeskunsthalle der Debatte offen stellt.

Damit wäre der Fall fast erledigt. Dass jetzt Rundfunkanstalten den Jackson-Boykott ausrufen, bringt eine weitere Ebene ins Spiel, indem sie das Werk eines Künstlers verteufeln, der zwar einer Straftat verdächtigt wird, aber nach Lage der Gesetze als unschuldig gilt. Ganz dünnes Eis. Es ist nicht das erste Mal, dass im Zuge der #MeToo-Debatte die Maßstäbe verrutschen, die Strafe vor der juristischen Verurteilung kommt, eine Hexenjagd einsetzt, bevor belastbare Beweise gesucht, gefunden und bewertet wurden.

Und selbst wenn ein Künstler einer Tat, oder, was heute fatalerweise schon reicht, eines Verstoßes gegen Moralvorstellungen oder die Political Correctness überführt wäre: Wäre es dann auch gerechtfertigt, gleich sein ganzes Werk mit zu verurteilen? Natürlich nicht, wo kämen wir da hin? Wie ausgedünnt wären Bibiotheken und Plattenläden, Galerien, Museen und Konzertprogramme, dürfte man nur noch die Werke sittlich untadeliger und unverurteilter Künstler dort lesen, sehen oder hören?

Dass einer, der eines Verbrechens schuldig ist, mit Konsequenzen zu rechnen hat – keine Frage. Das ist ein Fall für die Justiz. Alles andere berührt die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen.

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