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Tod von David Bowie: Der Mann, der vom Himmel fiel

Tod von David Bowie : Der Mann, der vom Himmel fiel

Er war Ziggy Stardust und der Thin White Duke: Zum Tod der Pop-Ikone David Bowie.

Wer heute in den Himmel schaut, wird vielleicht feststellen, dass die Sterne ein wenig anders aussehen: "The stars look different today", sang David Bowie 1969 in seiner Ballade "Space Oddity". Es ist eine Liedzeile, die mit dem Tod ihres Schöpfers einen weiteren neuen Sinn erfährt. David Bowies Stern ist mit diesem Hit über den einsam durchs All treibenden Raumfahrer Major Tom aufgegangen und dieser Stern hat über Jahrzehnte nichts von seiner Leuchtkraft verloren. Dass Bowie sein jüngstes Opus, das am 8. Januar, seinem 69. Geburtstag erschien, "Blackstar" nannte ist gewiss kein Zufall.

Die Metapher vom schwarzen Stern markierte ein Ende, Bowie wusste, dass es sein von der Kritik hymnisch gelobtes Werk sein letztes würde. Nur zwei Tage nach der Veröffentlichung von "Blackstar" ist die britische Ikone der Popmusik am Sonntag (Ortszeit) in New York an Krebs gestorben, achtzehn Monate nach der Diagnose der Krankheit. Das herzzerreißende Video zu dem Titel "Lazarus" zeigt ihn auf einem Krankenbett liegend mit zwei auf einen Augenverband genähten Knöpfen.

Bowie hat ein schillerndes, glamouröses Leben geführt. Auch auf der Bühne. So etwas wie seine Kunstfigur Ziggy Stardust, die er mit seinem Konzeptalbum "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" 1972 der Pop-Öffentlichkeit vorstellte, hatte die Welt noch nicht gesehen. In den Konzerten dieser Zeit betrat Bowie grell geschminkt die Bühne, ein androgyner Sänger, der die Geschichte eines Rockstars erzählte, dessen promiskuitives und von Drogenexzessen geprägtes Leben ihn schließlich zugrunde richtet.

Ziggy Stardust war nicht nur Kunstfigur. Er war auch David Bowie. Eine jener Verwandlungen, die er im Laufe seiner Karriere durchleben sollte. Später schuf er für das Album "Station To Station" sein Alter ego "Thin White Duke", eine Cabaret-Figur in weißem Hemd und dunkler Weste. Und für den Filmemacher Nicholas Roeg war er "Der Mann, der vom Himmel fiel".

Er wechselte die Stile wie die Bühnenoutfits

David Bowie wird mit einigem Recht als menschliches Chamäleon beschrieben. Die musikalischen Stile wechselte er so geschmeidig wie die Bühnenoutfits. Der 1947 im Londoner Stadtbezirk Brixton als David Gordon Jones zur Welt gekommene Musiker begann recht brav mit Beat- und Folk-Songs und schwang sich in den 70er Jahren zu avantgardistischen Visionen hinauf, deren Krönung die berühmte Berlin-Trilogie wurde. 1976 hatte er in der geteilten Stadt Quartier bezogen.

Auch um sich von seiner Heroin-Sucht zu befreien, zusammen mit seinem Freund Iggy Pop, mit dem er in Schöneberg in der Hauptstraße Nr. 155 Tür an Tür lebte. Dass Bowie in der Zeit des kalten Entzugs gemeinsam mit seinen Produzenten Brian Eno und Tony Visconti solch grandiose Alben schuf wie "Low", "Heroes" und "Lodger" ist eines der großen Mirakel der Pop-Geschichte. Die kreative Energie reichte sogar, um mit Iggy Pop dessen bestes Album "Lust for Life" in den Hansa-Studios aufzunehmen.

Affären hatte Bowie in den 70er Jahren auch. Sie wurden dem androgynen Popstar mit Frauen wie Männern gleichermaßen nachgesagt: Tina Turner, Marianne Faithful und Susan Sarandon waren darunter, Bianca und Mick Jagger ebenfalls. Mit seiner ersten Frau Angela Barnett hat er einen Sohn, Duncan Jones, der heute Filmregisseur ist. Zuletzt lebte Bowie an der Seite des Models Iman in New York. Das Paar hatte 1992 geheiratet, 2000 kam Tochter Alexandria Zarah zur Welt.

Nachdem Bowie in den 80er Jahren mit Hits wie "Let's Dance" oder "China Girl" höchst erfolgreich auf der Mainstream-Welle surfte, wurde es in den 90er Jahren ruhiger um den Thin White Duke. Bowie begann musikalisch wieder mehr zu experimentieren, ohne dass ihm jedoch so wegweisende Alben wie in den 70er Jahren gelangen. 2003 brach er noch einmal zu einer Live-Tour auf. Das Doppel-Album "A Reality Tour", das dieses Ereignis dokumentiert, sprüht vor Energie und Lust an der Musik.

"So gut, so souverän, vielleicht auch so glücklich war der Mann wohl noch nie"

Die Emphase, mit der "Heroes" singt, das Lied in immer größere emotionale Höhen schraubt, ist absolut mitreißend. Bereits im Jahr zuvor, im Juli 2002, legte er einen legendären Auftritt im Kölner E-Werk hin, als er nicht nur viele seiner alten Songs zum Besten gab, sondern das komplette Berliner "Low"-Album als Zugabe spielte. Auch sein Auftritt auf dem Bonner Museumsplatz im September 2002 wurde zur Sensation: "So gut, so souverän, vielleicht auch so glücklich war der Mann wohl noch nie", schrieb Dietmar Kanthak damals im General-Anzeiger.

Zwei Jahre später, als Bowie beim Hurricane-Festival in Scheeßel bei Bremen sang, erlitt er fast einen Herzinfarkt und musste in Hamburg operiert werden. Es war sein letztes Konzert. Bowie zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Erst 2013 meldete er sich überraschend mit einem neuen Album zu Wort: "The Next Day". Aber ins Rampenlicht trat er nicht mehr. Das Chamäleon hatte sich unsichtbar gemacht.