Festessen an Heiligabend: Das sind die beliebtesten Gerichte an Weihnachten

Festessen an Heiligabend : Das sind die beliebtesten Gerichte an Weihnachten

Über Geschmack lässt sich streiten, über Traditionen nicht. Was Heiligabend aufgetischt wird, hat durchaus einen geschichtlichen Ursprung. Oder wussten Sie, warum Kartoffelsalat und Würstchen Heiligabend oft auf dem Tisch stehen?

Rinderroullade mit Rotkohl und Klößen oder doch Raclette? Die Deutschen lassen es sich zu Weihnachten am Essenstisch gut gehen. Vorher steht bei einigen die Entscheidung schnell fest, während sich manche an den Feiertagen besonders ins Zeug legen und einige Stunden in der Küche verbringen. Ein Viertel der Deutschen lässt es laut einer Umfrage des Verlags "eatsmarter" einfacher angehen, denn 26 Prozent gaben an, Heiligabend Kartoffelsalat mit Würstchen zu essen. Danach folgen der klassische Braten (14 Prozent) oder die Weihnachtsgans (9 Prozent).

Aber es darf die Frage erlaubt sein, weshalb sich das einfache Gericht - bestehend aus Würstchen und einem Kartoffelsalat - so großer Beliebtheit erfreut?

Sicherlich gibt es verschiedene Erklärungen für das einfache Gericht, das man bereits am Vortag zubereiten kann. Doch eine scheint einleuchtend und begründet die Einfachheit des Essens mit der Armut der Menschen in früheren Zeiten. Nicht alle konnten sich damals einen leckeren Braten für die ganze Familie leisten, also gab es Kartoffelsalat und Würstchen. Eine andere Erklärungsvariante lautet, sich so mit Maria und Josef solidarisch zu zeigen. Schließlich lebten die ebenfalls in armen Verhältnissen.

Heute gibt es in vielen Haushalten das einfache Essen, weil es schnell geht und sich die Vorbereitungszeit in Grenzen hält. Hinzu kommt, dass es reine Gewohnheit ist, was zu Weihnachten gekocht wird. Gehörte Kartoffelsalat schon immer am Heiligabend dazu, wird diese Gewohnheit in der Regel fortgesetzt.

Damit der Salat gut durchgezogen ist, sollte man ihn zwei Tage im Voraus zubereiten. "Dann schmeckt er am besten", findet Markus Augst. Er ist Küchenchef im "Nells Park Hotel" in Trier und Mitglied im Verband der Köche Deutschlands (VKD). Um dem Salat mehr Biss zu geben, kann man kurz vor dem Servieren noch frische Paprikawürfel unterrühren.

"Der Salat kann auch mit Gurkenscheiben oder etwas ausgelassenem Speck angereichert werden", schlägt Augst vor. Eine weitere Alternative: Unmittelbar bevor der Salat serviert wird, hebt man viele frische Kräuter unter. Damit die Würstchen möglichst knackig auf dem Teller liegen, sollten sie auf dem Herd in nicht zu heißem Wasser circa fünf bis sieben Minuten gegart werden. "Kocht das Wasser, dann platzen die Würstchen auf."

Fisch als Fleischersatz

Fisch gilt bei Christen als beliebtes Essen an Heiligabend, weil einige Gläubige die Adventszeit als Fastenzeit betrachten. Um den Fleischverzicht hinzubekommen, entscheiden sich viele für den Fisch. Deshalb ist der Weihnachtskarpfen sehr beliebt.

Oft wird er als "Karpfen blau" mit Salzkartoffeln und Meerrettichsauce serviert. Alternativ kann man den Fisch in Stücke schneiden, panieren und braten. "Der frische Fisch muss vor dem Zubereiten sorgfältig geschuppt und geputzt werden", erklärt Augst. Wenn es schneller gehen soll, kann man auch eine Forelle in Alufolie zubereiten.

Dieses Gericht lässt sich gut vorbereiten: Verschiedene frische Gemüsesorten schon am Vormittag kleinschneiden, anbraten und würzen, auf Backpapier eine mit Zitronensaft und Worcestersauce beträufelte Forelle geben, das Gemüse in den Forellenbauch und über den Fisch geben, alles mit Wein beträufeln und das Backpapier verschließen. Am Abend wird dann ein Blech mit den Forellen-Paketen bei 140 Grad für 20 Minuten in den Ofen geschoben - und fertig ist das Essen.

Gans schön fett

Viele kennen das traditionelle Gänseessen zu Sankt Martin, also eher im November. In der Tat wurde auch früher in dieser Zeit traditionell eine Gans geschlachtet. Im Anschluss begann die Fastenzeit, die bis zum Heiligen Abend anhielt. In vielen Haushalten war dies ein Grund dafür, wieder Gans zuzubereiten und damit das Ende des Fastens zu feiern. Dieser Ursprung ist in den meisten Haushalten in den Hintergrund geraten. Vielmehr steht die Gans heute eher für den festlichen Aspekt.

Nicht unbedingt ein Gericht, bei dem man an schnelle Zubereitung denkt. Doch auch hier ist Vorbereitung alles. Damit sie schön saftig ist, sollte man lieber auf ein frisches Exemplar setzen. "Tiefgefrorene Produkte haben den Nachteil, dass sie nach dem Zubereiten trocken sind", erklärt Iris Bettinger. Die Chefin des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Koch-Teams im "Hotel Restaurant Reuter" in Rheda-Wiedenbrück ist Mitglied bei den Jeunes Restaurateurs, einer Vereinigung junger Spitzenköche.

Traditionell wird die Gans mit Äpfeln, Speck und Gewürzen gefüllt. Alternativ kann sie auf asiatische Art zubereitet werden. "Dafür wird sie innen und außen mit dem Fünf-Gewürz-Pulver eingerieben", sagt Bettinger. Gefüllt werden kann sie mit Äpfeln, Sellerie und Karotten, die angebraten und mit Chili und Ingwer abgeschmeckt werden. Die Gans kann schon am Vortag im Ofen schmoren. "Wenn sie gar ist, wird sie zerteilt und mit Folie abgedeckt." Vor dem Essen wird das Fleisch auf einem Blech in den 180 Grad warmen Ofen geschoben.

Gleiches gilt letztendlich für den Weihnachtsbraten. Die seit dem 7. Jahrhundert zelebrierte Fastenzeit zwischen dem 11.11. und Heiligabend war eine Zeit der Stille und des Verzichts. Bis zum 20. Jahrhundert hielt diese Tradition weitgehend stand. Wenn die Fastenzeit dann am 24. Dezember endete, durfte wieder königlich gespeist werden. Ob es dann ein Gänsebraten oder ein Stück von Schwein oder Rind wird, ist Geschmackssache.

Wenig Vorbereitung bei Raclette und Fondue

Ob Raclette oder Fondue: die beiden Klassiker gehören heute in vielen Familien auf die Festtafel. Beides hat seinen Ursprung in der Schweiz, weniger in der katholischen Tradition. Fondue und Raclette gelten als praktisch und gesellig zugleich. Kinder zum Beispiel lieben es, ihre eigenen Gerichte auf dem Raclettegrill zu kreieren.

In die Fondue-Brühe können Fischstücke, Muscheln, Garnelen oder Fleischwürfel getunkt werden. Zum Essen stehen vorbereitete Dips parat, etwa ein Weihnachts-Chutney. Dafür werden 450 Gramm Äpfel mit 150 Milliliter Essig, zwei Esslöffeln Lebkuchengewürz, Zimt und Orangenschale sowie 500 Gramm getrocknetem Obst zum Kochen gebracht. Die Masse köchelt 45 Minuten vor sich hin. Damit das Chutney gut durchgezogen ist, kann man es schon im November ansetzen.

Dass es zunehmend, wenn auch immer noch in der Minderheit, einige Haushalte gibt, die komplett auf Fleisch verzichten und ein vegetarisches Menü zaubern, hat eher mit Zeitgeist und einer grundsätzlich bewussten Ernährung zu tun als mit Traditionen. In Umfragen allerdings rangiert das vegetarische oder vegane Menü ganz unten auf der Rangliste der beliebtesten Festtagsessen.

Schlemmen ohne schlechtes Gewissen

Gut zwei Drittel der Deutschen schlemmen einer Umfrage zufolge an Weihnachten ohne schlechtes Gewissen. Insgesamt 68 Prozent gaben dies im "Deutschlandtrend" für das ARD-"Morgenmagazin" vom vergangenen Freitag an, wohingegen 32 Prozent über die Feiertage aufs Gewicht achten.

Während jüngere Leute in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen fast einhellig der Ansicht sind, dass man sich über die Festtage nicht über sein Gewicht sorgen sollte, nimmt die Achtsamkeit mit steigendem Alter zu.

48 Prozent der über 65-Jährigen essen auch an den Feiertagen mit Bedacht. Männer und Frauen hingegen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Einstellung zum Weihnachtsessen kaum.

Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am Dienstag und Mittwoch 1048 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz liegt bei 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.

(Mit Material von AFP und dpa)

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