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Journalismus in der Corona-Krise: Das Internet ersetzt nicht das direkte Gespräch

Journalismus in der Corona-Krise : Das Internet ersetzt nicht das direkte Gespräch

Wie ergeht es einem Auslandskorrespondenten in Zeiten der Corona-Krise? GA-Reporter Knut Krohn erzählt, wie aktuell die Arbeitsbedingungen in Paris aussehen.

Korrespondent sein heißt, in das Leben und die Kultur in einem fremden Land einzutauchen. Viele Reisen und noch mehr direkte Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen bilden die Basis einer lebendigen und guten Berichterstattung. Für eine Reportage zu recherchieren heißt vor allem: hören, fühlen, sehen, schmecken.

Doch was passiert, wenn das plötzlich wegen der Corona-Pandemie nicht mehr möglich ist? Als Journalist in Paris hieß das zuerst einmal, die Vorgaben der französischen Regierung in Sachen Coronavirus zu ignorieren. Ein Beispiel: das Champions-League-Spiel zwischen Dortmund und Paris fand ohne Zuschauer statt, doch viele Tausend Fans versammelten sich an dem Abend – was eigentlich verboten war - vor dem Stadion in Paris und feierten den Sieg ihrer Mannschaft. In diesem Fall ist es die Aufgabe eines Korrespondenten hinzufahren, sich unter die Leute zu mischen und zu berichten.

Wenige Tags später verhängt die Regierung dann aber die Ausgangssperre und unvermittelt wird man vom Berichterstatter zum Betroffenen. Nun ist es nicht mehr möglich, die Wohnung zu verlassen. Und wenn, dann steht man auf leeren Straßen und trifft vielleicht noch einige Menschen, die mit Einkaufstüten durch die Straße hetzen. Bisweilen rennt ein einsamer Jogger vorbei, denn Individualsport ist von der Regierung ausdrücklich erwünscht – offensichtlich eine Konsequenz aus dem Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt während des Shut-Down in China.

Als Berichterstatter werden in solch einer Situation das Internet und das Telefon zu den wichtigsten Rechercheinstrumenten. Gespräche werde nun nicht mehr direkt geführt und das Themenspektrum, über das man schreibt, konzentriert sich auf die Folgen der Corona-Pandemie. Das ist eine überaus unbefriedigende Situation, doch in diesem Fall heißt es, sich zu fügen. Spätestens jetzt wird einem bewusst, wie wichtig der direkte Kontakt zu den Menschen für die eigene Arbeit ist.

So lebt man als Korrespondent von nun an in der Hoffnung, dass sich die Situation so schnell wie möglich bessern möge und man bald wieder seinen gewohnten Job aufnehmen kann: viel reisen und noch mehr direkte Gespräche führen.