Brückeneinsturz bei Toulouse: Eine Tote und ein Vermisster in Frankreich

Mehrere Fahrzeuge stürzten ins Wasser : Eine Tote und ein Vermisster bei Brückeneinsturz in Frankreich

Beim Einsturz einer Brücke im Südwesten Frankreichs ist eine Jugendliche ums Leben gekommen. Mindestens ein Mensch wurde vermisst, wie die Staatsanwaltschaft von Toulouse am Montag mitteilte.

Demnach stürzten ein Lkw und ein Pkw ins Wasser, als die 155 Meter lange Hängebrücke zwischen den Gemeinden Mirepoix-sur-Tarn und Bessières nachgab. Nach dem Unglück wurde Kritik am Zustand vieler Bauwerke in Frankreich laut.

Ein 15-jähriges Mädchen konnten die Einsatzkräfte nur noch tot aus dem Fluss Tarn bergen. Seine Mutter, die den Familienwagen fuhr, wurde dagegen von beherzten Zeugen aus dem kalten Wasser gerettet, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Beide stammten nach Angaben des Bürgermeisters Eric Oget aus Mirepoix-sur-Tarn.

Der Fahrer des abgestürzten Lkws wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Toulouse zunächst noch vermisst. Angaben zu einem dritten Fahrzeug, das zum Zeitpunkt des Einsturzes auf der Brücke gewesen sein sollte, bestätigten sich vorerst nicht, wie Staatsanwalt Dominique Alzéari mitteilte.

Mehr als 60 Feuerwehrleute und Taucher waren im Einsatz. Der Fluss Tarn ist an der Unglücksstelle rund 20 Meter tief und 100 Meter breit. Mindestens fünf Menschen mussten von den Rettungskräften behandelt werden - darunter auch Feuerwehrleute und andere Helfer.

Die Regionalzeitung "La Dépèche du Midi" berichtete, der Lkw habe das für die 90 Meter lange Metallbrücke zulässige Gewicht von 19 Tonnen überschritten. Der Bürgermeister von Mirepoix-sur-Tarn bestätigte diese Angabe vorerst nicht. Nach Angaben eines Kommunalvertreters verkehrten auf der Brücke "häufig" Schwerlaster.

Eine Anwohnerin sagte, kurz vor dem Unglück seien Schulbusse über den Fluss gefahren. "Wir nehmen jeden Tag diese Brücke. Wir hätten niemals gedacht, dass sie einstürzen könnte", sagte die 36-jährige Audrey Laujac.

Die französische Regierung ordnete eine Untersuchung an, um die Ursache des Unglücks festzustellen. Sie verwies darauf, dass es bei Inspektionen keine Hinweise auf Sicherheitsprobleme gegeben halte.

Laut der Regionalverwaltung galt die Brücke nicht als einsturzgefährdet oder sanierungsbedürftig. Bei einer detaillierten Untersuchung im Jahr 2017 seien zwar kleinere Mängel festgestellt worden, aber "kein Problem am Tragwerk". Die Metallbrücke stammte aus dem Jahr 1931 und war 2003 zuletzt restauriert worden.

Der französische Senator Hervé Maurey sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Unglück werfe ein Schlaglicht auf den "gefährlichen Zustand" vieler Brücken in Frankreich. Ein Senatsgremium unter seiner Leitung hatte Ende Juni einen "Marschallplan" verlangt, "um ein Drama zu vermeiden".

Experten kritisieren, dass die Regierung seit Jahren zu wenig Geld in die Infrastruktur investiert. Sie fürchten ein ähnliches Unglück wie im August 2018 in der italienischen Stadt Genua, wo beim Einsturz der Morandi-Brücke 43 Menschen ums Leben kamen.

In einem Expertenbericht im Auftrag der französischen Regierung war im vergangenen Jahr von 4000 reparaturbedürftigen Brücken im Land die Rede. Bei sieben Prozent wurden ernste Mängel festgestellt.

(AFP)