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Amsterdam: Bürgermeisterin will etwas gegen Cannabis-Touristen unternehmen

„Overtourism“ in den Niederlanden : Amsterdam prüft Cannabis-Verbot für Touristen

Grachten, Architektur, Fahrräder prägen das Bild von Amsterdam - und überaus viele Coffeeshops. Was aktuell für schier zahllose Gäste sorgt, könnte jedoch bald in Amsterdam eingedämmt werden. Kiffende Touristen sind der Bürgermeisterin offenbar ein Dorn im Auge.

Wie Barcelona oder Florenz gehört Amsterdam zu den europäischen Städten, die vom Tourismus nicht nur profitieren. Mittlerweile sprechen Fachleute vom „Overtourism“, also „Übertourismus“, wenn in kürzester Zeit die Zahlen in die Höhe schießen. In den letzten 20 Jahren haben sich die Besucherzahlen in Amsterdam verdoppelt. Einer Bevölkerung von rund 854.000 Menschen stehen mehr als 20 Millionen Touristen im Jahr 2018 gegenüber. 22 Prozent der Gäste kommen vor allem wegen der Coffeeshops, wie eine Umfrage im Auftrag der Stadt ergab.

Die Ergebnisse der Umfrage hat Bürgermeisterin Femke Halsema in einem Brief an die Ratskommission zusammengefasst. Gleichzeitig merkt sie an, dass die Umfrage nicht repräsentativ für die Stadt sei, da sie nur bei ausländischen Besuchern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren und im Gebiet zwischen De Wallen und Singel - einem Hotspot der Kiffer-Kultur - durchgeführt worden sei.

65 Prozent der Befragten konsumieren selbst Cannabis und besuchen Coffeeshops, für 57 Prozent seien die Geschäfte ein „wichtiger Grund, nach Amsterdam zu kommen“. Für 44 Prozent wäre ein Coffeshop-Verbot sogar ein Grund, überhaupt nicht mehr nach Amsterdam zu kommen. Laut Medienberichten will die Bürgermeisterin vor allem „jüngeren Besuchern“ den mühelosen Kauf und Konsum erschweren.

Transparenterer Cannabismarkt und Regulierung der „Hintertür“

Halsema formuliert abschließend drei Ziele, die sie in naher Zukunft angehen will. Zunächst wolle sie den Cannabismarkt in Amsterdam transparenter und überschaubarer machen. Weiterhin begebe man sich auf die Suche nach einer Lösung für die Regulierung der sogenannten Hintertür, also der illegalen Beschaffung der Drogen durch die Coffeeshops. Schließlich wolle man auch die Belästigungen in der Innenstadt verringern.

Schon seit 2012 herrschen verschärfte Regeln für das Betreten von Coffeeshops. Gemeinden dürfen selbst entscheiden, ob sie Menschen, die nicht ihren Wohnsitz in den Niederlanden haben, rein dürfen. In Amsterdam dürfen sie, in Grenzstädten wie Maastricht eher nicht.

Der „Overtourism“ habe allerdings noch andere Gründe. Rund 22 Prozent der Befragten halten die „Fensterprostitution“ für einen (sehr) wichtigen Grund für einen Amsterdambesuch. Würde zum Beispiel ein Eintrittsgeld für die Rotlichtviertel erhoben, bliebe rund ein Drittel der Stadt fern. Ein weiterer Faktor seien die Flugpreise: Etwa ein Fünftel der Befragten komme mit einem „Billigflieger“ (unter 100 Euro für Hin- und Rückflug).