Ausstellung: Zwei Fliegen im Sturzflug

Ausstellung : Zwei Fliegen im Sturzflug

Werke von Caroline McCarthy und Werner Haypeter sind aktuell in der Galerie Gisela Clement zu sehen. Zwei Künstler drücken sich im Dialog mit der Architektur von Uwe Schröder aus.

Zwei tote Fliegen stehen auf der Exponatenliste der aktuellen Ausstellung in der Galerie Gisela Clement. Sie liegen in der Ecke eines der oberen Ausstellungsräume: Caroline McCarthy hat sie dort deponiert – am Ende einer geschwungenen bunten Linie, die zwei Loopings hinter sich hat. Wir stellen uns vor, dass diese Linie – wie im Comic – die letzte Spur der Fliegen ist, das Ende zweier Flugobjekte, die ins Trudeln gerieten und in den Tod stürzten.

Die Kunst der Irin verführt zu derlei Interpretationen. „Where I End and You Begin“ heißt ihre Installation, wo ich ende und du beginnst. Streng genommen handelt es sich bei ihrem Werk um eine Linie aus zusammengesteckten bunten Strohhalmen, die die Wand entlang auf die Reise geschickt wird. Die sich auf und ab bewegt, geschmeidig oder eckig vorangeht, sich mal der Architektur unterwirft, mal diese demonstrativ ignoriert.

Diese Linie funktioniert als Zäsur im Raum, kann sich aber gleichzeitig materialisieren: Sie läuft durch einen Blumentopf, aus dem dann grün-gelbe Halme „wachsen“. Irgendwann verlässt die Linie die schützende Wand, ragt spitz in den Raum, wird zur Barriere. Ein Ausnahmezustand: McCarthy verweist auf die neue Farbe – die Halme sind abwechselnd Gelb und Schwarz und erinnern an ein Absperrband. Wenige Meter weiter dann der „Unfall“ mit den Fliegen. Die Dramaturgie ist perfekt.

Feine Ironie trifft auf ein tolles Gespür für den Raum und das Geschichtenerzählen. Die aktuelle Ausstellung ist der erste Auftritt der 1971 in Dublin geborenen und in London lebenden Künstlerin. Hoffentlich nicht der letzte.

Alter Bekannter: Werner Haypeter

Ein bestens bekannter Wegbegleiter der Galerie, ein Künstler der ersten Stunde, ist der Bildhauer Werner Haypeter, der in den Räumen des Galeriehauses, aber auch im Vorgängerdomizil der Galerie immer wieder Proben seiner Werkentwicklung gezeigt hat. Gerade ist er mit der August-Macke-Medaille der Stadt Bonn fürs Lebenswerk ausgezeichnet worden. Passend dazu jetzt die Ausstellung „Einausblick“ – wobei die Galeristin betont, die Ausstellung sei schon länger geplant gewesen.

„Einausblick“ ist – typisch für Haypeter – nicht nur eine Ausstellung mit Bild- oder Epoxidharzobjekten an der Wand, sondern ein Raumkonzept, das die Architektur von Uwe Schröder maßtechnisch aufnimmt und berücksichtigt. Ein wie die Markierung auf einem Turnhallenboden gesetzter Kreis auf dem Parkett definiert einen Raumzylinder, der in einer Beziehung zum Ausstellungsraum steht. Man fühlt sich an die Installation „Spielfeld“, 2013 im Ostflügel des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern erinnert.

Es ist nicht immer einfach, dem Bonner Künstler zu folgen, manchmal sollte man ihm einfach nur vertrauen. Bei der Vernissage vor wenigen Tagen versuchte der ehemalige Bonner Generalintendant Klaus Weise als Eröffnungsredner in Haypeters Persönlichkeit zu schlüpfen und als Werner Haypeter durch seine eigene Ausstellung zu gehen. Ein origineller Trick, der aber kaum zur Annäherung führte. Dafür war das Ganze zu zäh. Dem Publikum schwanden die Sinne (was auch dem fehlenden Sauerstoff an jenem heißen Tag geschuldet sein mochte).

Auch jedes Bildwerk ist streng durchkalkuliert – hier ist nichts dem Zufall überlassen. Oder doch? In seinen neuesten Arbeiten, gegossene Epoxidharzblöcke auf Spiegelflächen, fallen Blasen und Lufteinschlüsse auf, die beim Gießen entstehen und sich jeder Kontrolle entziehen. Auch die Spiegelungen lassen sich nicht steuern, sie reagieren auf Licht und Leute. Das Bild verändert sich permanent. Zarte Eingriffe mit blauen Acrylfilterstreifen und sogenannte Lichtfelder lockern ein weiteres Epoxidharzobjekt auf, das als vielschichtige Wandarbeit überzeugt.

Info:Galerie Gisela Clement, Galeriehaus Lotharstraße 104, Mo-Fr 14-18 Uhr, Sa 13 - 17 Uhr. www.galerie-clement.de

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