Literaturhaus Bonn: Workshops für ambitionierte Autoren in Bonn

Literaturhaus Bonn : Workshops für ambitionierte Autoren in Bonn

Das Literaturhaus Bonn veranstaltet regelmäßig Workshops für ambitionierte Autoren. Am wichtigsten dabei, laut Petersenn: Ehrgeiz und Kritikfähigkeit.

Schreiben ist einfach. Gut schreiben dagegen eine Kunst. Eine, die – entgegen den unzähligen im Selbstverlag erscheinenden Büchern, die vor allem den Online-Markt überfluten – nur wenige beherrschen. Doch wie jede Kunst kann man auch die des Wortes erlernen. Entsprechende Angebote unterbreitet unter anderem das Literaturhaus Bonn, das neben populären Lesereihen auch Workshops auf unterschiedlichen Levels im Programm hat. Selbst angehende Profis sollen auf diese Weise angesprochen werden, Autoren also, die zum Teil schon Bücher veröffentlicht haben, auf der großen Bühne aber bislang noch nicht Fuß gefasst haben. Für sie ist Olaf Petersenn, ehemaliger Leiter des Lektorats für deutsche Literatur bei Kiepenheuer & Witsch und seit 2017 Programmleiter Literatur bei Piper, der ideale Ansprechpartner. Gemeinsam analysieren er und die Workshop-Teilnehmer Manuskripte, diskutieren über Figuren und Perspektiven, über Handlungsstränge und Sprachmuster, immer in dem Bemühen, Texte auf ein neues Niveau zu heben.

Seit fünf Jahren ist Petersenn dem Literaturhaus Bonn verbunden. „Ich bin immer wieder aufs Neue begeistert, mit wie viel Energie und Fantasie die Teilnehmer in den Workshops auftreten“, sagt er gegenüber dem GA. Eine Grundvoraussetzung für ein Buchprojekt, ebenso wie ein gesunder Ehrgeiz. Und Kritikfähigkeit. „Eines der zentralen Ziele dieser Workshops ist eine realistische Selbsteinschätzung“, betont Petersenn. „Ich komme ganz bewusst nicht hierher, um neue Autoren zu entdecken, die ich vielleicht veröffentlichen kann – ich will vielmehr Techniken vermitteln, mit denen jeder von ihnen noch besser werden kann.“

Gruppengröße auf zwölf Teilnehmer beschränkt

Natürlich bedarf es dabei auch einer individuellen Kommentierung; nicht ohne Grund ist die Gruppengröße auf zwölf Teilnehmer beschränkt. „Jeder Interessent muss im Vorfeld einen 30 bis 50 Seiten umfassenden Auszug aus seinem oder ihrem Buch einreichen“, erläutert Literaturhaus-Chefin Almuth Voß. „Auf dieser Grundlage wählen wir aus, da wir schon ein einigermaßen homogenes Niveau erreichen wollen.“ Im aktuellen Workshop steht dann der Textanfang im Fokus. „Die erste Seite einer Geschichte ist essentiell“, sagt Petersenn, „denn zum einen hole ich darüber den Leser in den Text, zum anderen sind schon viele Formalia in ihr angelegt. Was für einen Erzähler habe ich, was weiß er, was für eine Sprache verwendet er, was für eine Stimmung weckt er.“ Eine der größten Herausforderungen sei dabei das Prinzip „show, don't tell“: „Wenn eine der Figuren zum Beispiel traurig ist, tendieren viele dazu, das genau so zu schreiben. Dabei ist es in der Regel besser, dieses Gefühl zu zeigen, wie es sich ausdrückt, wie es wirkt. Im besten Fall gelingt es dem Autor dadurch, auch beim Leser eine entsprechende Reaktion auszulösen.“ Ein scheinbar kleiner, aber keineswegs leicht umzusetzender Kniff, den Petersenn den Workshop-Teilnehmern vermittelt. „Die beste Schule ist aber immer noch das Lesen“, fügt er an. „Viele angehende Autoren beschäftigen sich nur noch mit ihrem eigenen Text und lassen die Lektüre herausragender Werke vermissen.“ Dabei formt nichts die eigene Sprache besser als ein gutes Buch. Egal aus wessen Feder.

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