Glosse zu Klaus Weise: Wo bleibt die Kultur?

Glosse zu Klaus Weise : Wo bleibt die Kultur?

Der ehemalige Bonner Generalintendant Klaus Weise vermisst Kulturthemen in den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF. Eine Glosse.

Klaus Weise, 65, ist ein Einmischer. Der ehemalige Bonner Generalintendant (2003 bis 2013) sendet immer wieder Signale aus dem Unruhestand: zur Bonner Kulturpolitik zum Beispiel, zu Beethoven 2020 und zum Umgang der Stadt mit ihrem berühmtesten Sprössling. In der jüngsten Ausgabe der „Zeit“ hat Weise sich auf Seite 52 die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF vorgenommen, unter der Überschrift „Wir brauchen die Kunst!“ Tenor des Artikels: „Tagesschau“ und „Tagesthemen“, „heute“ und „heute-journal“ berichteten so gut wie nie über das kulturelle Leben, für das die öffentliche Hand fast zehn Milliarden Euro im Jahr verteile.

Weise singt das Hohelied der Kultur, sie halte unsere Gesellschaft zusammen, verleihe ihr Identität oder verunsichere sie dort, „wo es Verhärtungen gibt“. Provokativ spitzt er seine Betrachtungen zu: „Und ausgerechnet die Kultur soll keiner täglichen Meldung wert sein?“

Weise, der in seinem Text die subversiven, befreienden und auch identitätsstiftenden Kräfte der Kunst lobpreist, hat eine praktische Forderung im Angebot. Neben dem Sport soll auch die Kultur einen Stammplatz im Nachrichtenprogramm besetzen. Weises Analyse überzeugt, selten genug geraten Theater, Film, Ausstellungen, Oper und Literatur in den Fokus der Nachrichtenredaktionen der Öffentlich-Rechtlichen. Dabei definieren sich ARD und ZDF gern durch ihren Bildungsauftrag – meistens dann, wenn über die rund neun Milliarden Euro diskutiert wird, die pro Jahr ins System fließen.

Eine gute Idee also, den Bildungsauftrag auch in den Nachrichtensendungen zu verwirklichen. Klaus Weise hat einen „Tagesschau“-Traum: „Linda Zervakis und Campino, Susanne Daubner und Nina Hoss, Jan Hofer und Gerhard Richter, das wäre ein Happy End zwischen der Kultur und der ARD.“

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