Schenkung: Wie Macke die Welt sah

Schenkung : Wie Macke die Welt sah

Til Macke schenkt dem Kunstmuseum Bonn 24 Zeichnungen seines Großvaters. Macke-Experte schätzt das Konvolut auf 174000 Euro

Bis vor Kurzem konnte man im Kunstmuseum Bonn einen guten Überblick über den Zeichner und Aquarellisten August Macke bekommen: In seiner Jubiläumsausstellung zeigte das Haus die Höhepunkte aus dem eigenen Macke-Bestand, der insgesamt 200 Blätter und rund 30 Gemälde Mackes umfasst. Die Sammlung wächst weiter: August Mackes Enkel Til hat dem Kunstmuseum jetzt 24 Zeichnungen geschenkt, die bereits als Dauerleihgaben im Haus waren. Die zwischen 1904 und 1913 entstandenen Blätter umfassen unter anderem Studien, Plakatentwürfe, Akte, Landschaften und abstrakte Arbeiten.

Der Arbeitsprozess desMalers wird transparent

„Ich bin hocherfreut über diese außerordentlich großzügige Schenkung, welche die große Verbundenheit Til Mackes zu unserem Haus eindrucksvoll dokumentiert“, sagte Intendant Stephan Berg dieser Zeitung und ordnete die Neuzugänge ein: „Das breit angelegte Zeichnungs-Konvolut, das neben Landschaften, Akten und Porträts auch abstrakte Arbeiten umfasst, ermöglicht es in hervorragender Weise, den Arbeitsprozess des Künstlers nachzuvollziehen und zeigt zudem eindrücklich, wie der Akt des Sehens und die direkte Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit das Fundament für Mackes gesamtes Schaffen bilden.“ Der zuständige Kurator des Museums schätzt den Gesamtwert des Konvoluts auf 174 000 Euro.

Til Macke selbst erzählte dieser Zeitung, er sei intensiv seine Sammlung durchgegangen und habe Blätter „aussortiert, die ich nicht vererben möchte“. „Es sind keine besonders erwähnenswerten Werke, die aber kunsthistorisch sicher von Belang sind.“ Rund 200 Zeichnungen aus Familienbesitz habe er je zur Hälfte dem Kunstmuseum Bonn und dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster vor Jahrzehnten schon als Dauerleihgabe gegeben. Beide Häuser verfügen über die größten Macke-Bestände.

24 Blätter habe er für Bonn nun von Dauerleihgaben zu Schenkungen umgewidmet, erklärt Til Macke, ein ähnlicher Vorgang sei auch für Münster geplant.

Geburtstagsparty im neuen Macke Museum

Der Enkel des Malers bemerkt in der eigenen Familie ein schwindendes Interesse für den expressionistischen Künstler: „Meine Kinder haben noch einen Bezug zu Macke, aber die nächste Generation hängt sich lieber Zeitgenossen in die Wohnung.“ Er selbst umgebe sich immer noch mit Gemälden von Macke – rund 15, „alles zweite Garnitur“, die Spitzenwerke hat er Museen übergeben, „die kriegt man nicht versichert.“ Intensiv hat Til Macke auch die Kunst seines Großvaters mütterlicherseits, Hans Thuar, gesammelt. Thuar war ein enger Freund August Mackes. „Nächstes Jahr werde ich 80“, sagt Til Macke, „da will ich noch einiges regeln.“ Zuletzt hatte er dem Macke Museum zur Eröffnung des Erweiterungsbaus noch eine seltene Skulptur seines Großvaters geschenkt. Direktorin Klara Drenker- Nagels hatte zu dem Anlass die großzügige Familie Macke gelobt, die etliche Werke und Archivalien zum Künstlerhaus beigesteuert habe.

Wo Til Mackes Geburtstagsparty steigt, ist schon sicher: Das neue Macke Museum in der Bonner Nordstadt ist bereits gebucht.

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