Theaterfestival: Vorhang auf!

Theaterfestival : Vorhang auf!

Beim 14. Bonner Schultheaterfestival Spotlights präsentieren neun ausgewählte Ensembles ihre aktuellen Produktionen.

Vorhang auf und Scheinwerfer an für den Nachwuchs! Wie stark der Kinder- und Jugendtheaterbereich in Bonn aufgestellt ist, zeigt sich nicht nur an Häusern wie dem Theater Marabu und dem Jungen Theater Bonn, sondern auch am jährlichen Schultheaterfestival Spotlights, das 2016 bereits zum 14. Mal ausgerichtet wird. Neun ausgewählte Ensembles präsentieren sich vom 15. bis 20. Juni auf den großen Bühnen der Stadt und des Kreises. Und wie schon in den vergangenen Jahren ist das Niveau der Stücke erstaunlich hoch.

„Wir sind vielleicht nicht ganz so politisch wie 2015, haben aber mit Kafkas 'Die Verwandlung', der Dystopie 'Corpus Delicti' auf der Grundlage eines Romans von Juli Zeh und einem selbst geschriebenen Stück über Flüchtlinge durch eine Lehrerin der Emilie-Heyermann-Realschule einige bemerkenswert gesellschaftskritische Stücke im Programm“, sagt Organisatorin Claudia Lüth von der Jungen Theatergemeinde Bonn. „Dazu kommen weitere spannende und unterhaltsame Inszenierungen, so dass es mit Sicherheit wieder ein Festival wird, das alle Beteiligten und das Publikum begeistert.“

Ein ganz besonderes Stück dürfte „Die Känguru-Chroniken“ nach den Büchern von Marc-Uwe Kling sein, das Bernard Paschke geschrieben hat, ein 15-jähriger Abiturient des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums. „Wir waren in unserem Literaturkurs vor gut einem Jahr nicht ganz so glücklich, wollten unbedingt ein Theaterstück machen – und da ich die Chroniken sehr mag, habe ich sie eben adaptiert“, erzählt Bernard Paschke, der als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller gleich dreifach in der Pflicht steht. Im Stück spielt er ein kommunistisch-anarchistisches Känguru, das sich kurzerhand bei Marc-Uwe einquartiert und dessen Leben komplett durcheinanderbringt.

Auch die Organisation lief über den jungen Theatermacher Bernard Paschke. „Die Lehrer, die im Vorfeld von dem Stück wussten, waren zum Teil skeptisch, ob wir das alles hinkriegen würden“, erzählt Paschke. „Schwierig war aber eigentlich nur, für die Proben in die Aula zu dürfen, da dies nur während der Schulzeiten möglich war.“ Umso glücklicher ist er nun, dass im Rahmen von Spotlights eine Aufführung im Pantheon realisiert werden kann. „Das ist ein Traum“, sagt er. Wenn jetzt noch Marc-Uwe Kling sich zu der Inszenierung äußern würde, wäre alles perfekt. Unabhängig davon ist die Leidenschaft zum Theater weiterhin präsent. „Ich habe noch ein anderes Stück geschrieben, das wir in der vergangenen Woche uraufgeführt haben. Und jetzt will ich erst einmal ein Jahr nach Spanien gehen, könnte mir danach aber sehr gut vorstellen, irgendwas in Richtung Bühne zu studieren“, so Paschke.

Bemerkenswert ist auch die Beteiligung der Gemeinschaftsgrundschule Alfter-Witterschlick: Alle zwei Jahre bewirbt sie sich mit einem Musical bei Spotlights und schickt dabei kurzerhand alle Schüler auf die Bühne. Alle 220 Schüler! „Dazu gehört auch eine Klasse der Waldschule für soziale und emotionale Entwicklung, die bei uns auf dem Schulgelände unterrichtet wird“, erklärt Projektkoordinatorin Stefanie Kunze. „Das Schulmusical hat bei uns schon Tradition: Die Älteren erzählen den Jüngeren von ihren Erfahrungen, und dann werden wir immer gefragt, wann es denn wieder so weit sei“, erzählt die Lehrerin. „Es ist auch immer ein besonderes Erlebnis, vor allem wenn wir durch Spotlights auf eine Profi-Bühne dürfen und wir als Schule einen Ausflug machen. So etwas stärkt das Gemeinschaftsgefühl ungemein.“

In diesem Jahr bildet eine Geschichte um ein Spukschloss die Rahmenhandlung, innerhalb derer einzelne Klassen auftreten und singen oder tanzen. „Das schaffen wir natürlich nur als Team. Bei so einer Aufführung ist das gesamte Kollegium involviert, außerdem können wir auf Elternhelfer zurückgreifen. Auch die Organisation läuft über eine Gruppe von Lehrern. Aber wir haben alle so großen Spaß daran und erhalten so tolle Rückmeldungen, dass es sich jedes Mal lohnt“, bekräftigt Kunze.

Ein Stoff taucht bei diesem Spotlights-Festival gleich zweimal auf: Homers „Odyssee“. „Vielleicht liegt es an der Flüchtlingsthematik, die derzeit diskutiert wird“, vermutet Michaela Egbers, die den Text in einer Bearbeitung von Ad de Bont am Friedrich-Ebert-Gymnasium einstudiert hat. „Bei uns gab es das übergeordnete Thema Heimat, und da ich gemerkt habe, dass viele Schüler großes Interesse an Heldengeschichten hatten, bot sich die 'Odyssee' an. Zudem finde ich, dass die antiken Mythen etwas Tiefmenschliches in sich haben.“

Die Jugendlichen hätten in dem Projektkurs, der außerhalb der regulären Unterrichtszeit stattfand, aber auch großen Spaß dabei gehabt, die Monster (wie etwa den Zyklopen Polyphem oder das Meermonster Skylla) zum Leben zu erwecken. „Ich finde es unglaublich wichtig, den Jugendlichen Theater näherzubringen. Deshalb habe ich uns auch bei Spotlights angemeldet: Zum einen wollte ich die Arbeit der Theatergemeinde unterstützen, zum anderen aber auch meinen Schülern die Chance geben, auf einer professionellen Bühne zu stehen und von einer Jury Feedback zu erhalten“, erklärt Egbers.

Um Flüchtlinge geht es auch in einem Beitrag der Emilie-Heyermann-Realschule. Die beiden Kinder Shari und Talim müssen sich darin mit fiesen Lehrern, besorgten Eltern und einer Zickengang herumschlagen. „Ich habe die Thematik vorgegeben, weil ich der Meinung bin, dass man sich im Theater dieser Problematik von einer anderen Perspektive nähern kann als im normalen Unterricht“, erklärt AG-Leiterin Nina Reinheimer. „Dann habe ich die Fünft- und Sechstklässler improvisieren lassen und bemerkt, dass vor allem die Sprache und Mobbing als Probleme wahrgenommen wurden. Deshalb stehen diese Aspekte im Mittelpunkt des Stücks.“

Mit der Teilnahme bei Spotlights hofft sie nun, ihren Schülern zusätzliches Selbstvertrauen zu geben. „Es gibt tatsächlich ein paar Mädchen, die damit liebäugeln, Schauspielerinnen zu werden“, sagt Reinheimer. „Davon abgesehen hat das Stück auch durchaus eine Botschaft, mit der man sich über die Grenzen der Emilie-Heyermann-Realschule hinaus befassen sollte. Schultheater hat jede Menge zu bieten. Weshalb sollte es also von der Öffentlichkeit ungesehen bleiben?“

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