Intelligente Software: Wenn Automaten Gedichte schreiben

Intelligente Software : Wenn Automaten Gedichte schreiben

Programme verfassen Texte - Was heute belächelt wird, könnte morgen Jobs kosten. Eines scheint sicher: Maschinelles Schreiben wird immer wichtiger.

Viel ist in der Science Fiction über Künstliche Intelligenz erzählt und geschrieben worden. Nun arbeiten Entwickler daran, dass sie selbst in die virtuelle Tastatur schlägt und eigene Texte schreibt. Programme dazu gibt es bereits und erste Texte ebenfalls.

So nahm die Werbeagentur Tunnel23 den Welttag der Poesie am 21. März 2018 zum Anlass, um eine von ihr trainierte Software ein Gedicht schreiben zu lassen, das es schließlich nach einem Poesiewettbewerb in einen Gedichtband der Frankfurter Brentano-Gesellschaft schaffte. Es trägt den Titel "Sonnenblicke auf der Flucht" und soll Dichtungen von Goethe und Schiller zum Vorbild genommen haben. Ein Auszug:

"Seelenvolle Tänze und heiligen Lippen der Schande/ Flammen auf dem Flur, Licht in den Kehlen./ Das Böse bestet sich auf der Wiese, die Götter rennen./ Glocken hallen, Donner schwingen."

Wenn die KI Harry Potter schreibt

Ob es sich bei dem Gedicht um gehobene Kunst oder um sinnleere Phrasen handelt, liegt wohl in der Interpretation des Lesers. Für Spott sorgte jedenfalls eine Fortsetzung zu den Harry-Potter-Romanen. Das neue Kapitel wurde verfasst mittels eines Schreibprogramms, das die vorangegangenen Werke als Vorbild hatte und Ende 2017 Zeilen wie diese schrieb: "Harry sah sich um und fiel für den Rest des Sommers die Wendeltreppe herunter. ,Ich bin Harry Potter!', begann Harry zu schreien. ,Die dunklen Künste sehen sich besser vor, oh Junge!"

Diese Beispiele ändern nichts daran, dass die Bedeutung von KI für maschinelles Schreiben zunimmt. So zeigte sich Zach Seward, Journalist beim US-Magazin Quartz, im vergangenen November auf Twitter überrascht, als die Software Dreamwriter einen "gar nicht mal schlechten" Artikel über seinen Vortrag in Schanghai veröffentlichte - noch bevor er die Bühne verließ.

Bezeichnet als "Robo-Journalismus" sorgen die unsichtbaren Helferlein in Redaktionen bereits für Sorgen über die Zukunft der eigenen Zunft, denn KI-Programme werden nicht krank, nehmen keinen Urlaub, wollen keine Lohnerhöhung und streiken auch nicht. "Als Gewerkschaft sehen wird den Einsatz natürlich auch kritisch", sagte Renate Gensch, Vorsitzende der Journalistenunion bei der Gewerkschaft Verdi auf einer Konferenz.

Zu befürchten sei, dass dadurch Personal eingespart werde. Und Kritiker fordern schon jetzt: Automatisierte Texte sollen in Zukunft als solche gekennzeichnet werden.

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