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"Maischberger" in der ARD: Talkrunde diskutierte über Frauen in der Arbeitswelt

"Maischberger" in der ARD : Talkrunde diskutierte über Frauen in der Arbeitswelt

Bei „Maischberger“ diskutiert eine bunt gemischte Runde über Frauen in der Arbeitswelt. Dabei wurden die Fronten schnell klar. Was der Rest als Fortschritt erachtete, nannte der Unternehmensberater Reinhard Sprenger gerne auch mal „totalitär“.

Darum ging’s

Die Sendung war Teil eines Themenabends der ARD. Um 20.15 Uhr lief in der ARD der Spielfilm „Keiner schiebt uns weg“, der in den Siebziger Jahren spielte und somit in die Zeit zurück ging, in der Frauen begannen, für gerechte Bezahlung zu kämpfen. Hier wollte Sandra Maischberger ansetzen und mit ihren Gästen besprechen, ob Frauen auch heute noch in der Arbeitswelt benachteiligt werden.

Darum ging’s wirklich

Es wurde viel über Statistiken und Modellversuche geredet, zu deren Wahrheitsgehalt und Fortschrittlichkeit es immer zwei Meinungen gab. Neben der Frage, ob Frauen benachteiligt oder vielleicht doch bevorteilt werden, wurde intensiv darüber diskutiert, was Gleichberechtigung eigentlich bedeutet und wie man eine wahrhaft gleichberechtigte Gesellschaft erreicht.

Gäste

  • Judith Williams (Unternehmerin)
  • Katharina Schulze (Fraktionsvorsitzende Grüne in Bayern)
  • Ursula Engelen-Kefer (ehem. Gewerkschaftlerin)
  • Reinhard K. Sprenger (Unternehmensberater)
  • Hajo Schumacher (Journalist)

Unterhaltsamster Gast

Der Journalist Hajo Schumacher hat sich in seinem Buch „Männerspagat“ intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und dabei auch einige gute Anekdoten gesammelt. Seine Zwischenrufe lockern die Runde auf. Auch tut seine Rolle als geläuterter Mann dem Gespräch gut. Er zeigt, dass auch Männer beim Thema Gleichberechtigung lernfähig sein können.

Frontverlauf

Der Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger hat seine Einstellung zu Frauenrechten in den letzten Jahrzehnten hingegen kaum verändert. Er ist damit der logische Provokateur der Runde. Es beginnt schon damit, dass er gerne aus Studien zitiert, die den anderen Gästen schlicht unbekannt sind. „Der wesentliche Einkommensunterschied ist der zwischen Männer und Müttern“, ist einer dieser Sätze.

Besonders emotional reagiert Katharina Schulze auf die Sprüche Sprengers. „Es gibt zwar das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht das Recht auf eigene Fakten“, sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayrischen Landtag. Sie wirbt für politische Reformen, für ein neues Entgeltgleichheitsgesetz nach isländischem Vorbild, bei dem Unternehmen vom Staat überprüft werden. Für Sprenger ist das ein Eingriff in Privatbesitz. Eine Quotierung von Wahllisten nennt er gar „totalitär“.

Auch für die anderen Gäste gilt: Alle gegen Sprenger. Unter den anderen Vieren herrscht größtenteils Einigkeit. Dabei sind die Rollen klar verteilt. Die ehemalige Gewerkschaftlerin Ursula Engelen-Kefer erzählt von Früher, als die Welt für arbeitende Frauen noch deutlich rauer war als heute. Als die Männer sie ausgrenzten und Frauen sie „Rabenmütter“ nannten.

Hajo Schumacher erzählt auch gerne alte Geschichten. Zum Beispiel die von seiner Anfangszeit in der Bonner „Spiegel“-Redaktion, als noch das Credo galt: „Kein Mann fasst eine Tastatur an“. Die Frauen also nur zum Tippen zu gebrauchen waren. Ansonsten gibt er den Geläuterten, der später selbst vorwiegend den Hausmann spielte und mittlerweile auch eine Frauenquote befürwortet.

Komplettiert wird die Runde durch Judith Williams, die als weibliche Vorzeige-Unternehmerin präsentiert wird. Sie wirbt für mehr Frauen in Führungspositionen und attestiert Frauen eine größere Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. So ergänzen sich Schulze, Engelen-Kefer, Schumacher und Williams und wiesen jede(r) auf seine Art Sprenger dorthin zurück, wo er nach Meinung der Runde hingehörte: In die Siebziger.

Satz des Abends

„Ich hab Volkswirtschaft studiert. Da sagte mein Vater noch, wenn du das machst, dann kannst du doch sehr gut dein Haushaltsbudget planen“ (Ursula Engelen-Kefer über das Frauenbild ihrer Jugend)

Erkenntnis des Abends

Die Erkenntnis des Abends lieferte Moderatorin Sandra Maischberger mit ihrem Schlusssatz „Wir können heute noch eine Debatte führen, die so scharf ist, wie sie es in den Siebziger Jahren auch hätte sein können. Über ein Thema von dem alle dachten, eigentlich ist es gar nicht mehr diskussionswürdig.“

Dieser Text ist zuerst bei RP Online erschienen.