Vox-Sendung: Streit um Fritten 2.0 in der "Höhle der Löwen"

Vox-Sendung : Streit um Fritten 2.0 in der "Höhle der Löwen"

Die Löwen haben wieder gebrüllt: Welche Produkte in der "Höhle der Löwen" am Dienstagabend glänzten oder abfielen und warum die Löwen dieses Mal besonders viel Futter bekamen, verraten wir hier.

Folge 7 der fünften Staffel " Die Höhle der Löwen" und wieder einmal die Frage, welches Startup es schafft, einen Investor von sich und seinem Produkt zu überzeugen. Die Löwen bekamen dieses Mal Kuchen und etwas andere Pommes zu essen, wurden mit sexueller Belästigung von Kindern konfrontiert, erlebten hartnäckige Gründer und bekamen schlüpfrige Einblicke.

Abdeckblitz - Hartnäckige Gründer

Den Auftakt in die Sendung machten zwei Bewerber aus Hessen. Der 48-jährige Malermeister Mario Ballheimer und sein Partner Fedi Choukair präsentierten den Investoren ihren "Abdeckblitz". Für ihr - wie sie sagen - "innovativstes Produkt der Zukunft", verlangten sie 100.000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile. Mit dem zum weltweiten Patent angemeldeten Abdeckblitz möchten die beiden Partner nerviges Abkleben bei Malerarbeiten vereinfachen.

Eine Idee, die schnell das Interesse von Carsten Maschmeyer weckte, der während seines Studiums selbst als Maler jobbte. Auch Dagmar Wöhrl schien zunächst interessiert an dem Produkt, das seit sechs Monaten auf dem Markt ist. Skeptisch wurde sie allerdings, als die Gründer behaupteten, sie hätten keine Mitbewerber. Wöhrl: "Wieso kenne ich ihr Produkt dann schon seit über einem Jahr?"

Die Gründer setzten sich zur Wehr. Ihr Produkt sei einmalig, insbesondere wegen der Oberfläche. "Ich habe aus vier Produkten eins gemacht. Es ist wasserfest, chemiekalienbeständig, mehrfach wiederverwendbar und rückstandsfrei von den Untergründen entfernbar", erklärt Ballheimer. Es reichte nicht, um Wöhrl zu überzeugen: "All das konnte die Folie, die ich gekauft habe, auch."

Mit den Worten "ich glaube, unsere Chemie würde nicht zusammenpassen und ich habe das Gefühl, sie wollen immer das letzte Wort haben", verabschiedete sich Maschmeyer. Die nicht überzeugte Wöhrl schloss sich dem Ausstieg an und auch der Bonner Investor Frank Thelen sah sich nicht abgeholt und gab kein Angebot ab. Georg Kofler hatte als erster Investor wirklich lobende Worte für die Gründer übrig: "Sie und ihr Produkt gefallen mir. Ob es das schon einmal gibt - das finde ich nicht so dramatisch." Sein Angebot: 100.000 Euro für 35 Prozent Firmenanteile. Auch Ralf Dümmel gefiel das Produkt, das seiner Meinung nach "überall hingehört, wo Menschen hingehen". Er gab dasselbe Angebot ab wie Kofler und erhielt letztlich den Deal.

Kaiserschlüpfer - "Watschn" für die Gründerinnen

Auf einen Deal hofften auch Hebamme Daniela Westberg-Heuer und Marketingfachfrau Julia Steinbach. Die beiden Freundinnen aus Hamburg präsentierten "Kaiserschlüpfer", mit dem sie seit 2017 auf dem Markt sind. Für 100.000 Euro offerierten sie 15 Prozent der Firmenanteile. "Kaiserschlüpfer", das sind Slips für Frauen während der Schwangerschaft oder auch bei Regel- und Rückenschmerzen. Das Besondere an dem Slip: In eine Tasche kann ein Kühlpad eingelegt werden, das so den Druck von der Naht der Hose nehmen soll. Alternativ kann auch ein Wärmepad eingelegt werden, etwa bei Regelbeschwerden.

Nachdem Thelen, Wöhrl und Maschmeyer schnell ausgestiegen waren, blieben zwei Löwen in der Manege übrig.

Judith Williams, die anzweifelte, ob 100.000 Euro ausreichen, kritisierte das Aussehen des "Kaiserschlüpfers" ("wenn ich damit vor meinem Mann stehe, der fasst mich nie wieder an") und behauptete, dass es ähnliche Produkte bei Amazon "wie Sand am Meer" gebe. Ihr ernüchterndes Feedback: "Ihr habt etliche Schwachstellen. Ihr müsst an eurer Marke arbeiten. Wer seid ihr und wofür steht ihr?" Damit stieg auch Williams aus.

Auch Dümmel konnten die Gründerinnen nicht überzeugen und verließen die Sendung so ohne Deal und mit "Chaos im Kopf und einer kleinen Watschn".

Frittenlove - viel Liebe der Löwen für die Pommes 2.0

Ina und Sascha Wolter wagten sich als nächstes vor die Löwen. Die Gründer aus Backnang preisten außergewöhnliche Pommes Frites an. Diese schlugen nach eigener Aussage bisher so ein, dass Sascha Wolter, Inhaber eines Michelin-Sterns, sein eigenes Restaurant nach mehr als sieben Jahren aufgab und sich ganz seinem Startup "Frittenlove" widmete. "Frittenlove" brachte eine Alternative zur herkömmlichen Kartoffelpommes auf den Markt: Pommes aus Kichererbsen.

Wenig überraschend sorgten die Fritten 2.0 schnell für neugierige Gesichter im Löwenkäfig. Für 60.000 Euro würden die Gründer zehn Prozent des Unternehmens an einen Investoren abtreten. "Wow", "klasse", "ich bin begeistert", so die Löwen. Thelen bedauerte, dass das Produkt bislang nur für den Großhandel und nicht den Endkonsumenten vorgesehen ist, merkte aber auch an, dass der Versand von Tiefkühlprodukten entsprechend schwierig sei. "Der eigentlich interessante Hebel ist es aber, die Fritten jedem zugänglich zu machen", so der Bonner Investor, der vom Geschmack der Stäbchen überzeugt war.

Dann ging es ans Eingemachte: Maschmeyer stieg schnell aus, vor allem weil er ein Problem mit den schwarzen Trüffel-Pommes hatte. Dümmel hatte weniger ein Problem mit dem Aussehen, dafür aber mit dem Geschmack - auch er stieg aus.

Wöhrls Interesse war geweckt: "Ich möchte ihre Pommes haben", sagte die Investorin und bot den Investoren das Gewünschte. Thelen gab mit viel Lob für die Investoren ebenfalls ein Angebot ab: Er forderte 20 Prozent der Firmenanteile für ein Investment von 120.000 Euro. Mit Kofler gab ein dritter Löwe ein Angebot ab: 180.000 Euro für 26 Prozent der Firmenanteile. Nun reagierte Wöhrl noch einmal und erhöhte ihr Angebot auf 120.000 Euro für zehn Prozent.

Den Zuschlag erhielt letztlich Thelen, der laut Sascha Wolter "einfach die meiste Expertise" hat.

Privalino - viel Lob, aber der falsche Ansatz

Die App "Privalino" der Frankfurter Gründer und Entwickler Nicolai Erbs und Patrick Schneider soll Kinder vor sexueller Belästigung in sozialen Medien schützen können. "Privalino" soll den Heranwachsenden in einem geschützten Raum gesichertes Chatten ermöglichen. "Wir wollen das Bewusstsein für Cybergrooming wecken. Das ist ein sehr wichtiges Thema, das uns viel bewegt und die Gesellschaft auch verändern wird".

Für 250.000 Euro Kapital wollten die Gründer einem Löwen 15 Prozent der Firmenanteile überlassen. Mit einem Chat zwischen einem Kind und einem unbekannten Erwachsenen, der vonseiten des Erwachsenen schnell ins sexuelle abdriftete und wie er den Gründern zufolge regelmäßig vorkommt, erreichten Erbs und Schneider schnell die Aufmerksamkeit der Investoren. "Privalino" soll die Online-Kommunikation von Kindern zwischen sechs und zehn Jahren schützen. Eltern installieren die App auf dem Smartphone des Kindes, die Künstliche Intelligenz des Messengers analysiert den Schreibstil der Gesprächspartner und kann so gefährliche Muster erkennen und das Kind sowie die Eltern warnen.

Die App, über die nur von den Eltern abgesegnete Gesprächspartner Videos und Fotos versenden können, sowie die Arbeit der Gründer nötigte Dümmel Respekt ab: "Heißes Thema. Mega, dass ihr euch damit auseinandersetzt." Auch Wöhrls Interesse war geweckt. Sie merkte aber an, dass der Messenger ja nur dann funktioniere, wenn ihn beispielweise jedes Kind aus einer Schulklasse nutze. Die Gründer vertrauen in diesem Punkt auf die Kommunikation der Eltern untereinander. Weil den Gründern Wöhrl zufolge ein ganz großes Vertriebsnetz fehlt, stieg sie schnell aus.

Auch Dümmel, der in diesem Falle nicht der richtige Investor sein könne, stieg aus. Thelen, auf den die Gründer als Investor schielten, sah die App noch nicht zu Ende gedacht. "Man müsste eure Technologie nehmen und sie in die anderen Plattformen wie Whatsapp und Instagram integrieren. Ihr müsst eure Filter in die Welt bringen, das wäre der richtige technologische Ansatz", so der Bonner. Carsten Maschmeyer verlangte von Erbs und Schneider groß zu denken: "Wenn es ideal wäre, wie würden sie das Problem denn richtig lösen wollen?" Die Vision des ersten Privalino-Handys sorgte dann allerdings für allgemeines Kopfschütteln in der Runde, Thelen vergrub sein Gesicht hinter beiden Händen und strafte die Beiden ab: "Ihr habt keine Chance." Maschmeyer: "Ja, das ist mir zu groß..."

Nach Maschmeyer stieg auch Kofler schnell aus, da er kein Geschäftsmodell erkannte. Letztendlich war auch Thelen nicht überzeugt: "Ihr geht das Thema falsch an. Ich überlege, wie ich euch helfen kann, es in anderen Messengern zu integrieren." Heute habe er aber kein Konzept, denn die Firma müsse einmal komplett umgedreht werden. Er stieg aus und die Frankfurter verließen die Höhle ohne Investor.

Kuchentratsch - wenn jung und alt zusammen backen

Dann wurde es wieder kulinarisch: Katharina Meyer und Anna Bründermann stellten den Löwen "Kuchentratsch" vor und verlangten für zehn Prozent Firmenanteile 100.000 Euro. "Kuchentratsch" soll junge und alte Menschen beim gemeinsamen Backen nach Rezepten der Senioren in einer Bäckerei zusammenbringen. Den besten Kuchen der Welt gebe es schließlich bei Oma. Die Oma- und Opa-Kuchen werden an Cafés verkauft, können aber auch online bestellt und nach Hause geliefert werden.

Die Löwen bissen wortwörtlich sofort an und probierten von Oma Annie und Opa Norbert mitgebrachten Kuchen. "So kann man die Löwen glücklich machen", fasste Thelen zusammen. Dann wurde es aber wieder ernst. Umsätze, Vertrieb und Geschichte des Unternehmen wurden durchdekliniert und mit viel Lob von Seiten der Löwen kommentiert. Diese lobten vor allem auch die Idee der Münchnerinnen, alte Menschen mit jungen Menschen zusammenzubringen.

"Sie haben unwahrscheinlich viel Herz, das kommt bei ihnen rüber", sagte Dümmel zu den Gründerinnen. Als Investor sei er allerdings eher "multi-channel" unterwegs und schaue, ob er ein Thema auf vielen Kanälen verbreiten könne. Da er das nicht sieht, stieg er ebenso wie Thelen aus.

Maschmeyer biss an und bot den beiden Frauen das Gewünschte. Er mache das Angebot, weil er das Modell, der Zusammenarbeit älterer und jüngerer Leute begrüßt und sich sicher ist, dass davon vor allem ältere profitieren. Auch Wöhrl war begeistert und schloss sich kurzerhand mit Maschmeyer zusammen. "Ein wunderbares, geniales Startup", fasste zuletzt Williams zusammen, gab aber kein Angebot ab. Die Gründerinnen hätten nun ein tolles Angebot erhalten, wo sie nicht dazwischengrätschen wolle.

Zwei sichtlich glückliche Gründerinnen nahmen das Angebot von Maschmeyer und Wöhrl an und damit endete diese Folge der Höhle der Löwen.

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