„Official Secrets“: Gavin Hood zeichnet Heldinnen-Porträt einer Whistleblowerin

„Official Secrets“ im Kino : Gavin Hood zeichnet Heldinnen-Porträt einer Whistleblowerin

Mit „Official Secrets“ zeichnet Gavin Hood das Heldinnen-Porträt einer Whistleblowerin. Was Zuschauer bei dem Film, der ab dem 21. November im Kino zu sehen ist, erwartet, lesen Sie hier.

Das derzeitige Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump hat erneut gezeigt, dass die Demokratie nur dann in der Lage ist, sich gegen den Amtsmissbrauch ihrer gewählten Regierungsvertreter zu wehren, wenn es Menschen innerhalb des Machtapparates gibt, die das eigene Gewissen vor die Loyalität zu ihrem Arbeitgeber setzen. Man könnte auch sagen: Die Demokratie ist nur so stark wie ihre Whistleblower.

Das Kino hat sich von Anfang an für diese renitenten Helden interessiert. In Sidney Lumets „Serpico“ (1973) zog Al Pacino als aufrechter Cop gegen den korrupten Polizeiapparat ins Feld. In Michael Mann „The Insider“ (1999) deckte Russell Crowe die Vertuschungspolitik und massiven Einschüchterungsversuche der amerikanischen Tabakindustrie auf. Oliver Stones „Snowden“ (2016) und Laura Poitras „Citizenfour“ (2014) setzten sich im Spiel- und Dokumentarfilmformat mit dem prominentesten Whistleblower unserer Zeit auseinander.

Nun lenkt Gavin Hood mit „Official Secrets“ die Aufmerksamkeit auf eine engagierte Geheimnisverräterin, die bereits zehn Jahre vor Edward Snowden die illegalen Machenschaften der NSA im Zuge des Irakkriegs öffentlich gemacht hat. Als Übersetzerin arbeitet Katharine Gun (Keira Knightley) für die staatlich britische Abhöragentur „Goverment Communications Headquarters“ (GCHQ), als am 31. Januar 2003 die E-Mail eines NSA-Mitarbeiters in ihrem Posteingang landet. Darin werden die britischen Kollegen aufgefordert kompromittierendes Material über Uno-Abgeordneten von Angola, Kamerun, Chile, Bulgarien und Guinea zu sammeln. Mit den Informationen sollen die Parlamentarier unter Druck gesetzt werden, damit sie dem US-Antrag für einen Einmarsch in den Irak zustimmen.

Die politische Debatte um die Invasionspläne George W. Bushs, die der britische Premier Tony Blair vollumfänglich unterstützt, ist gerade im Vereinigten Königreich aufgeheizt. Fast eine Million Menschen ziehen in London wie in zahlreichen anderen Städten der Welt gegen den Krieg auf die Straße. Auch Katharine glaubt nicht an die Mär der Massenvernichtungswaffen, die Saddam Hussein angeblich im Irak hortet. Sie entscheidet sich, die brisante E-Mail auszudrucken und einer befreundeten Protest-Organisatorin zu übergeben, die sie an die Presse weiterleiten soll.

Der Reporter des „Observer“ Martin Bright (Matt Smith) hat es nicht leicht, seine Vorgesetzten von der Authentizität des Materials zu überzeugen, weil die Redaktion auf den Pro-Kriegskurs Blairs eingeschworen wurde. Als der Artikel endlich erscheint, stellt sich Katharine schon bald als Whistleblowerin, damit ihre Arbeitskollegen keinen weiteren Verdächtigungen ausgesetzt sind. Der engagierte Menschenrechtsanwalt Ben Emmerson (Ralph Fiennes) übernimmt ihre Verteidigung mit einer riskanten Strategie: Er will die Illegalität der britischen Kriegsbeteiligung nachweisen und damit den Geheimnisverrat rechtfertigen.

Mit „Official Secrets“ zeichnet Gavin Hood („Tsotsi“) ein konventionelles, aber grundsolides Heldinnen-Porträt der Whistleblowerin, die sich als Geheimdienst-Angestellte mehr ihrem Volk und nicht der britischen Regierung verantwortlich sah. Knightley zeigt sich an heroischen Posen wenig interessiert und macht die Selbstzweifel und Überforderungen transparent, die mit einer solchen weitreichenden, moralischen Entscheidung einhergehen. Hinter seiner couragierten Protagonistin erweckt Hood noch einmal das politische Klima jener Jahre zum Leben, in denen mit fadenscheiniger Legitimierung ein Krieg vorangetrieben wurde, der die politische Situation im Nahen Osten nachhaltig destabilisiert hat.

Gleichzeitig zeigt der Film, wie die USA und Großbritannien mit falschen Geheimdienst-Informationen ihr Wahlvolk wissentlich belogen und die weltweiten Proteste von Abermillionen Demonstranten ignorierten. Hier wurde eine junge Generation geradewegs in die Politikverdrossenheit geführt, deren Folgen gerade im vom Brexit geplagten Königreich bis heute spürbar sind. Kinopolis