Musik-Comedy mit Igudesman & Joo in der Kölner Philharmonie

Musik-Comedy in der Kölner Philharmonie : So war der Abend mit Igudesman & Joo

In der Philharmonie in Köln war das Music-Comedy-Duo Igudesman & Joo mit seinem Programm „Die Rettung der Welt“ zu Gast. Im Saal fahndete es nach einem „glücklichen Ehepaar“ und fand nach erfolgloser Suche immerhin „ein Ehepaar“ im Publikum.

Vor dem Hintergrund solch hitziger Debatten, wie sie gerade der WDR wegen des Satire-Videos „Meine Oma ist ´ne alte Umweltsau“ erlebt, müsste sich auch die Kölner Philharmonie wegen eins möglicherweise drohenden Shitstorms warm anziehen. Dort nämlich war das um politische Korrektheit nur wenig bemühte Music-Comedy-Duo Igudesman & Joo mit seinem Programm „Die Rettung der Welt“ zu Gast, das im Saal nach einem „glücklichen Ehepaar“ fahndete und nach erfolgloser Suche immerhin „ein Ehepaar“ im Publikum fand.

Als das Ehepaar sich von den Sitzen erhob und zur Bühne ging, wurde dem Mann bedeutet: „Nicht Sie, nur Ihre Frau!“ Pianist Hyung-ki Joo fesselte die Dame umständlich mit Handschellen, in denen er selbst gerade noch virtuos ein Bach-Präludium gespielt hatte, an einen Stuhl und schmachtete sie mit einem – vergifteten – Liebeslied an: „Please Shoot Your Husband“ heißt das munter daherkommende Stückchen, das im wienerischen Original von Georg Kreisler so klingt: „Bitte erschieß deinen Gatten, sei nicht so zimperlich. Gib dir einen Ruck, er hat schon genug, und dann heirate mich“.

In der gut besuchten Philharmonie nahm das Publikum den beiden musikalischen Schelmen, die sich als zwölfjährige Jungs an der Yehudi Menuhin School in England kennenlernten und seither unzertrennlich sind, den mörderischen Scherz glücklicherweise nicht übel. Genausowenig wie mögliche Wagnerianer im Publikum lauthals protestierten, als der virtuose Geiger Aleksey Igudesman das Stück „Richard Won’t Like It“ ankündigte. „Wie manche von Ihnen wissen, war Richard Wagner nicht der größte Fan von jüdischer Musik“, teilte er dem Publikum durchaus wahrheitskonform mit. „Deshalb haben wir ein paar seiner berühmten Themen genommen und sie im Klezmer-Stil arrangiert.“ Das Ergebnis war durchaus hübsch anzuhören. Mit Igudesmans Geige und Joos Melodika-Begleitung erhielt der martialische Walküren-Ritt eine leichte, tänzerische und irgendwie auch pazifistischere Farbe.

 Die stärksten Nummern des Abends hatten es in sich. Dazu zählte auch die hübsche Idee, große Werke der Musikgeschichte in knappen Fünf-Sekunden-Versionen aufzuführen, um der vermeintlich verkürzten Aufmerksamkeitsspanne des zeitgenössischen Publikums gerecht zu werden. In mundgerechte Häppchen wurde Beethovens fünfte Sinfonie ebenso serviert wie Mozarts „sehr kleine Nachtmusik“ oder Schuberts ohnehin schon „Unvollendete“. Und John Cages unter dem Titel 4’33’’ in Zeit gefasste musikalische Stille  war in einer 4,33 Sekunden dauernden Kurzfassung zu erleben.

Solche geistreichen Nummern entschädigten ein bisschen für einige Längen, die das Programm vor allem in der ersten Hälfte zu bieten hatte. Überflüssig war zum Beispiel die penetrante Eigenwerbung sowohl für das im Oktober im deutschen Handel erschienene Buch „Rette die Welt: Wie du deine Kreativität weckst“ als auch für die Website des Duo-eigenen Startups, bei dem es sich um eine Airbnb-Variante für Musiker handelt, die auf Reisen Probenräume mit Instrument suchen.  Am Ende der Show forderte das Duo sein Publikum auf, ihm zu einem Stück mit dem Titel „Lina’s Waltz“, das sie auf  Melodika und Geige spielten, aus dem Saal ins Foyer zu folgen. Dort würden sie ihre Bücher signieren.