Kritik zum ARD-Krimi: Kunstaffiner Serienmörder im Tatort aus Münster

Kritik zum ARD-Krimi : Kunstaffiner Serienmörder im Tatort aus Münster

Im Tatort „Gott ist auch nur ein Mensch“ ermitteln Thiel und Börne in der Kunstszene. Es bleibt nicht bei einer Leiche. Eine Kritik von GA-Redakteur Dietmar Kanthak.

Ein kunstaffiner Serienmörder geht um in Münster. Das passt, denn die Stadt ist bekannt durch ihre „Skulptur Projekte“. Im Tatort „Gott ist auch nur ein Mensch“ haben die Drehbuchautoren Christoph Silber und Thorsten Wettke die Projekte in „Skulptur-Tage“ verwandelt. In einem Kunstwerk im öffentlichen Raum entdeckt die Polizei den ermordeten, ehemaligen Stadtrat für Bildung, Paul Eigenstein. Er hatte pädophile Neigungen. Es bleibt nicht bei einer Leiche. Geht es hier um eine tödlich endende Bestrafungsaktion mit künstlerischem Anspruch?

Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) machen intime Bekanntschaft mit der Kunstszene: Thiel als vorurteilsfroher Beamter, Boerne als verhinderter Meisterschüler. Der Weg zur Auflösung der Fälle in der von Lars Jessen inszenierten Tatort-Folge ist dramaturgisch gesehen eine vernachlässigenswerte Größe. Das stolpert so vor sich hin. Was das Tatort-Team wirklich interessiert, sind die Konfrontationen unterschiedlichster Typen: eitler Pathologe, spießiger Kommissar, charismatischer Künstler.

Aleksandar Jovanovic repräsentiert als Zoltan Rajinovic – genannt „G.O.D.“ – die sinistre, schnurzbärtige, aggressive, besessen schweißende und hämmernde Variante eines Kunstproduzenten, der ein Werk für die Ewigkeit schaffen will. Seinem Ruf, ein „totales Arschloch“ zu sein, wird er mit links gerecht. Tötet so einer für seine Vision? Boerne sucht die Nähe dieses düsteren Meisters, das führt zu sehenswerten komischen Effekten und einem neuen Blick auf die Persönlichkeit des Professors.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr