Im Düsseldorfer Landtag: Grundgesetz trifft Kunst

Im Düsseldorfer Landtag : Grundgesetz trifft Kunst

Bonner Initiativen zeigen eine Ausstellung mit 144 Bildern und Skulpturen.

Noch stehen die Kunstwerke gut verpackt in Kisten im Souterrain der Kunstbrennerei, der ehemaligen Schnapsfabrik an der Bonner Kölnstraße, die heute Atelier- und Kunsthaus ist. Bald werden die 40 mal 40 Zentimeter großen Gemälde, Fotos, Grafiken und dreidimensionalen Objekte in der Wandelhalle des Düsseldorfer Landtags hängen oderc stehen, akkurat durchnummeriert von eins bis 144.

So viele Artikel umfasst das deutsche Grundgesetz, dessen Verabschiedung sich 2019 zum 70. Mal jährt. Zu jedem Artikel haben sich insgesamt 90 Künstler etwas einfallen lassen. Nach der Premiere in Düsseldorf am 28. Juni soll die Ausstellung durch die Republik touren. Ab 8. September macht sie Station in Bonn - an einem geschichtsträchtigen Ort.

Denn in der Druckerei Stodieck an der Graurheindorfer Straße wurden die ersten Exemplare des im Parlamentarischen Rat erarbeiteten Grundgesetzes produziert. Sogar historisch vorläufige Exemplare des Grundgesetzes sollen dort gefunden worden sein. Die frühere Druckerei ist heute Kulturzentrum, die Initiative "arte fact - Werkstatt für Kunst" hat hier mit ihrer freien Kunstakademie ihre Räume.

Seit drei Jahren arbeiten Mitglieder Ateliergemeinschaft Kunstbrennerei und der Bonner Künstlergruppe und offenen Plattform AMorph am Konzept zur Ausstellung. Künstlern, die mitmachen wollten, wurden die jeweiligen Grundgesetzartikel mit der Bitte um Interpretation zugelost. Einzige Bedingung: Das Format 40 mal 40 Zentimeter muss eingehalten werden.

Gemäß dem Motto "AMorph will künstlerische Barrierefreiheit" wendet sich das Projekt an alle, nicht nur an Profikünstler. Die Bandbreite der Motive ist denkbar riesig. Sie reicht von der Fotocollage, die Christian Wulff und Horst Seehofer zu einer janusköpfigen Person werden lässt, bis zu einem Bündel unzähliger Buntstifte.

Die Fotoarbeit ist von Euncheol Choi und widmet sich dem Artikel 57, der die Vertretung des Bundespräsidenten durch den Bundesratsvorsitzenden "bei vorzeitiger Erledigung des Amtes" vorsieht. Die Buntstifte hat Jerome Padilla zusammengebracht. Sie versinnbildlichen Artikel 17 und das Recht, sich einzeln und in Gemeinschaft mit Bitten und Beschwerden an die Volksvertretung wenden zu können. Choi ist Mitglied der Kunstbrennerei, Padilla der Gruppe AMorph.

Die Bonner Malerin Nina Herold, die in beiden Formationen aktiv ist, hat sich hintergründig und mit bewährter Präzision des Themas "Freizügigkeit" (Artikel 11) angenommen. Ihr Atelierkollege Tobias Stutz hat einen antiken Setzkasten aufgetan und mit einem historischen Foto dem Artikel 106, in dem es um komplexe Finanz- und Steuerthemen geht, an die Seite gestellt.

"Ich finde das ziemlich mutig", sagt Nina Herold im Hof der Kunstbrennerei und meint damit die prekäre Finanzierung, aber auch den logistischen Aufwand der Schau, der den Transport im Mercedes Sprinter, den Aufbau und die Katalogproduktion beinhaltet. Ihre Künstlerkollegen Stutz, Padilla und Ali Monzavi stemmen großteils das Projekt, in das viele andere involviert sind. Herold, die alle Beiträge gesichtet hat, ist begeistert: "Wie bunt das Gesetz ist!" Neben Bonn sind die Landtage in Kiel, Saarbrücken und Wiesbaden Gastgeber der Grundgesetz-Ausstellung. Weitere Stationen der Tournee sind in der Diskussion.

Die Ausstellung "70 Jahre Grundgesetz" wird am 28. Juni in der Wandelhalle des Düsseldorfer Landtages eröffnet. In Bonn ist die Schau vom 8. bis 14. September in der Werkstatt für Kunst/Freien Kunstakademie , Graurheindorfer Straße 69. Vernissage: 7. September, 19 Uhr

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