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Lieder von Schmerz, Wut und Trauer: Fado-Sängerin Mariza in der Kölner Philharmonie

Lieder von Schmerz, Wut und Trauer : Fado-Sängerin Mariza in der Kölner Philharmonie

Die großartige Fado-Sängerin Mariza begeistert in der Kölner Philharmonie. Ihre Stücke schlagen Brücken zum Bossa Nova oder zum Pop.

Eine kleine Geste genügt und der Ordner löst die rotsamtene Absperrung, die die Bühne vom Raum davor trennt. Mit der Haltung einer Königin schreitet sie die Stufen hinunter. Und braucht dafür doch keine Krone. Eine schlanke, aufrechte Gestalt, das kurze weißblonde Haar eng anliegend wie eine Kappe über dem schmalen Gesicht. Säße man jetzt in der ersten Reihe, könnte man hören, wie der Saum ihres Chiffonkleids raschelt. Begleitet vom leisen Klingeln der diamantenen Fäden, mit denen es bestickt ist.

Reihe um Reihe durchwandelt sie, Hände schüttelnd, hier und da ein paar Worte wechselnd, Menschen begrüßend, die sie schon oft gesehen hat. Oder denen sie noch nie begegnet ist. Aber fast so, als seien auch die alte Bekannte. Ihr Lächeln strahlt heller als alle Scheinwerfer zusammen. Und plötzlich, mitten unter uns, ist sie ganz und gar irdisch. Marisa dos Reis Nunes, besser bekannt als Mariza. Eine der größten Fado-Sängerinnen unserer Zeit. Wenn auch nicht unumstritten. Denn sie hat die Seelenmusik Portugals erneuert, hat sie verjüngt und erweitert. Puristen nehmen ihr das übel. Aber über eine Million weltweit verkaufte CDs und 32 Platin-Auszeichnungen geben ihr Recht. Ebenso wie das wunderbare Konzert der 44-Jährigen am Samstag in der ausverkauften Philharmonie.

Hervorragend begleitet von José Manuel Neto (portugiesische Gitarre), Pedro Jóia (Gitarre), Fernando „Yami“ Aráujo (Bassgitarre), Hugo „Vicky“ Marques (Percussion) und Joao Frade (Akkordeon) sorgt sie für ein Wechselbad der Gefühle. In nicht ganz zwei Stunden, ohne Pause, beschwört Mariza Sehnsucht und Zärtlichkeit, Verlust und Schmerz, Wut und Trauer, aber auch Hoffnung und den Glauben daran, das Wünsche wahr werden können. „Quem me dara“ von ihrem siebten Studioalbum, das im Mai erschienen ist und schlicht ihren Künstlernamen trägt, ist so ein Lied. Andere neue Stücke wie „Verde Limao“ oder „Triguerinha“, das eigentlich ein Fado-Klassiker ist, schlagen Brücken zum Bossa Nova oder zum Pop.

Besonders intensiv gerät die nur vom Schlagzeug begleitete Klage „Barco Negro“, bei „Rosa Branca“ wird das Publikum geduldig von der Künstlerin zum Mitsingen angeleitet, was sich auszahlt. Noch einmal zeigt sich bei „Primavera“ wie verhängnisvoll ein Frühling sein kann, „Oh Gente da Minha Terra“ bewahrt sich Mariza als dritte und letzte Zugabe auf. Alles, aber auch alles, legt sie da hinein. Und in ihren Abschiedsgang durch die Reihen. Wahre Königinnen brauchen keine Krone. Was sie adelt, ist ihr Herz.