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Birds of Prey: Margot Robbie als Harley Quinn - Filmkritik

Neu im Kino : Das erwartet Kinobesucher bei „Birds of Prey“

Cathy Yans „Birds of Prey“ ist eine schrille Comic-Adaption mit ironischen Superheldinnen. Der Bad-Girl-Charme bringt frische Luft in das männerdominierte Genre.

Weiß geschminktes Gesicht, roter Lippenstift, zwei Zöpfe, die frech zur Seite abstehen – auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine Mischung aus Harlekin und Pippi Langstrumpf. Aber von dem bunten Girlie-Outfit sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn diese Harley Quinn (Margot Robbie) hat es faustdick hinter den Ohren. Einmal in Fahrt geraten, verdrischt sie mit dem Baseballschläger ganze Heerscharen herannahender Schurken oder ballert sich mit einer Schrotflinte den Weg durch das Polizeipräsidium von Gotham City frei.

Seit geraumer Zeit weht ein feministischer Wind durch die Gefilde der Comic-Verfilmungen. Anfangs waren es noch Quoten-Heldinnen wie Scarlett Johanssons „Black Widow“ im Team der Avengers. Aber als Patty Jenkins „Wonder Woman“ bewies, dass man auch mit weiblichen Hauptfiguren an der Kinokasse reüssieren kann, war es vorbei mit dem maskulinen Machtmonopol im Superhelden-Gewerbe. Dabei versuchen die beiden Marktführer – „Marvel“ und „DC“ – sich gegenseitig zu überbieten. Auf DCs „Wonder Woman“ konterte die Konkurrenz mit „Captain Marvel“. Im Mai wird Marvel seiner „Black Widow“ endlich auch eine eigene Franchise-Folge widmen, was angesichts der langjährigen Präsenz der Figur im hauseigenen Helden-Kollektiv längst überfällig war.

Hyäne als Schoßhündchen

Aber auch diesmal war DC schneller und serviert nun mit Cathy Yans „Birds of Prey“ eine schrille Comic-Adaption, in der gleich vier Frauenfiguren im verruchten Gotham City gründlich aufräumen. Dafür brauchen sie keinen Batman, der sich mit Fledermaus-Maske und sonorer Stimme zum Gerechtigkeitshüter aufspielt. Nach ihm wird hier allenfalls eine gezähmte Hyäne benannt, die Harley in ihrem engen Apartment als Schoßhündchen hält.

Und auch der gefährlich-labile Joker, mit dem Harley im Vorgängerfilm „Suicide Squad“ eine verhängnisvolle Affäre verband, ist Geschichte. Sein Konterfei dient ihr nur noch als Zielscheibe zum Messerwerfen. Die Männer in Gotham City taugen nicht viel: Selbstherrliche Gangsterbosse, narbengesichtige Killer, korrupte Polizisten.

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Die unberechenbare Großstadt-Amazone mit dem Clownsgesicht hat sich mit allen angelegt und deren kriminelle Geschäfte empfindlich gestört. Vor allem der machthungrige Oberschurke Roman Sionis (Ewan McGregor) will Harley an den Kragen. Noch wichtiger ist ihm jedoch der große Diamant, welchen die jugendliche Taschendiebin Cassandra (Ella Jay Basco) gestohlen hat. Hinter Juwel und Mädchen ist auch die übereifrige Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez) her, während die schlagkräftige Sängerin und Gangster-Chauffeurin Black Canary (Jurnee Smollett-Bell) die Verfolgte zu beschützen versucht. Aber erst im finalen Gemetzel auf einem Jahrmarktgelände tun sich die rivalisierenden Frauen zusammen, um sich gegen männliche Übermacht zur Wehr zu setzen.

Sarkastischer Off-Kommentar

„Birds of Prey“ hat mit den bierernsten DC-Filmen à la „Batman“ und „Superman“ oder zuletzt „Joker“ wenig zu tun. Von Anfang an ist der weibliche Blick auf Gotham City von bitterer Ironie geprägt. „Birds of Prey“ hat mehr mit dem Marvel-Ausreißer „Deadpool“ gemein. Ein sarkastischer Off-Kommentar der überdrehten Harley ist auch hier das Mittel der Wahl, um die chaotische Erzählung zusammenzuhalten. Ein bisschen erinnert der Film auch an eine ausufernde Schulhofkeilerei zwischen Jungs und Mädchen mit der Regisseurin als äußerst parteiischer Schiedsrichterin.

Die Gewaltszenen, in denen die kriminellen Kerle nacheinander niedergestreckt werden, sind klar ausformuliert, unterscheiden sich jedoch deutlich von den martialischen Gemetzeln, wie sie etwa Zack Snyder in „Batman v Superman“ in Szene gesetzt hat.

Wenn Harley das Polizeipräsidium mit einer abgesägten Schrotflinte stürmt, platzen die Geschosse auf den Körpern der Opfer mal als Konfetti, mal als bunter Rauchnebel. Yan arbeitet gezielt mit Brechungen und Überzeichnungen, was den Gewalt-Quotienten jedoch nicht verringert. Die FSK 16 ist hier absolut gerechtfertigt. „Birds of Prey“ sollte nicht als feministisches Meisterinnenwerk der Comic-Film-Kunst missverstanden werden. Aber der Film entwickelt einen schrillen, lustvoll anarchistischen Bad-Girl-Charme, der frische Luft in das eingefahrene, männerdominierte Genre bringt.