Von Walter Chandohas: Bildband "Cats" zeigt Katzenbilder auf 300 Seiten

Von Walter Chandohas : Bildband "Cats" zeigt Katzenbilder auf 300 Seiten

Walter Chandohas Bildband "Cats" versammelt Aufnahmen aus den Jahren 1942 bis 2018. Die Fotos spiegeln die Verspieltheit und Neugier, die meditative Poesie, die Komik, die lauernde Aggressivität und Kampfeslust von Felis silvestris catus wider.

Als der amerikanische Fotograf Walter Chandoha im Januar 2019 im Alter von 98 starb, hatte er gut 75 Jahre darauf verwendet, sich mit charmanten Geschöpfen anzufreunden und sie zu fotografieren. Katzen waren sein Lebensthema. Die Empfehlung des Schauspielers W. C. Fields – „Arbeite nie mit Kindern oder Tieren“ – schlug Chandoha in den Wind. 1952 veröffentlichte er sein erstes Buch: „All Kinds of Cats“. 66 Jahre später holte er sie immer noch vor die Kamera. Den zahllosen Katzenliebhabern auf der Welt hat Chandoha ein großartiges Geschenk hinterlassen: den opulenten Bildband „Cats“ mit Aufnahmen aus den Jahren 1942 bis 2018. „Wenn man Zeit mit seinen Fotos verbringt, dann hat das große Ähnlichkeit mit dem Nachmittag einer Katze in der Sommersonne: sorglos, beschaulich und eine Meditation in Schönheit, Schnurren und allem, was dazugehört“, schreibt die Autorin Susan Michals in einem begleitenden Text in „Cats“.

Chandoha liefert allerdings mehr als eine Meditation in Schönheit, er zeigt die vierbeinigen Sympathieträger auch in ihrer Rolle als potenzielle Killer. Auf seinem berühmten Bild „The Mob“ bewegt sich eine Gruppe von finster dreinblickenden Katzen wie Robert De Niro & Co. in Francis Ford Coppolas Gangsterfilm „Der Pate“. Susan Michals' Kommentar: „Die schwarze Katze – der Anführer – ist eindeutig der Michael Corleone der Gruppe, während der zögernd zurückfallende Tabby an Fredo, den letztlich unglückseligen Bruder des Godfather, erinnert.“

Der französische Dichter Charles Baudelaire hat in seinen Katzen-Gedichten in dem Band „Die Blumen des Bösen“ die Polarität von Schönheit und Gewalt, Faszination und Gefahr beschrieben. Die Stimme einer Katze, heißt es an einer Stelle, „Berauscht mich wie ein heißer Liebestrank. / Sie schläfert ein die grausamsten Verbrechen, / Verzückung ruht in ihr“. Ein anderes Mal schreibt der Autor vom „Gefährlich süßen Hauch, der gluterfüllt / Den braunen Leib von Kopf zu Fuß umhüllt“. Katzen waren für Baudelaire wie Frauen.

Chandohas Fotos spiegeln die Verspieltheit und Neugier, die meditative Poesie, die Komik, die lauernde Aggressivität und Kampfeslust von Felis silvestris catus wider. Der Sinn für Humor ist auf vielen Bildern spürbar. 1955 nahm der Fotograf seine Tochter Paula mit einem Katzenbaby auf. Das partiell zahnlose Lachen verband die beiden.

Tiefe und Substanz

Der American Way of Life, die Architektur der Metropole New York und ihre Bewohner sind auch Teil von Chandohas Fotos. Das gibt dem Bildband Tiefe und Substanz jenseits der gefeierten Vierbeiner. Klasse besaß auch die Komposition seiner Bilder. Der Fotograf nannte den holländischen Maler Johannes Vermeer (1632-1675) als sein Vorbild: „Die Art und Weise, wie er seine Motive präsentierte, mit Gegenlicht und Schatten, das nutzte ich in all meinen Bildern.“ Im Studio betonte er mithilfe von sechs Lampen die Umrisse seiner Motive. Er brachte Schlaglicht auf Fell, Schnurrhaare und Haarbüschel in den Ohren.

Chandoha bevorzugte edles Schwarz-Weiß, wusste aber auch um die Kunst der Farbe. Und er kannte die Mechanismen künstlerischer Manipulation. Um seine notorisch dickköpfigen Modelle gefügig zu machen, nahm er den Rat eines Tiertrainers an: „Du brauchst Geduld, Geräusch und Futter. Dass du Geduld hast, wissen wir schon. Futter ist selbstverständlich. Aber wenn du eine Katze fütterst, mach ein Geräusch, das sich unbegrenzt wiederholen lässt.“ Der Fotograf nutzte einen Knackfrosch, und die Katzen ließen sich lenken wie dressierte Tiger im Zirkus.

Walter Chandoha: Cats. Photographs 1942-2018. Taschen Verlag, 296 S., zahlreiche Abbildungen, 40 Euro.

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