Konzert in der Endenicher Harmonie: So war der zweite Tag des WDR-Crossroads-Festivals in Bonn

Konzert in der Endenicher Harmonie : So war der zweite Tag des WDR-Crossroads-Festivals in Bonn

Der zweiter Tag des WDR-Crossroads-Festivals in der Endenicher Harmonie versetzte das Publikum in Ekstase. The Black Sorrows und die niederländische Band Sven Hammond sorgten für Begeisterung.

Die ersten Töne können täuschen. Vor allem wenn sie von einer Band kommen, die seit 35 Jahren in Australien einen hervorragenden Ruf genießt und daher so einige Überraschungen in petto hat. The Black Sorrows haben bei ihrem Auftritt im Rahmen des Crossroads-Festivals auf jeden Fall so manchen Gast genussvoll vorgeführt: Der anfängliche Tanztee-Bluesrock mit Country-Anstrich, mit dem die Formation um Frontmann Joe Camilleri das Publikum in der Harmonie in Sicherheit wiegt und der auch ein Problem mit einem Mikrofon verzeiht, verschwindet schnell zugunsten eines druckvollen, energiegeladenen Sounds, bei dem das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten wird und der niemanden kalt lässt. Klasse.

Man muss sich vielleicht auch erst daran gewöhnen, dass eine Band wie The Black Sorrows wirklich jeden Stil zu bedienen versteht: Soul, wie ihn Ray Charles gespielt hat, ist bei den Australiern ebenso im Repertoire wie Reggae, Zydeco, Rock und Blues, alles stimmig, alles gut. Mehr als gut sogar: Vor allem im späteren Verlauf des Konzerts lassen der 71-jährige Camilleri mit seinem Van-Morrison-Organ und seine versierten Kollegen alle Hemmungen fallen, feuern aus allen Rohren und begeistern mit fantastischen Soli. Herrlich, wie Keyboarder James Black, der mit Stetson heraussticht, über die Tasten jagt oder wie Gitarrist Claude Carranza dem Zwölftakter huldigt. Und auch Camilleri brilliert nicht nur vokal, sondern auch mit seinem virtuosen Saxofonspiel, das für eine jazzige Note sorgt. Mehr kann man nicht erwarten. Oder doch?

Doch. Kann man. Zumindest wenn Sven Hammond aufspielt. Die Band aus den Niederlanden hat schon im Januar dieses Jahres in der Harmonie gezeigt, dass sie derzeit eine der heißesten Formationen im Spannungsfeld von Soul und Rock ist, und ihr Auftritt beim WDR Rockpalast knüpft daran nahtlos an.

Wie schon damals, ist es das Zusammenspiel von Organist Sven Figee und Sänger Jared Grant, das für ein Highlight nach dem nächsten sorgt: Da der bärtige Zausel mit einer Vorliebe für wirbelnde Läufe, die auch auf einem Rave durchaus nicht fehl am Platze wären, hier der 27-jährige Strahlemann, der nur mit Mühe still halten kann und das Publikum mühelos in die Ekstase führt. Egal ob die Band rockt wie bei dem kraftvollen "Aftersmoke", bei dem auch Gitarrist Tim Eijmaal ins Rampenlicht rückt, oder ob sie zu Reggae-Rhythmen grooven wie bei "Svub Dub", stets findet sie die richtige Gute-Laune-Mischung, dank derer sich am Ende keiner dem Happy Dance verweigert.

Diese Stimmung ist selbst für Crossroads-Verhältnisse etwas Besonderes und dürfte vor allem bei Figee runtergehen wie Öl - immerhin hat er zu Beginn des Konzerts noch gestanden, dass er als Kind immer ins Wohnzimmer geschlichen ist, um den Rockpalast zu sehen und sich vorzustellen, wie er selbst eines Tages dabei mitwirkt. Das hat er jetzt mit Bravour geschafft und bewiesen, dass sich der Blick nach Holland auch musikalisch durchaus lohnt. So vielseitig, verrückt und unfassbar gut wie Sven Hammond sind, müssten sie eigentlich noch ganz groß rauskommen.Weniger hätte die Band auf keinen Fall verdient.