Ausstellung im Käthe Kollwitz Museum Köln: So leben Sammler mit Kollwitz' Werken

Ausstellung im Käthe Kollwitz Museum Köln : So leben Sammler mit Kollwitz' Werken

Kölner Käthe Kollwitz Museum zeigt in der Ausstellung „Kollwitz im Esszimmer – Leben mit 'schwerer Kost'...“, wie Sammler mit Kollwitz' Werken leben.

Bilder von Krieg, Tod und Trauer im Wohnzimmer? Motive des Hungers im Esszimmer – mit dem Plakat „Deutschlands Kinder Hungern“, in dem die ausgemergelten Kleinen ihre leeren Schüsseln nach oben recken? Und im Schlafzimmer düstere Visionen von Verlusten und Verwundungen an der Wand, die einen wie Dämonen im Traum heimsuchen? Gibt es Sammler, die sich ihre Kollwitz-Werke – die man oft als düster und traurig, deprimierend und schlicht herzzerreißend empfindet – in die Wohnung hängen? „Jede Menge“, meint Hannelore Fischer, Direktorin des Kölner Käthe Kollwitz Museums, die die wichtigsten Sammler gut kennt, mit etlichen per Du ist.

Um der Frage nachzugehen, hat sie sich eine höchst anregende und originelle Ausstellung ausgedacht, die sie mit einem witzigen Titel einleitet: „Kollwitz im Esszimmer – Leben mit 'schwerer Kost'...“ Eine eindrucksvolle Schau ist herausgekommen, die nicht nur tiefe, fotografische Blicke in das Allerheiligste von drei Sammlern wirft und deren Lieblings-Kollwitze ins Kölner Museum holt, sondern auch bemerkenswerte Einsichten zutage fördert.

Die Kollwitz-Kunst als „Schwere Kost“ empfindet keiner der ausgewählten Sammler – die Kölner Unternehmerin, das Ärztepaar aus NRW und das Juristenpaar aus der Nähe von Basel (ihre Namen sind der Redaktion bekannt, doch die Sammler wollen sie nicht in der Zeitung lesen). So findet es die Kölnerin spannend, wie Kollwitz die Probleme ihrer Zeit aus weiblicher Perspektive sah und damit erstaunlich aktuell ist. Das erste Blatt der Künstlerin erwarb sie 1996 in der Kölner Galerie Glöckner: „Die Mütter“. Da war die spätere Sammlerin mit dem vierten Kind schwanger, berührt von der „Liebe und Innigkeit“, die das Blatt ausstrahlt.

Auch die Kinder auf der Lithografie „Die Überlebenden“, ein „Mahnmal gegen den Krieg“ berührten sie tief: „Einzig die Kinder geben einem die Hoffnung, dass es wieder besser wird.“ Gerade erst erworben hat die Kölnerin ein betörendes Blatt: Die Farbkreidearbeit „Stehende nackte Frau mit Kind im Arm“ aus Kollwitz' Pariser Zeit um 1900. Die Unternehmerin, die auch politische Kunst von John Heartfield, Sue Coe und Willibald Krain sammelt, fasziniert auch Kollwitz' vehemente Haltung zu den Missständen ihrer Zeit.

Von einer anderen Perspektive aus nähert sich das Ärztepaar aus NRW – sie Gynäkologin, er Lungenfacharzt – der Kunst von Käthe Kollwitz: Krankheit und Tod sind für die Beiden, die vorher keine Berührungspunkte mit der Kunst hatten, wichtige Themen, die sie im Werk der Künstlerin ideal bearbeitet sehen.

Szenen von Hingabe, Tod und Trauer

So sei die Lithografie „Besuch im Krankenhaus“ (1926) eine wunderbare Studie über die Konstellation in einer Familie: Das kranke Kind strahle Geborgenheit aus, die Mutter ist ihm innig verbunden, der Vater wirkt mit seinen groben Händen geradezu unfähig zum Kontakt, versucht die Distanz zum Kind mit einer zugewandten Körpersprache zu überwinden. „Eine sehr gut beobachtete Szene“, urteilt der Mediziner, der in seinem Haus mittelalterliche Kunst auf Werke von Kollwitz treffen lässt.

„Abschied und Tod“ (1923), wo der Tod geradezu zärtlich eine Frau umfasst, hat es ihm angetan: „Es gibt viele Menschen, die sind des Lebens satt, haben genug, da kommt der Tod gelegen.“

Das Schweizer Sammlerpaar, beide bereits seit der Kindheit mit Kollwitz' Kunst vertraut, nähern sich quasi von der analytischen Seite, versuchen, dem Prozess auf die Spur zu kommen. Sie schauen der Künstlerin gewissermaßen sammelnd über die Schulter, erwerben Vorzeichnungen, verschiedene Zustände der Druckgrafiken, verwandte Arbeiten. Und erfreuen sich dabei, wie subtil und mit welcher handwerklichen Meisterschaft Käthe Kollwitz sich Themen erarbeitete, sie Skizze um Skizze, Schritt für Schritt einkreiste, um dann die letztgültige, treffende Formulierung zu finden.

Die Juristen agieren wie Detektive und bereichern die Kölner Schau etwa durch Blätter im Umkreis von „Beim Dengeln“ (1905), Fassungen von „Gefallen“ (1919) und Zustände von „Hunger“ (1922). Eine spannende Schau.