Kabarett-Duo "Suchtpotenzial": Zwischen höherer Komik und frivoler Blödelei

Kabarett-Duo "Suchtpotenzial" : Zwischen höherer Komik und frivoler Blödelei

"Lass mich deine Droge sein", heißt es gleich zum Einstand - und die kollektive Antwort auf dieses verführerische Angebot lautet "aber gerne doch".

Nebenwirkungen, Spätfolgen, Abhängigkeiten? Egal: Bei dem Damen-Duo mit dem passenden Namen "Suchtpotenzial" nimmt man all das gerne in Kauf, um dafür einen Trip in ganz besondere musikkabarettistische Spähren verpasst zu kriegen. Denn was Pianistin Ariane Müller und Sängerin Julia Gámez Martin derzeit - wie jetzt zuletzt im Pantheon - präsentieren und direkt ins Euphoriezentrum injizieren, ist so unglaublich guter Stoff, dass die beiden völlig zu Recht zu den sowohl musikalisch als auch textlich stärksten Gruppierungen ihrer Art im deutschsprachigen Raum gezählt werden können. Pointiert, bissig, unerwartet, frisch und vor allem vielseitig lässt ihr Alkopop-Derivat so gut wie keine Wünsche offen, bis das Potenzial vollständig ausgeschöpft ist. Und nur noch die Sucht nach mehr bleibt.

Gerade in Bonn ist das Publikum bereits angefixt, nicht umsonst konnten letztere erst im Mai dieses Jahres den Zuschauerpreis des Prix Pantheon mit nach Hause nehmen. Der Energie und dem frechen Witz der beiden bekennenden Anonymen Musicaldarstellerinnen kann man sich nun einmal nur sehr schwer entziehen. Egal ob augenzwinkernd die wehmütige Liedermacher-Rotte aufs Korn genommen wird, Musik-Genres zu Lebensentwürfen werden oder nach der Pause, wahrscheinlich dem gestiegenen Alkopop-Pegel geschuldet, über Freud'schen Penisneid und Oberweiten-Ungerechtigkeiten räsoniert wird, immer balancieren Julia Gámez Martin und Ariane Müller geschickt zwischen feinsinniger Komik und frivoler Blödelei. Dabei helfen nicht zuletzt die schnodderigen Sticheleien gegen die Bühnenpartnerin und die eigene Kunst.

Schon von der ersten Sekunde an ist klar, dass sich hinter dem Augenscheinlichen noch eine andere Wahrheit verbirgt: Die beiden charmanten Damen sind alles andere als brave Unschuldslämmer. Eher Wölfe in Schafspelzen. Aber was für welche. Oper, Rock, Rap, Metal oder Porno, Julia Gámez Martin singt alles mit bezaubernd wandlungsfähigem Organ, während Ariane Müller souverän und immer wieder mit mal mehr, mal weniger jazzigem Einschlag für die Begleitung und - auch das so dezent wie brillant - die zweite Stimme sorgt. Sofern sie nicht staubtrocken ihre Kollegin in die Pfanne haut. Meisterhaft. Bitte mehr davon.