Ausstellung im Frauenmuseum: Zeit, mit einem Mythos aufzuräumen?

Ausstellung im Frauenmuseum : Zeit, mit einem Mythos aufzuräumen?

"Aus der Spur": Im Frauenmuseum zeigen fünf Bildhauerinnen und eine Malerin ihr Bild der Trümmerfrau

Es gibt Mythen, an die man nicht ungestraft rührt. Der Essener Historikerin Leonie Treber ist es so ergangen, als sie sich das seit Jahrzehnten populäre Bild der Trümmerfrau vornahm, die nach Kriegsende beim Beseitigen der Schuttberge in den zerbombten Städten mit anpackte. Das, so Treber, sei allenfalls in Berlin und in einigen Städten der Sowjetischen Besatzungszone so gewesen. Alles andere diene vielmehr der Glorifizierung des Wiederaufbaus, mit zum Teil gestellten Fotos.

Und nun also eine Ausstellung über Trümmerfrauen? Ausgerechnet im Bonner Frauenmuseum, das sich der künstlerischen Demontage von Mythen und Missverständnissen gegenüber doch sonst so aufgeschlossen zeigt? Dies ist jedoch beileibe kein Widerspruch, wie die Arbeiten von sechs Künstlerinnen der 2011 gegründeten "Ateliergemeinschaft Schloss Senden" zeigen, die bis Sonntag, 14. Juni, im zweiten Stock zu sehen sind - ergänzend zur Ausstellung "15 - 45 - 15".

Denn Andrea Gawaz, Uta Krüger-Naumann, Francis Mesenhöller, Annedore Richter, Andrea Terfort und Helga Vissers interpretieren den Begriff auch über den zeitgeschichtlichen Kontext hinaus, sozusagen "Aus der Spur". Das Motiv dazu - ein vom Mann zur Frau umgearbeitetes, rot-weißes Baustellenschild - stammt von Andrea Terfort. Die fünf Bildhauerinnen und eine Malerin interpretieren das Thema auf sehr persönliche, konträre Art. Mit einem Kartoffelsack, der in der Mitte von einer goldglänzenden Satinkorsage zusammengepresst wird und das Frauenbild der Ernährerin und Verführerin aus den 1950ern auf den Punkt bringt. Eine Hochzeitstorte aus Fett, Asche und verbranntem Holz oder eine Geige im Schraubstock sind nur einige Beispiele der Arbeiten, die einen Blick verdienen - auf das innere Trümmerfeld. Bis man am Ausgang auf ein Video stößt, das pointiert mit der deutschen Nazi-Vergangenheit spielt. Diese "braune Suppe" mag Geschmacksache sein. Die Idee aber ist genial.

Info: Bis 14. Juni, Führungen sonntags um 13 Uhr sowie nach Vereinbarung