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Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche: Wunderbar und wunderlich

Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche : Wunderbar und wunderlich

Es ist ein Werk, das wunderbar in die Vorweihnachtszeit passt: das Weihnachtsoratorium. Und zugleich ist dieses Stück des großen Bach auch recht wunderlich. Zum einen stellte Bach aus sechs für die Tage von Weihnachten bis zum Dreikönigstag geschriebenen Kantaten das Oratorium zusammen.

Eine Gesamtaufführung aber sprengt jeden Rahmen. Zum anderen hat der Komponist hier alte Werke neu zusammengestellt. So ist es um so verblüffender, wenn man die große innere Geschlossenheit betrachtet. Diese stand ganz im Mittelpunkt der Aufführungen der ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums am Dienstag und Mittwoch in der Kreuzkirche.

Wie aus einem Guss gelang Kantorei und Orchester unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Karin Freist-Wissing eine Aufführung, die bei der Aufführung am Dienstagabend zurecht das Publikum in der voll besetzten Kirche begeisterte. Das mag wohl auch daran liegen, dass man 60 Jahre Zeit zum Üben hatte. Denn solange wird alljährlich schon das Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche gespielt.

Sänger und Musiker sind also bestens damit vertraut. Und das war auch zu hören. Frisch und flott auftrumpfend gelang der Eingangschor und schlug den Bogen zum ebenso angelegten Schlusschor "Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen". Gelallt wurde von den rund 100 Sängern allerdings keineswegs. Mit stimmlicher Disziplin und angenehm geschulter Aussprache wurden auch die Choralsätze gestaltungsstark gegeben.

Mehr als nur musikalischer Rückhalt war das unter Freist-Wissing mal klanggewaltig, mal delikat aufspielende Orchester mit seinen zahlreichen Solisten, angeführt von Konzertmeister Peter Stein, die besonders in den großen Arien glänzen konnten. Für die Arien benötigt man aber auch noch Gesangssolisten. Da war mit Theresa Nelles (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Thomas Klose (Tenor) und Klaus Mertens (Bass) ein Quartett gefunden, das sich nahtlos in das Interpretationskonzept einfügte.

Lyrisch-dezent und doch auch kraftvoll ausfüllend war Klose der ideale Evangelist dieser Aufführung. Die Geschmeidigkeit seiner Stimme hatte dann in der Hirtenarie ihre große Stunde. Energievoll und mit Leuchtkraft überzeugte Mertens etwa in der zugleich schlank und stark gegebenen Arie "Großer Herr und starker König". Ebenfalls war er einfühlsamer Partner im Duett mit Theresa Nelles, deren klarer und schlanker Sopran perfekter Kontrast und Ergänzung war.

Mit Wärme und Ausdruckstiefe konnte Gerhild Romberger stimmlich und gestalterisch überzeugen. Etwa in einer schwingenden Schlaf-Arie oder dem ungemein sanft gegebenen "Schließe, mein Herze, dies selige Wunder". Mit großem Applaus bedankten sich die rund 900 Zuhörer für dieses beglückende Vorweihnachtserlebnis.