E-Werk : Wu-Tang Clan in Köln

Wäre Mittwochabend im E-Werk jedes Mal, an dem das Wort "Motherf..." fiel, ein Euro fällig geworden, hätte das die Band vermutlich ruiniert. Wobei Band für ein Hip-Hop-Kollektiv wie den Wu-Tang Clan nicht annähernd die richtige Bezeichnung ist.

Zusammen haben RZA (alias Robert Diggs), GZA (alias Gary Grice), Method Man (alias Clifford James Smith), Raekwon (alias Corey Woods), Ghostface Killah (alias Dennis Coles), U-God (alias Lamont Hawkins), Inspectah Deck (alias Jason Hunter) und Masta Killa (alias Elgin Turner) soviel Kerben auf den musikalischen Colts, dass es schon beängstigend ist.

Der harte Kern der New Yorker Familie, die sich nach dem Film "Shaolin und Wu Tang" benannt hat, und 1993 mit ihrem Debüt-Album "Enter The Wu-Tang (36 Chambers)" einen Meilenstein in der Geschichte des Hip-Hop schuf, tritt seit 20 Jahren auf. Dringend Zeit für eine Geburtstagsparty. Nur Hamburg und Köln kamen in Deutschland in den Genuss, dabei sein zu dürfen.

Dafür muss man zwar schon eine gewisse Unbill in Kauf nehmen - die Heroen aus dem Ghetto lassen eine Stunde auf sich warten - aber auf der anderen Seite genießt man auch gewisse Privilegien. Im eigentlich rauchfreien E-Werk steigen unbeanstandet dichte Wolken in die Luft. Die Geruchsnote ist, ganz eindeutig, sehr süßlich.

Unterstützt von DJ Mathematics, von Cappadonna (alias Darryl Hill) und, im Geiste, vom 2004 verstorbenen Clan-Mitglied Ol´ Dirty Bastard (alias Russell Tyrone Jones), dem an diesem Abend zwei Stücke gewidmet werden, wird der späte Abend im frisch renovierten E-Werk zu einem Gipfeltreffer der Hip-Hopper und ihrer Gefolgschaft.

Am Anfang lässt sich das zwar etwas zäh an, auch der Sound ist unangenehm übersteuert und fiepsig, doch nach und nach steigert sich das zu einer dynamischen Choreografie, bei der einer nach dem anderen, mitunter auch in Zweier- oder Dreier-Formationen, das Mikro wie ein Zepter übernimmt, so dass ein dynamischer, atmosphärisch dichter Fluss aus dem entsteht, was zum Besten gehört, was HipHop leisten kann.

Wenn nach gut einer Stunde das Beatles-Cover "Come Together" erklingt, kann man das als Leitmotiv eines Abends verstehen, der sich in die Ohren schraubt, dreht und fräst, um tief frequent, mitunter sehr düster, aber dann wieder auch überraschend zart und mit Reggae-Anklängen, ein unbezahlbares Gefühl zu vermitteln: Wir sind eins.