Krimi über Tod eines Studenten: Wir verlosen den Roman "Endstation" von Wolfgang Kaes

Krimi über Tod eines Studenten : Wir verlosen den Roman "Endstation" von Wolfgang Kaes

In „Endstation“ forscht Wolfgang Kaes dem Tod eines 19-jährigen Studenten nach. Die Ausgangslage wird bei Lesern im Bonner Raum wohl unweigerlich einen Wiedererkennungs-Effekt auslösen. Der GA verlost drei handsignierte Exemplare.

Ein Roman ist ein Roman ist ein Roman. Ein Roman kann vieles. Er kann die Welt abbilden oder sich eine eigene Welt erschaffen. Er kann in der Wirklichkeit spielen oder eine eigene Wirklichkeit abbilden. Er kann wahr sein oder eine eigene Wahrheit beanspruchen. Ein guter Roman kann das alles zusammen. Er kann von einer möglichen Wirklichkeit und einer möglichen Wahrheit erzählen. „Endstation“, der neue und inzwischen achte Kriminalroman von Wolfgang Kaes, ist solch ein guter Roman.

Kaes arbeitet seit vielen Jahren als Chefreporter des General-Anzeigers. Er hat den Henri-Nannen-Preis für Investigative Recherche erhalten und wurde vom Medium Magazin zum „Reporter des Jahres“ gewählt. Es liegt auf der Hand, dass die journalistische Arbeit in seine Romanautoren-Tätigkeit hineinspielt. In „Endstation“ geht es um Jonas Barthold, einen 19-Jährigen, der im dritten Semester Jura in Köln studiert und das Stipendium für die Sorbonne in der Tasche hat. Mit Freunden besucht Jonas eine Diskothek. Zwei Wochen später wird er tot aus dem Rhein geborgen.

Diese Kurzbeschreibung der Ausgangslage wird bei Lesern im Bonner Raum wohl unweigerlich einen Wiedererkennungs-Effekt auslösen. Zu präsent ist noch der Fall Jens Bleck, über den Wolfgang Kaes intensiv recherchiert und berichtet hat. Das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Totschlags wurde vor wenigen Monaten eingestellt – die Zweifel an der Arbeit der Behörden sind geblieben.

Es wäre allerdings ein Fehler, „Endstation“ als Schlüsselroman lesen zu wollen. Natürlich gibt es Analogien, die nicht sonderlich schwer auszumachen sind, aber Kaes hat seinen Roman sozusagen im Konjunktiv geschrieben, in der Möglichkeitsform, wo sich vieles kunstvoll mischt. In seiner literarischen Landkarte existieren beispielsweise Köln und Düsseldorf, aber auch die Hauptschauplätze Rheinheim und Bad Hombach, die Bonn und Bad Honnef wiederum täuschend ähnlich sind.

Sechs Fragen an den Autor

Kriminalroman über polizeiliche Ermittlungsarbeit

Hauptfigur in „Endstation“ ist Thomas Mohr, Kriminalhauptkommissar, Ex-Leiter der Zielfahndung beim Landeskriminalamt Düsseldorf. Man hat ihn abgeschoben, in die neu geschaffene Ein-Mann-Dienststelle für Cold Cases, für unaufgeklärte Altfälle. Mohr ist ein Typ mit Ecken und Kanten, ein bedachtsamer Ermittler, in dem freilich der Gerechtigkeits-Fanatiker auch schon mal übergriffig werden kann, ein eher beziehungsscheuer einsamer Jäger, dem gleichwohl die Polizeipsychologin keineswegs gleichgültig ist.

Auf Mohrs Schreibtisch landet der Fall Jonas Barthold. Mohr kämpft sich durch die Akten, stößt auf Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten, auf Glättungen und Weglassungen, auf Nachlässigkeit und Schlamperei – und ermittelt auf eigene Faust. Mit Mohr schaut man auf ein eher düsteres Bild deutscher Wirklichkeit, blickt in ein System, in dem Rockerbanden und Familienclans das Sagen haben, in dem organisierte Kriminalität sich unaufhaltsam breitmacht. In eine Disco-Szene, in der Drogenhandel und Anwerbung zur Prostitution zum Alltag gehören, in eine Parallelwelt, vor der die sogenannte Staatsgewalt zu kapitulieren scheint. Willy, ein Kölner Ex-Boxer und Ex-Türsteher, fasst das in „Endstation“ illusionslos zusammen: „Wenn die Leute begreifen würden, dass der Staat so gut wie nichts tut gegen das organisierte Verbrechen, weil seine Staatsdiener entweder blind sind oder naiv oder ohnmächtig oder faul oder korrupt oder alles zusammen, das würde doch nur jede Menge Unruhe erzeugen und Wählerstimmen kosten.“

Jenseits dieses beklemmenden Über-Themas ist „Endstation“ auch und vor allem ein Kriminalroman über polizeiliche Ermittlungsarbeit, ein Lehrstück darüber, wie saubere und präzise Recherche aussehen könnte. Wolfgang Kaes geht dabei mit seinem Hauptkommissar Mohr akribisch vor, er verzichtet auf literarische Effekthascherei, aus lauter kleinen Schritten entwickelt sich ein großer Spannungsbogen. Der Autor versteht sich darauf, Mini-Dramen ins Romangeschehen zu bauen, vieles ist in seiner Knappheit und Genauigkeit, in seiner Direktheit der Dialoge, in seiner atmosphärischen Dichte geradezu filmisch gedacht. Wobei in der Sprache immer eines mitschwingt: Empathie für die Opfer. Und ein Opfer ist nicht nur der 19-jährige Student, Opfer sind auch seine Eltern, die in ihren verzweifelten Versuchen, Klarheit über den Tod ihres Sohnes zu bekommen, wie lästige Bittsteller behandelt werden.

Der Romantitel „Endstation“ ist vieldeutig. Er steht für jene vermeintliche berufliche Endstation, auf der man den unbequemen Ermittler abgestellt hat, aber auch für die Straßenbahn-Endstation in Disco-Nähe, in deren Umfeld sich ein tödliches Geschehen abgespielt hat. Ein bisschen schließlich mag der Titel auch von einem Mahnruf an sich haben: nicht aus fadenscheinigen, schwer nachvollziehbaren Gründen die Endstation für Ermittlungen anzuordnen.

Wolfgang Kaes hat dem Roman ein Zitat seines Schriftsteller-Kollegen Wolfgang Schorlau vorangestellt: „Wenn Polizei, Justiz und Politik versagt haben, muss es den Geschichtenerzählern erlaubt sein zu sagen: Es ist nur eine Geschichte, aber vielleicht war es so.“ In „Endstation“ kommt Kommissar Mohr im Fall Jonas Berthold einer Lösung nahe: Es ist nur ein Roman, aber vielleicht ist es so gewesen.

Wolfgang Kaes: Endstation. Rowohlt, 424 S., 16,99 Euro. Premierenlesung: Montag, 2. September, 19.30 Uhr, Großer Saal im Haus der Bildung, Bottlerplatz, Bonn (Moderation: Holger Schwab). Karten für die Veranstaltung gibt es für zwölf Euro bei Bonnticket. (ermäßigt sechs Euro). Weitere Termine gibt es auf der Internetseite des Verlags sowie auf der Homepage des Autors.

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