Werke über Neid, Hass, Laster und Leidenschaft

Werke über Neid, Hass, Laster und Leidenschaft

"Überall ist Babylon" heißt die Ausstellung von 15 Künstlern der Initiative Kunst Hennef im Geistinger Redemptoristen-Kloster - Biblisches und reichlich Bezug zur heutigen Wirklichkeit

Hennef. Leise Klänge betörten am Samstagmorgen die Besucher des altehrwürdigen Geistinger Klosters, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Sie stammten von einem Quanon, einem Saiteninstrument, das der gebürtige Iraker Furat Qadduori zur Ausstellung "Überall ist Babylon" spielte. 15 Mitglieder der Initiative Kunst Hennef haben sich mit dem aktuellen Thema beschäftigt.

"Die historische Hauptstadt Babyloniens ist heute Ruinenstätte, heißt Babil und liegt 150 Kilometer südlich von Bagdad an einem Seitenarm des Eufrat", sagte Pater Ulrich Behlau.

Erstmalig wurde die spätere Residenz der babylonischen Könige in der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends vor Christus unter dem Namen Kadingria erwähnt und war Ziel zahlreicher Eroberungen und Kämpfe. Babylon steht mit seiner Geschichte für Kriege, Aufstände, Hochmut, Missgunst, Neid, Hass, Begierde, Laster und Brutalität.

Der Größenwahn der Einwohner mündet in der Bibel im Turmbau und der berühmten babylonischen Verwirrung - der Bestrafung durch überirdisch wirkende Kräfte. "Die Künstler wussten vor einem halben Jahr, als sie die Ausstellung konzipierten, noch nicht, wie aktuell das Thema würde" sagte Initiativen-Vorsitzender Gerd Rausch.

Zu sehen sind Ölbilder und Skulpturen, die sich spielerisch und hintergründig dem Thema Babylon nähern.

Vergleiche zwischen dem Turm von Babel und dem World Trade Center, das nach den Anschlägen vom 11. September 2001 einstürzte und durch ein noch höheres Bauwerk ersetzt werden soll, zog Günter Schirner mit seinen Bildern.

"Beide Bauwerke stehen für Selbstüberschätzung und Arroganz", sagte Schirner. Margret Zimpels Skulpturen thematisieren das Thema Klonen, mit dem der Mensch erneut versuche, "Gott zu spielen".

Die Bilder von Gerd und Roswitha Rausch haben die sprachliche Verwirrung zum Thema, die Gott laut Bibel über Babylon brachte, dass keiner den anderen mehr verstehe. Auch die Werke der übrigen Künstler regen immer wieder zu Vergleichen zwischen der Geschichte Babylons und der heutigen Zeit an.

Die "Hure Babylon", die sich in der Prophezeiung der Johannes-Apokalypse zu allen Zeiten der reinen Profitgier aufgrund niedrigster menschlicher Beweggründe hingibt, ist nach Meinung der Künstler millionenfach Realität geworden.

Die Ausstellung ist bis Donnerstag, 15. Mai, werktags von 6.30 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 8.30 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr im Geistinger Kloster an der Waldstraße zu sehen.

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