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Ausstellung: Werke des Kölner Künstlers Joachim Bandau in Bonn zu sehen

Ausstellung : Werke des Kölner Künstlers Joachim Bandau in Bonn zu sehen

Das Bonner Galeriehaus von Gisela Clement zeigt im Projektraum Werke des Kölner Künstlers Joachim Bandau. Schwarze und gelbe Aquarelle stehen sich hier gegenüber.

Mit motorgetriebenen Stahlblechskulpturen auf Rädern machte Joachim Bandau bei der documenta 6 (1977) von sich reden; aus glänzenden Stahlelementen entstanden die begehbaren, transparenten  Stadttore, die der Kölner zusammen mit Victor Bonato 1984 für Troisdorf schuf; 1996 begann bei Bandau eine Phase der Beschäftigung mit Bunkerarchitekturen – bildhauerisch und zeichnend. Mitunter bedrückend. Der Kunsthistoriker Manfred Schneckenburger, Leiter der documenta 6, sprach 2005 von Ban­daus „Bunkerobsession“. Und er freute sich ausdrücklich, dass der heute 84-jährige Bildhauer offenbar seine Ängste überwunden habe, was sich in den „ironisch angehauchten“ sogenannten Bonsai-Skulpturen manifestiere, kleine, spielerische, auf Augenhöhe oder über den Köpfen platzierte kubische Objekte aus Antimonblei.

Dieses Wechselspiel von kompakten, eher düsteren Arbeiten und eher spielerischen Werken lässt sich in der kleinen, aktuellen Ausstellung Ban­daus im Bonner Galeriehaus von Gisela Clement, im Projektraum, verfolgen. Nach der großen Ausstellung „radikal“ im Jahr 2017 zeigt Clement nun mit „gelb“ eine eher unbekannte Serie Bandaus, ergänzt um Wandskulpturen aus Baumharz, den Aluminiumgüssen eines Telefonhörers von 1967, der offenbar aus einer frühen Pop-Art-Phase Bandaus stammt, und schwarzen Aquarellen, die mit den gelben Blättern einen spannenden Kontrast bilden.

Ähnliches Prinzip

Wobei die schwarzen Aquarelle mit ihren Dutzenden, mittels eines sehr breiten japanischen Ziegenhaar-Pinsels aufgetragenen Schichten, seit den 1980er Jahren entstehen, und die Serie bis heute fortgeführt wird. Während die gelben Aquarelle mit weniger Farbschichten in nur einer kurzen Zeitspanne seit 2004 entstanden und es um die Jahrhundertwende herum eine Zwischenepisode gab, in der es zu Überlagerungen von Schwarz und Gelb kam. Das Prinzip ist jeweils ähnlich. Schicht um Schicht wird mit dem breiten Pinsel aufgetragen: Es gibt wässrige Farbbahnen und welche mit höherer Pigmentdichte, unruhige Blätter und sehr homogene Arbeiten. Jedes Blatt ist trotz des quasi mechanischen Auftrags anders in der Wirkung, wirkt mal gebaut und kompakt (und hier verwandt mit den Skulpturen und Bunkerräumen), mal fragil, fast transparent.

Aquarelle aus purem Licht

Grundsätzlich existiert aber ein fundamentaler Unterschied zwischen schwarzen und gelben Aquarellen. Während erstere alles Licht zu schlucken scheinen, die Helligkeit in sich aufsaugen und in ein samtenes, tiefes Schwarz verwandeln, scheinen die gelben Aquarelle aus purem Licht zu bestehen, aus sich selbst herauszuleuchten. In jedem Blatt steckt unter den verschiedenen Schichten ein aktiver Lichtkern. So wirkt es jedenfalls.

Nach wenigen Jahren stellte Bandau sein Experiment Gelb ein. Er verzichtete auch auf weitere Versuche mit anderen Farben. Einfache Erklärung: Weil sich Gelb nicht steigern lasse. Die Möglichkeiten mit Schwarz scheinen hingegen noch nicht ausgereizt zu sein – diese Reihe verfolgt Bandau noch. Interessant, wie diese Arbeiten auf Papier im Werk des Künstlers offenbar ein Eigenleben führen. Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums Bonn, schrieb in dem luziden, noch nicht erschienenen Text „Who’s Afraid of Yellow and Black?“ (in feiner Anspielung auf Barnett Newmans „Who‘s Afraid of Red, Yellow and Blue?“) über Bandaus Aquarelle: „Ganz ausdrücklich sind diese Aquarelle von allem Anfang an keine Skulpturen begleitenden Skizzen, sondern ein eigenständiger Werkstrang, der bestimmte grundsätzliche Fragen seines skulpturalen Schaffens aufgreift und weiterdenkt, zugleich aber auch neue Fragen aufwirft und diskutiert.“

Galerie Gisela Clement, Lotharstraße 104. Die Ausstellung „gelb“ von Joachim Bandau läuft bis 21. Juli im Projektraum. Die nächste Ausstellung der Galerie widmet sich unter dem Titel „Wand im Getriebe“ dem in Bonn und Düsseldorf lebenden Künstler Roman Lang. Die Schau kann am 2. Juli von 11 bis 17 Uhr besucht werden. Später nach Anmeldung: info@galerie-clement.de