Wassermusik im Leoninum

Ein wundervolles Familienkonzert und eine Hommage an eine frühe Cellistin präsentierten ausgewählte Künstler im Bonner Leoninum

Opernhaus. Was verbindet das Oratorium "Israel in Ägypten" und die "Wassermusik", außer dass sie von Georg Friedrich Händel stammen?

Antwort: Hauptfiguren sind Flüsse und Könige, hier der Nil, da die Themse, hier der hasserfüllte Ramses, da der zu einer Aussöhnung fähige George I. in London.

"Auf den Fluten von Themse und Nil" lautete der Titel des jüngsten Familienkonzerts, und Konzertpädagoge Thomas Honickel und sein Team hatten wieder alles dafür getan, um auf der Bühne der Oper das Geschehen möglichst bildhaft zu gestalten.

Vorne fielen drei niedliche Pyramiden ins Auge, hinter ihnen ein in tiefblauen Stoff gehülltes Podest, auf dem Moritz Honickel die Geschichte vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten vortrug.

Vox Bona, der Kammerchor der Kreuzkirche, und das Wuppertaler Vokalensemble sangen Ausschnitte aus dem Oratorium und beeindruckten dabei unter Leitung von Thomas Honickel mit kraftvoll gespanntem und elastischem Gesang.

Sehr bildhaft lässt es Händel zugehen, plastisch und zupackend geschildert wurde es vom Beethoven Orchester und dem eindringlich gestaltenden Soloalt von Damaris Unverzagt.

Bildhaft war auch die Szene: Die Verwandlung der Nilfluten in Blut symbolisierte ein tiefrotes Tuch, auch Heuschrecken und Frösche hatten ihren Auftritt.

Der zweite Teil war "Zwei Königen auf den Fluten der Themse" vorbehalten. Anna Feichtinger als Erzählerin und Moritz Honickel als Händel ließen die Geschichte vom verstoßenen Hofkomponisten aufleben, der den Groll seines Herrn, King George I., durch die "Wassermusik"-Suiten wieder besänftigen konnte. Musikalische Feinarbeit leisteten hier vor allem die Bläser des BOB. Mathias Nofze

Trinitatis. Schwergewichtig und umfangreich war die zweite Programmhälfte des Konzertes, das die Kölner Pianistin Tanja Eichmann in der Endenicher Trinitatiskirche gab.

Mit Robert Schumanns Sonate a-Moll op. 22 und Sergej Prokofjews Sonate d-Moll op. 14 hatte sich die bei Pavel Gililov in Köln ausgebildete Pianistin zwei bemerkenswerte Werke vorgenommen:

Prokofiews zwischen Spätromantik und neuer Sachlichkeit changierende Sonate kontrastierte trefflich mit Schumanns aufwühlendem Werk, was nicht zuletzt daran lag, dass Eichmann unglaublich leidenschaftlich in die Musik stürzte, gleichzeitig aber nie den gesicherten Boden eines reflektierten Zugangs zu dieser Musik unter den Boden verlor.

Dies war auch in der ersten Programmhälfte zu beobachten. Während Eichmann bei Präludium und Fuge E-Dur (BWV 878) von Johann Sebastian Bach zwar schon mit subtil gestalteter Polyphonie punkten konnte, gestaltete sie die grandiose Architektur von Ludwig van Beethovens Sonate op. 110 mit punktgenau kalkuliertem Nachdruck.

Auch zwei Etüden von Claude Debussy und Frédéric Chopin spielte Eichmann tadellos: wie am Schnürchen lief es in Debussys motorischer Nr. 7 aus dem Livre II, mit viel Gefühl und Exaltiertheit gelang Chopins op. 25, Nr. 11. Guido Krawinkel

? Leoninum. "Eine Violoncellistin? dies fehlte noch!" - Mitte des 19. Jahrhunderts sorgte der öffentliche Auftritt der Cellistin Lisa Christiani durchaus für Aufsehen, nicht zuletzt der Frage wegen, wie sie wohl - ohne unschickliche Haltung - das Instrument spielen würde.

Die Cellistin Katharina Deserno hat sich neben ihrem solistischen Abschluss auch wissenschaftlich mit der Genderforschung auseinandergesetzt und ihr Programm "Musikalische Liebeserklärungen" in der Reihe "Matinee junger Künstler" in der Alten Kirche des Leoninum gleich selber fachkundig moderiert.

Schumanns drei Fantasiestücken op. 73 verlieh sie hinreißenden Schmelz. Ihr Begleiter Nenad Lecic? trug am weit geöffneten Fazioli-Flügel mit erstaunlicher Geschmeidigkeit dazu bei. In Rebecca Clarks "Epilogue" entfalteten beide nach einem zarten Beginn einen dramatischen Mittelteil.

In Clara Schumanns "Drei Romanzen" (op. 22) glänzte das Duo mit verspielten Rhythmen im "Allegretto" und wogenden Wellen, die den letzten Satz "leidenschaftlich schnell" untermalten.

Felix Mendelssohn Bartholdys einziges "Lied ohne Worte", in dem neben dem Klavier ein weiteres Instrument mitspielt, ist der Cellistin Lisa Christiani gewidmet. Seiner tiefen Melancholie wurden beide Künstler mehr als gerecht.

Mit Bravour meisterten sie auch die virtuosen Ansprüche in Fanny Hensels "Zwei Stücken für Klavier und Cello" und in Frédéric Chopins "Polonaise brillante" op. 3 als mitreißendem Finale. Thomas Kirchhoff

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