1. News
  2. Kultur & Medien
  3. Regional

Bonner Ausstellungsjahr 2014: Was macht die Kunst in diesem Jahr?

Bonner Ausstellungsjahr 2014 : Was macht die Kunst in diesem Jahr?

Das dominante Thema des Ausstellungsjahres 2014 wird auch in Bonn der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren sein.

Noch läuft im LVR-Landesmuseum die exzellente Schau "Die Welt in Farbe" mit Fotografie am Vorabend der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" (bis Ende März). Die Bundeskunsthalle zeichnet mit der herausragenden Ausstellung "1914 - Die Avantgarden im Kampf" (bis 23. Februar) die Lebenswege von Künstlern zwischen 1914 und 1918 nach.

Unter den zahlreichen im Ersten Weltkrieg gefallenen Malern befinden sich August Macke, der in den ersten Kriegswochen in der Champagne starb, und sein enger Freund Franz Marc, der im März 1916 unweit von Verdun tödlich von Granatsplittern getroffen wurde.

Marc und Macke hatten 1912 gemeinsam in Mackes Bonner Atelier das "Paradiesbild" an die Wand gemalt. Das Werk wurde - mangels Interesse von der Stadt Bonn - 1980 an das Westfälische Landesmuseum in Münster verkauft. "Das (verlorene Paradies)" nennt das August Macke Haus passend seine bedeutendste Ausstellung des Jahres (ab Ende September), die thematisch um das berühmte Wandbild kreist, das selbst aus konservatorischen Gründen aber nicht reisen darf.

Das Kunstmuseum Bonn zeigt parallel die Ausstellung "August Macke und Franz Marc", gewiss der Ausstellungsmagnet des Jahres. "Er hat vor uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben, so klar und hell wie sein ganzes Wesen war", schrieb Marc tief erschüttert in seinem Nachruf auf seinen Freund Macke.

Das Kunstmuseum Bonn bewegt sich ansonsten im angestammten Revier der Kunst nach 1960, blickt mit dem Maler Juan Uslé und seinem wunderbaren Zyklus "Soñé que revelabas" nach Spanien (ab Ende Februar), mit der Bildhauerin und interessanten Installationskünstlerin Tatiana Trouvé und "I tempi doppi" (ab Ende Januar) nach Italien, beschließt das Jahr mit einer deutschen Position: Unter dem hübschen Arbeitstitel "Der naive Charme der Abstraktion" verbirgt sich der Kölner Maler und Raumkünstler Andreas Schulze (ab Oktober). Dem Bonner Kunstpreis und Dorothea-von-Stetten-Preis sind weitere Präsentationen gewidmet, auch die Fotografische Sammlung wird gefeiert.

Mit der üppigen Retrospektive "Kasimir Malewitsch und die Russische Avantgarde" (ab März), einer Kooperation auf Champions- League-Niveau - beteiligt sind das Stedelijk Amsterdam und die Londoner Tate Modern - geht die Bundeskunsthalle ins neue Ausstellungsjahr. Gleichermaßen wissenschaftshistorisch wie verträumt dreht sich ab Ende April alles um das "Abenteuer Orient" und das bizarre Leben des Kölner Bankierssohns Max von Oppenheim, der 1899 den aramäischen Fürstensitz auf dem Tell Halaf entdeckte.

Mit Kunst der Elfenbeinküste setzt die Bundeskunsthalle ihre ambitionierte Afrika-Reihe auf hohem Niveau fort (ab Ende Juni). Und dann geht es zu den Sternen: Mit "Outer Space - Der Weltraum zwischen Kunst und Wissenschaft" (ab Oktober) knüpft die Bundeskunsthalle an ihre grandiosen Wissenschaftspanoramen an.

Hermann Hesse ist August Macke nie persönlich begegnet, und doch haben Mackes heitere Farbigkeit und die Art, wie er seine Bilder komponierte, Hesses künstlerisches Werk geprägt. Das August Macke Haus stellt Hesse als Maler vor (ab Ende Mai), zeigt bislang unveröffentlichte Werke aus dem Nachlass von Hesses Sohn Heiner. Das Ausstellungsjahr startet im Macke Haus in zwei Wochen mit den skurrilen Scherenschnitten und Schattenbildern des Berliner und Münchner Bohemiens Ernst Moritz Engert.

Das Paradiesbild von Macke und Marc kommt einen in den Sinn bei einem Ausstellungstitel des LVR-Landesmuseums: "Eiszeitjäger - Leben im Paradies?" (ab Mitte September). Es handelt sich dabei um eine spannende Zeitreise ins Europa vor 15 000 Jahren und eine Begegnung mit einem Mann, einer Frau und einem Hund, die damals in Bonn-Oberkassel lebten. Wie sie lebten, das wird diese vielversprechende Schau nachzeichnen.

Ein Zeitsprung ins siebte Jahrhundert vor Christus: Da lebten die Kelten in unserer Region. Deren Spuren sollen in einem neuen Kapitel der Dauerausstellung im Landesmuseum dokumentiert werden. Ab Juni werden darin die rheinischen Verwandten von Asterix und Obelix in Bonn gewürdigt. Der Limes sowie römische Porträts und Statuen aus Bronze stehen im Mittelpunkt der Fachtagung und Ausstellung "Gebrochener Glanz" Ende März.

Einen gewaltigen Sprung ins 21. Jahrhundert wagt das Haus mit einer Werkschau der international bekannten Video-Pionierin und Performancekünstlerin Ulrike Rosenbach, die 2012 den Kunstpreis des Rhein-Sieg-Kreises erhielt. "Weiblicher Energieaustausch" ist die Schau überschrieben (ab Mitte Mai).

Dezidiert weiblich geht auch der Bonner Kunstverein an den Start: Die Zürcher Performerin und Choreografin Alexandra Bachzetsis und die Filmemacherin Claire Hooper aus London werden in der großen Ausstellungshalle aufeinandertreffen (ab Ende Februar): "Körper, Rhythmus und Musik ziehen die Betrachter in ihren Bann", verspricht der Kunstverein. Ein zweites Duo - Biennale-Teilnehmerin Haegue Yang und der documenta-erprobte Gabriel Leser - präsentiert sich ab Anfang September. Mit Jana Euler und ihren Comic-haften, grotesken, mit der Neuen Sachlichkeit verbandelten Porträts, erhält eine junge Position erstmals eine große Bühne (ab Dezember).

Traditionell weiblich auch das Programm des Frauenmuseums, das mit Karin Strucks Fotobericht aus Afghanistan Anfang Februar startet. Die Isländerin Rosa Gisladóttir folgt mit Skulpturen. "Single Mums - Alleinerziehende Mütter und ihre Lebenswelt" werden ab Mitte April frauenkünstlerisch beleuchtet. Mit einer traditionellen Modemesse im März und der Kunstmesse im November wird sich das ganze Haus präsentieren. Der Aktualität geschuldet ist ein Brasilien-Projekt. Der Gabriele-Münter-Preis bekommt im Dezember seinen Auftritt.