"Wahnsinnsgenies"

Werke von Boßler und Schumann beim Poppelsdorfer Orgelsommer

Bonn. "Wahnsinnsgenies", unter diesem Motto steht heuer der Poppelsdorfer Orgelsommer und präsentiert in seinem 13. Jahr "Musik aus dem Umfeld der Jubilare Mozart und Schumann".

Dieses Umfeld indes ist weit gesteckt, wie das zweite Konzert mit dem Schwerpunkt Kurt Boßler zeigte. Dieser nicht ganz so geläufige Heidelberger Komponist markiert im musikalischen Gedenkkalender diesen Jahres mit seinem 95. Geburtstag und seinem 30. Todestag gleich zwei Termine.

Und weil er auch der Kompositionslehrer des an der Luther-Kirche wirkenden Kantors Berthold Wicke war, wurde ihm an der Reuter-Straße jetzt ganz besondere Aufmerksamkeit zuteil: Neben den ersten drei Meditationen op. 142 für Flöte solo waren die Chaconne op. 50 für Orgel sowie die 1975 entstandenen "Mixturen" für Flöte und Orgel zu hören: ein Werk, symptomatisch für den Altersstil des Komponisten mit seiner Wiederannäherung an Schönbergs neutönenden Aufbruch ins 20. Jahrhundert.

Mixturen, der Terminus steht für das Mischen von Orgelregistern; Boßler aber versteht darunter eine Art von Neuanordnung des Eröffnungsthemas von Bachs "Musikalischem Opfer". Aus Bruchstücken wird etwas erschaffen, das seine Herkunft gleichwohl nicht verschweigt.

Die Flötistin Irmela Boßler, Tochter des Komponisten, und Berthold Wicke an der Orgel der Luther-Kirche sorgten sozusagen für musikalische Authentizität, indem sie, den Klangfarbenreichtum des Werks weit aushorchend, die gleichsam verhaltene Modernität dieses Werkes unterstrichen.

Der Chaconne zuvor hatte Wicke durch den Kontrast aus einem breit angelegten Crescendo und einem nachfolgenden rhythmisch stark akzentuierten Teil eindrucksvoll Spannung verliehen. Die Klangsprache der Meditationen indes erinnert bisweilen ein wenig an Messiaen.

Als Gegengewicht war das Augenmerk auf Schumanns Orgelschaffen gerichtet. Dem Satz "Lebhaft" aus den "Skizzen für den Pedalflügel" op. 50 folgten die Nummern 5 und 6 aus "Sechs Fugen über den Namen BACH" op. 60.

Ergänzt wurde das Programm durch die Bearbeitung einer Bearbeitung: Bachs Sonata II a-Moll für Flöte und Orgel (BWV 1003) durch Schumann für Violine und Klavier in einer (Re-)Transkription für Flöte und Orgel.

Und auch der "Original"-Bach zum Schluss in Form der g-Moll-Sonate für Flöte und Orgel (BWV 1020) mit seinem springlebendig musizierten Final-Satz mag eher auf Carl Philipp Emanuels Konto gehen.

Viel Applaus und als Zugabe mit KV 16 der Genie-Streich eines Sechsjährigen.