Dieter Ronte und die Fälschung: Vorwürfe gegen früheren Bonner Kunstmuseums-Chef

Dieter Ronte und die Fälschung : Vorwürfe gegen früheren Bonner Kunstmuseums-Chef

Die Süddeutsche Zeitung ist dem Schicksal des 2010 als Fälschung beschlagnahmten Bildes "Spring Tide" von Josef Albers nachgegangen und dabei auf eine unsägliche Schlamperei, wenn nicht gar auf mehr gestoßen.

Wie im schlechten Film: Die Polizei rückt bei der Art Cologne 2010 an, beschlagnahmt das Bild "Spring Tide" von Josef Albers als Fälschung, die für 1,2 Millionen Dollar angeboten wurde. Der Besitzer des Kunstwerks, Wolfgang Händel, fällt aus allen Wolken, hatte er das Werk doch fünf Jahre zuvor bei der auf Albers spezialisierten Galeristin Karin Fesel für 147.000 Mark erworben und von 1997 bis 2001 im Kunstmuseum Bonn ausgestellt, dessen damaliger Direktor Dieter Ronte zum Kauf geraten haben soll und so den falschen Albers museal adelte.

Soweit die Recherchen der Süddeutschen Zeitung, die dem Schicksal des falschen Albers nachgegangen ist und dabei auf eine unsägliche Schlamperei, wenn nicht gar auf mehr gestoßen ist.

Da wiegt vielleicht nicht so schwer, dass Galeristin und Direktor damals sehr eng befreundet waren. Das kommt vor. Auch dass sich ein Museumsmann und eine Galeristin einmal täuschen können, wenn es um Malerei geht. Schlimm nur, dass, so die Journalistin Catrin Lorch von der SZ, spätestens 1999 offensichtlich wurde, dass das Werk falsch sei. Sowohl ein Experte als auch das renommierte Doerner Institut in München deklarierten den Bonner Albers als Fälschung. Auch das kann passieren.

Zum Skandal wuchs die Affäre an, als Ronte und Fesel das neu erworbene Wissen über den falschen Albers für sich behielten und es offensichtlich nicht für nötig hielten, den Besitzer des Bildes über den Verdacht zu informieren. Dass inzwischen sämtliche Schadensersatzansprüche verjährt sind, wird vor allem den Sammler ärgern.

Wie Ronte, seit 2008 in Pension, das sieht? Der SZ verriet er, er habe das Bild nicht für eine Fälschung gehalten und würde das heute noch so sagen. Für eine Stellungnahme war Ronte am Montag nicht zu erreichen.