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Cleveland Orchestra in der Kölner Philharmonie: Vorbild Natur

Cleveland Orchestra in der Kölner Philharmonie : Vorbild Natur

Ähnlich wie der etwas ältere Walter Braunfels gehört Olivier Messiaen zu jenen Komponisten, deren Schaffen tief in religiösen Überzeugungen wurzelt. Das beweist u.a. sein einziges Bühnenwerk "Saint François d'Assise".

Die Wahl dieses gottesfürchtigen Mannes, welcher zu den Vögeln gepredigt haben soll, als Opernprotagonist ist typisch für Messiaen, der seinerseits die Klangwelt der Vögel immer wieder in sein Oeuvre einbezog. So auch bei "Couleurs de la Cité céleste", zusammen mit der "Hymne au Saint-Sacrement" auf dem Programm des Cleveland Orchestra stehend, welches mit seinem Chefdirigenten Franz Welser-Möst der Kölner Philharmonie nach zwei Jahren einen erneuten Besuch abstattete.

Die beiden vom Cleveland Orchestra gebotenen Werke liegen 30 Jahre auseinander, differieren nicht nur "inhaltlich", sonder auch im musikalischen Ausdruck. Der 24-jährige Messiaen komponiert mit noch deutlich erkennbarer Neigung zu tonaler Harmonik. So endet die "Hymne" in ätherischem C-Dur, einer lang gestreckten Geigenmelodie über narkotisch flirrender Harmonik eignen impressionistische Züge.

Anders die "Coleurs". Sie sind musikalisch härter und fraglos auch Ausfluss vergangener serieller Ausdrucksexperimente. Die eigenwillige Besetzung verstärkt diesen Eindruck: Soloklavier (sattelfest: Joela Jones) und kleines Orchester. Franz Welser-Möst sorgte mit bewundernswert sicherem Taktschlag und kühler Entflammtheit für sichere Realisation der komplexen Partitur, wobei auch das Ekstatische von Messiaens Musik gebührenden Ausdruck fand.

Von Naturhaftigkeit (Vogel-Assoziationen eingeschlossen) ist auch die "Alpensinfonie" von Richard Strauss geprägt. Bei dieser letzten Tondichtung aus seiner Feder holt der Komponist noch einmal so richtig aus, sorgt mit Fernorchester für jagdmuntere Effekte, mit Kuhglocken, Windmaschine und Donnerblech für naiv-effektvolle Stimmungen. Im Orchester (Joela Jones integrierte sich jetzt als Celesta- und Orgelspielerin) funkelte und dräute es angemessen. Franz Welser-Möst zauberte nicht nur mächtige Klangpanoramen herbei, sondern machte auch die kompositorischen Strukturen des Werkes nachvollziehbar.

Nach dem Verdämmern der Musik noch eine Zugabe? Indes, das gebotene Encore passte: "Mondscheinmusik" aus "Capriccio". Die Horn-Solistin des Cleveland Orchestra hätte zwar mit etwas blühenderem Ton intonieren können, ansonsten aber machte die sanft-schwelgerische Interpretation unter Welser-Möst glücklich.