Vivaldi-Variationen in Bonn

In der Elisabeth-Kirche eröffnet Björn Andor Drage das Orgelfest, Walter Trout begeistert in der Harmonie

Bonn. Einen fröhlichen Auftakt fand das 13. Internationale Orgelfest an der historischen Klais-Orgel in der Bonner Elisabeth-Kirche. Björn Andor Drage, Organist der Kathedrale im norwegischen Bodö spielte Bearbeitungen für Orgel, meist aus eigener Feder. Nach einer Grande Polonaise seines Landsmannes Johann Halvorsen folgte ein Concerto grosso von Vivaldi in der Bearbeitung von Bach, das Drage mit mächtiger Registratur in Szene setzte. Er entfaltete barocken Glanz, wie später auch bei der Sinfonia aus der Bach-Kantate Nr. 29.

In eine andere Welt trat er mit der Bearbeitung der Klaviersonate (A-dur, KV 331) von Mozart ein, die er im Variationssatz eher behutsam anging. Erst das Alla Turca mit glitzernden Couplets erhielt einen Anflug von Rausch.

Die einzige Originalkomposition des Abends, eine "Hommage an Händel" von Sigfried Karg-Elert, 54 Variationen über ein Händel-Thema, aus dem Geist der Passacaglia komponiert, formte Drage zu einem farbigen Gebilde und gelangte schließlich zu festlicher Größe. Auf einen fetzigen Norwegischen Tanz (op. 35) von Grieg folgte der populäre, fein ausdifferenziert vorgetragene "Hochzeitstag auf Troldhaugen". Schließlich gelangte er zu einem martialischen Finale: "Kjempevise-Slatten" von Harald Saeverud. Herzlicher Beifall.

Bonn. Walter Trout beherrscht die ganze Palette des Blues: Von nachdenklichen Balladen bis zum Bluesrock - die Musik dieses Gitarristen ist immer geprägt von seinen aussagekräftigen Songs, seinem robusten Gesang, heißem Gitarrenspiel und seiner Fähigkeit, den Rahmen einer der traditionsreichsten Musikformen - des Blues - zu sprengen.

Kein Wunder auch: Nachdem der Südkalifornier für einige der größten Bluesstars der Welt wie John Lee Hooker, Eric Clapton und John Mayall gespielt hat, zählt er ermittlerweile selber zu den Großen der Szene, und dies hat Trout seinen Fans in der Endenicher Harmonie einmal mehr bewiesen.

Begleitet von seinen drei "Radicals" (Keyboard/Hammond B3, Bass und Schlagzeug) lieferte Trout ein überzeugendes Konzert ab. Sein Repertoire reicht vom Blues über den Rock bis hin zum Rock`n`Roll. Bestechend ist vor allem seine ausgefeilte Technik. Mit atemberaubender Schnelligkeit lässt er die Finger über das Griffbrett seiner betagten Fender-Gitarre huschen, die Soli sind virtuos und kreativ, die Riffs präzise und markant.

Trouts Gitarrenspiel ist höchst ausdrucksvoll und passt sich den Stimmungen der Songs an. Gefühlvolle Blues-Balladen werden dabei mit angemessener Gelassenheit gespielt, während griffige und raue Up-Tempo-Nummern mit druckvoll knackigem Sound angeheizt werden.