Verkehrsberuhigung im Ehebett

Christoph Sieber nimmt typisch deutsche Probleme aufs Korn

Remagen. (mka) Mit einem rasiermesserscharfen Rundumschlag analysierte Christoph Sieber die Missstände unserer Zeit. Damit eröffnete der Kabarettist am Freitagabend unter dem Motto "Sie haben mich verdient" die Kleinkunst- und Kabarettreihe der Stadt Remagen in der Rheinhalle.

Mit einer Komik, hinter der sich die Abgründe des menschlichen Handels auftun, Aktualität und grandioser Vielseitigkeit, begeisterte Sieber sein Publikum. Er mischte politisches Kabarett mit Comedy, würzte es mit Pantomime und Jonglage, schmeckte das ganze mit einer Prise gutgemachter Parodie ab, und das Publikum raste.

Der junge Kabarettist wurde im Verlauf der letzten Jahre mit Preisen überschüttet und gilt nun als das Nachwuchstalent und die Hoffnung der Szene. Er erhielt unter anderem bei der 18. Goldenen Künstlergala in Böblingen den Preis "Künstler des Jahres 2005" in der Sparte Kabarett/Comedy, das "Fohlen von Niedersachsen", die "St. Ingberter Pfanne", die Heilbronner Lorbeeren und den deutschen Fachmedienpreis.

Er studierte Pantomime an der Volkwang Hochschule in Essen, lernte Improvisation und Akrobatik. Nach der Zusammenarbeit mit verschiedenen europäischen Künstlern und Theaterengagements in einem Anti-Kriegsdrama, versuchte er es das erste Mal solo und das sehr erfolgreich. Es folgten Gastauftritte bei "Sieben Tage-Sieben Köpfe" und der Comedysendung "Stratmanns".

In seinem aktuellen Programm spricht er im Bundestag, stellt Herrn F. vor, der seinen Verstand sucht, erzählt kurz die mitunter tragische Geschichte der Menschheit und widmet sich mit Vorliebe den beiden größten Problemen der Deutschen: der Arbeitslosigkeit und "den verkehrsberuhigten Zonen in den Schlafzimmern der bundes-deutschen Ehepaare".

Ein wunderbarer Abend mit Kritik auf höchstem Niveau und Unterhaltung der intelligenten Art: So belohnte das Publikum Sieber mit anhaltendem Applaus.

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