Karfreitagskonzert: Verführerische Intensität an einem eindringlichen Abend

Karfreitagskonzert : Verführerische Intensität an einem eindringlichen Abend

Der frühere Generalmusikdirektor Marc Soustrot dirigierte das Karfreitagskonzert des Beethoven Orchesters.

Ein Requiem (Gabriel Fauré), das sich die Ausmalung des Jüngsten Gerichts mit all seinem Schrecken und Zorn erspart und statt dessen orgel- und harfenumrankt ins Paradies führt; eine für eine tote Infantin gedachte Pavane (Maurice Ravel), die nach dem Willen des Komponisten auf keinen Fall eine Totenklage sein soll; ein "Stabat Mater" (Francis Poulenc), das den Schmerz der Gottesmutter unter dem Kreuz gelegentlich mit geradezu tänzerischer Leichtigkeit illustriert - was das Beethoven Orchester in seinem ausverkauften Karfreitagskonzert unter dem Motto "Gnadenlicht" aufs Programm gesetzt hatte, entzog sich auf die schönste Art drei Mal den Erwartungen. Und es wurde damit ein sehr eindringlicher Abend.

Gabriel Fauré hat sein Requiem, das einen Himmel ohne Strafgericht verspricht, ohne besonderen Anlass komponiert, "wenn ich so sagen darf, zum Vergnügen", antwortete er auf entsprechende Fragen.

In der Beethovenhalle war es ein ganz besonderes Vergnügen, Marc Soustrot, Bonns ehemaligen Generalmusikdirektor, wieder am Pult des Beethoven Orchesters zu erleben. Der Franzose Soustrot, der mittlerweile in Europas Norden als Chefdirigent in Aarhus und Malmö ziemlich heimisch geworden ist, hatte also ein rein französisches Programm vor sich, und er dirigierte es so, wie man es sich erhoffen durfte: mit Sinn und Sinnlichkeit, mit untrüglichem Gespür für die Farben der Musik, mit der Entdeckerfreude am Leichten im Schwierigen. Ravels einleitende Pavane mit ihrem heiklen Bläser-Beginn gab dafür schon ein gutes Beispiel ab.

Faurés Requiem war wie in Pastell gehüllt, ohne an Klarheit zu verlieren - Soustrot setzte auf sanfte, warme, verführerische Intensität. Ganz anders sein Zugriff auf Poulencs "Stabat Mater": frisch und direkt, scharfe Konturen zeichnend, rhythmisch von äußerster Präzision.

In zwölf kurzen Sätzen reiht Poulenc die schönsten Theatereffekte aneinander: mal banal, mal erhaben, mal stürmisch, mal verinnerlicht, mal heiter, mal dramatisch. Soustrot lässt all das von Orchester und Chor höchst plastisch nachzeichnen, vom dunklen Beginn über feurige und frivole Momente bis zum lakonischen Schlussakkord. Keine Frage: Soustrot möchte man immer wieder gern in Bonn sehen.

Für einen geübten Chor wie den Philharmonischen Chor der Stadt Bonn (Einstudierung Paul Krämer und Thomas Neuhoff) ist Faurés Requiem eine relativ leichte Angelegenheit, abgesehen von ein paar nicht ganz harmlosen Modulationen, die allesamt perfekt bewältigt wurden. Und der Poulenc'schen Herausforderung mit all ihren Stimmungswechseln zeigte man sich voll gewachsen, auch wenn man den Männerstimmen ein bisschen mehr Farbkraft wünschen würde.

Die Solisten hatten an diesem Abend eher kleine Partien zu singen. Katharina Persicke zeigte sich sowohl bei Fauré als auch bei Poulenc als ausdrucksstarke Sopranistin, die exakt die Balance zwischen lyrischem Grundton und dramatischem Potenzial zu halten weiß. Björn Bürger setzte einen kernigen, klar konturierten Bariton ein; er wird in diesem Jahr in Glyndebourne Rossinis Barbier singen - seine Stimme klingt auf jeden Fall nach einer idealen Besetzung.

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