Variationen und Kalauer

Werner Götzinger entwickelt im Haus an der Redoute eine eigene Geheimzeichensprache und Hans Menzel-Severing präsentiert "Wortbilder oder Bildworte" im Kurfürstlichen Gärtnerhaus

Haus an der Redoute. Dem Bergriff "Notation" ordnet Werner Götzinger seine Tuschzeichnungen, Radierungen und malerischen Entwürfe unter. Als Inspirationsquelle dient ihm ein weiter Fundus an Notenliteratur.

Das Studium von Partituren und die Vertiefung in persönliche Musikerhandschriften münden in eine eigene, die Fantasie anregende Geheimzeichensprache. Das Ausstellungsmotto "Variationen" kündigt die Bandbreite schier unerschöpflichen Spieles mit Strukturen und Formen an. Dahinter verbirgt sich auch eine Verneigung vor einem "uralten, universalen, der Globalisierung voraneilenden Verständigungsmittel", so der Vorsitzende der Künstlergruppe Bonn.

Modifiziert und aufgefächert werden in zart farbigen Tuschskizzen nicht nur ganze Notenblätter, Notenlinien, Notenfiguren, Notenschlüssel, Taktstriche und Punktierungen. Auf dieser Basis entfalten sich locker gebündelte Bildpläne, die gestisches Gebaren und geometrische Verzerrungen gegen einander ausspielen.

Aus Götzingers Fundgruben entwachsen vornehmlich kontrastreiche und teils lyrische Abstraktionen, spannende Ideenräume, die streckenweise Nachhall der Klangwelten von Mozart, Beethoven, Robert und Clara Schumann bis hin zur zeitgenössischen Musikszene sind.

Haus an der Redoute, Kurfürstenallee a; bis 7. Januar 2007. Di-So 10-17 Uhr

Kurfürstliches Gärtnerhaus. Seine geistige Heimat sind die Bereiche Kabarett, Karikatur und Cartoon. Bewandert ist Hans Menzel-Severing vornehmlich im breiten Register von Wortspielen, deren zeichnerische Umsetzung eine humorvolle Sicht auf Alltag, Kunstgeschichte oder Reiseziele herauskristallisiert.

Mit einer Flut von postkartengroßen Kaltnadelradierungen und Prägedrucken beschert der an den Kölner Werkschulen ausgebildete Bonner ein weitgehend erbauliches Amüsement. "Wortbilder oder Bildworte" nennt der 1946 geborene Siegburger Gymnasialpädagoge seine Geistesblitze und Pointen.

Beim Wort genommene Umgangsfloskeln, scheinbare Versprecher, zerpflückte Doppelbegriffe, Synonyme mutieren zu skizzierten Kalauern, Parodien oder skurrilen Bildgebungen. Namhafte Musiker ("Händel oder das Ei", "Symphonie mit dem Taubenschlag") sowie Ikonen der Kunstgeschichte (Leonardo, Picasso, Dürer und Matisse) werden anhand von zentralen Motiven parodiert.

Kurfürstliches Gärtnerhaus, Beethovenplatz; bis 30. Dezember. Di-Sa 14-18, So 10-13 Uhr

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