Väterchen Franz singt wieder

Franz Josef Degenhardt im Bonner Pantheon

Bis in die frühen Morgenstunden hinein sitzt er mit seinen Kumpanen zusammen. Sie trinken, diskutieren und rauchen. Eifrig reden sie über Politik, die Gesellschaft und die "unglücklich Veranlagten". Er hört ihrem Gespräch zu, das eigentlich keines ist, bis er sich schließlich am Ende der Nacht selbst zu einem langen Monolog aufschwingt.

Doch auch danach bleibt alles beim Alten, verändert sich nichts bei ihm und bei seinen Zuhörern. Es bleibt beim Refrain: "Jeder weiß, wie''s richtig ist und wie man''s machen soll." Noch immer erreicht der mittlerweile siebzigjährige Liedermacher Franz Josef Degenhardt ein großes Publikum, das ihn bereits beim Betreten der Bühne des Pantheons mit einem begeisterten und herzlichen Applaus begrüßte.

Für musikalische Verstärkung sorgt seit ein paar Jahren sein Sohn Kai. Degenhardt setzt sich auch in seinen neuen Balladen und Moritaten für die sozial Schwachen ein und kämpft gegen eine lethargische Gesellschaft an. Als "Väterchen Franz" macht Degenhardt sich einmal selbst in einem Lied zur Hauptfigur. Er wird darin von Freunden und Anhängern immer wieder gebeten, doch Geschichten aus dem "wahren" Leben zu erzählen.

Auch bei seinen Auftritten ist Degenhardt stets der auktoriale Erzähler, der, der den Überblick über die Fäden der Geschichte hat. Ein wenig anachronistisch erscheint diese Haltung heute, doch der etwas staubige Beigeschmack mancher alten Protest-Lieder schwindet dann, wenn Degenhardt sich selbst in die kritische Betrachtung mit einbezieht und dabei der Refrain zur Pointe wird.

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