Glanzlichter des Beethovenfests 2016: Und immer wieder Napoleon

Glanzlichter des Beethovenfests 2016 : Und immer wieder Napoleon

Kurz vor Weihnachten lässt sich das Beethovenfest traditionell gern ein wenig in die Karten schauen. Seit heute stehen sechs ausgewählte Konzerte des nächsten Festivals, das vom 9. September bis zum 9. Oktober 2016 in Bonn gefeiert wird, als "Weihnachts-Spezial" zum Verkauf im Internet.

Die Konzerte geben einen Einblick in die Programmdramaturgie, die dem roten Themenfaden "Revolution" folgt. Für den 11. September ist das Debüt des designierten Chefs der Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko, angekündigt, der an diesem Abend freilich noch mit seinem Bayerischen Staatsorchester aus München anreist. Gespielt werden György Ligetis "Lontano", Belá Bartóks Violinkonzert Nr. 1 (mit Frank Peter Zimmermann als Solist) sowie Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 5.

Aus Ekatarinburg kommt das Ural Philharmonic Orchestra, das nach 2013 zum zweiten Mal beim Beethovenfest zu Gast sein wird (17.9.). Mit einem Programm, dessen Clou die Aufführung von Sergej Prokofjews "Kantate zum Jahrestag der Oktoberrevolution" von 1938 ist. Das bombastische Werk, das Texte von Marx, Engels, Lenin und selbst Stalin in Töne setzt, fiel bei den stalinistischen Kulturexperten jedoch durch und wurde in seiner Originalgestalt erst 1992 in London uraufgeführt.

Nike Wagners Festivalmotto "Revolution" spiegelt sich auch im Kleinen, zum Beispiel im Klavierabend des Pianisten Boris Berezowsky, der die Chopin-Etüden op. 10 und mithin auch die "Revolutions-Etüde" im Programm hat. Außerdem: Werke von Beethoven und Liszt (19.9.).

Mit Mozarts Opern hat der Dirigent Teodor Currentzis im russischen Perm solches Aufsehen erregt, dass selbst Sony Classics hellhörig wurde und den kompletten Zyklus aufnahm und in edler Ausstattung unters Volk brachte. Bei seinem Bonn-Debüt steht der Grieche am Pult des Mahler Chamber Orchestra. Aufgeführt werden Werke von Beethoven (Violinkonzert mit Pekka Kuusisto als Solist, Sinfonie Nr. 7) und Schönberg ("Ode an Napoleon") (24.9.).

Kölns neuer Generalmusikdirektor François-Xavier Roth ist ein musikalischer Tausendsassa, der die Neue Musik ebenso pflegt wie das Traditionsrepertoire und die Alte Musik dazu. Les Siècles ("Die Jahrhunderte") heißt das von ihm gegründete Ensemble eben nicht ganz zufällig. Beim Beethovenfest tritt es zweimal auf: Am 1. Oktober zusammen mit dem Vlaams Radio Koor mit klassischen Werken von Étienne-Nicolas Méhul ("Messe pour Napoléon") sowie Ludwig van Beethoven (Sinfonie Nr. 5) sowie am 2. Oktober, wenn Werke von Debussy und Strawinski ("Le sacre du printemps") folgen.

Im Weihnachtsangebot enthalten ist auch das Abschlusskonzert: hochkarätig besetzt mit dem London Symphony Orchestra, dem Monteverdi Choir und dem Dirigenten John Eliot Gardiner. Beethoven steht auf dem Programm und als Hauptwerk die Sinfonie "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Nicht revolutionär, aber wunderschön.

Infos im Netz: beethovenfest.de