Und der Etat bewegt sich doch

CDU und FDP setzen im Bonner Kulturausschuss neue Akzente in der Förderung der "Freien"

Bonn. Selbst ist der Ausschuss. Das überraschende Urlaubs-Machtwort von Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann, die jede (finanzielle und strukturelle) Änderung am Kulturhaushalt und speziell an der Unterstützung der freien Szene für unnötig hält ( der GA berichtete), stieß am Montagabend beim Bonner Kulturausschuss in seiner Mehrheit auf einiges Unverständnis.

CDU und FDP drehten den Spieß um: Ihre kulturpolitischen Sprecher Markus Schuck und Barbara Wrany brachten einen Änderungsantrag ein, der deutlich veränderte Akzente in der Kulturförderung setzt. Das CDU/FDP-Papier gibt jetzt der Verwaltung klare Aufträge zur Haushaltsgestaltung.

Die ganze Geschichte ist nicht ohne Pikanterie. Denn Schuck und Wrany stützen sich in vielen Punkten auf Vorschläge von Kulturdezernent Ludwig Krapf, dessen Vorlage Bärbel Dieckmann aus welchen Gründen auch immer nicht in den Kulturausschuss gehen lassen wollte.

So fordern CDU und FDP unter anderem, "die kulturelle Arbeit im Bereich Kinder und Jugend sowie den weiteren Ausbau Bonns als Chorstadt verstärkt zu fördern". Was bedeutet, dass beispielsweise das Theater Marubu, eine der renommierten Kinder-und Jugendbühnen in Nordrhein-Westfalen, künftig jährlich mit 25 000 Euro unterstützt wird. Und für weitere Projekte in der Kinder-und Jugendliteratur werden ab 2004 40 000 Euro zur Verfügung stehen.

Was die Chorszene angeht, so ist für CDU und FDP der Philharmonische Chor Bonn jenes Groß-Ensemble, das mit fester jährlicher Unterstützung rechnen kann (30 000 Euro). Die Bach-Gemeinschaft wird vom übernächsten Jahr an auf knapp 12 000 Euro verzichten müssen, kommt aber immerhin noch auf 25 000 Euro. Außerdem: In einem Topf für Chorprojekte sollen 40 000 Euro zur Verfügung stehen.

Die Videonale, das Bundesjazzorchester mit dem Wettbewerb "Jugend jazzt" in Bonn, das Sommerkino, die Schumann-Pflege, das Euro Theater Central, das Theater im Ballsaal - sie alle profitieren von der Initiative von CDU und FDP. Federn lassen muss das Theater die Raben, das 2003 noch einmal rund 57 000 Euro Unterstützung bekommt, dann aber mit 30 000 Euro auskommen muss.

All diese Änderungen im Kulturhaushalt sind freilich nur möglich, weil die Politiker mit 400 000 Mark zusätzlich rechnen können, die Klaus Weise, Bonns zukünftiger Generalintendant, aus Theatermitteln bereitstellt. An Dankesworten für Weise mangelte es denn auch nicht.

Zu beschäftigen hatte sich der Kulturausschuss schließlich auch noch mit der Forderung des Ausländerbeirates, das fremdsprachige Angebot in der Stadtbibliothek möglichst breit gefächert zu halten. 827 selten gefragte Bücher in elf Sprachen waren aus dem Bestand entfernt worden.

Barbara Wrany setzte sich dafür ein, "bedarfsgerecht" vorzugehen. Die Verwaltung soll mit dem Ausländerbeirat eine Liste wünschenswerter Literatur erstellen und: "Bei ausländischen Vereinen soll ein Wunschkatalog abgefragt, auch um Abgabe von geeigneten Büchern gebeten werden."

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