Kammerkonzert in der Erlöser-Kirche: Unbekanntes von Bekannten

Kammerkonzert in der Erlöser-Kirche : Unbekanntes von Bekannten

Mit einem außergewöhnlich spannenden Programm gastierte die Reihe "R(h)ein kammermusikalisch" im historischen Gemeindesaal der Godesberger Erlöser-Kirchengemeinde, denn zu hören waren ausnahmslos unbekannte Werke bekannter Komponisten.

Bestes Beispiel: das G-Dur Quintett von Engelbert Humperdinck, eine frühe Arbeit des bekennenden Wagnerianers und eine originelle noch dazu. Denn der der Nachwelt fast ausschließlich durch seine Oper "Hänsel und Gretel" bekannte Komponist erwies sich hier schon als überaus kunstfertiger Tonsetzer.

Das aus Julian Shevlin und Juta Ounapuu-Mocanita, Violine, Matthias Buchholz, Viola, Oren Shevlin, Violoncello, und Nicolas Rimmer, Klavier, zusammengesetzte Ensemble spielte kultiviert und mit musikantischem Schwung. Begonnen hatte man den Abend mit Ludwig van Beethovens Es-Dur-Variationen op. 44 für Klaviertrio.

Elegant, feinsinnig und sensibel nahm man etwa den Kopfsatz, mit viel musikalischem Fingerspitzengefühl. Das gelang genauso überzeugend wie mit Bernd Alois Zimmermanns Klaviertrio.

Das von spätromantisch-expressionistischem Überschwang und strengem formalen Aufbau geprägte Werk hat noch herzlich wenig mit dem Neutöner Zimmermann zu tun, so wie seine Musik in späteren Jahren klang.

Umso interessanter war es aber, dieses frühe Werk zu hören, zumal es von den Interpreten mit bestechender Expressivität gespielt wurde.

Schwungvoll, energiegeladen und mit äußerster Spannung brachte man dieses spannende Werk zum Klingen, das genauso einen Raritätenstatus haben dürfte wie Frank Martins Trio über irische Volkslieder. Das blieb stets nah am volkstümlichen Original, wobei die Musiker weitaus mehr als nur auf Urwüchsigkeit getrimmtes Gefiedel boten.

Martins Musik blieb hier stets nah am ursprünglichen Duktus, mal äußerst melancholisch, mal mit tänzerischer Leichtigkeit, jedoch immer mit geerdeter Musikalität gespielt.

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