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Unbekannte Seiten Wilhelm Buschs

Unbekannte Seiten Wilhelm Buschs

Wolfgang Böhme stellte im Museum Koenig seinen entfernten Verwandten Wilhelm Busch vor.

Dass es in einem Zoologischen Museum um Tiere gehen würde, war klar. Selbst wenn diesmal Wilhelm Busch das Thema war. Auf Witwe Boltes Federvieh oder die Maikäfer im Bett von Onkel Fritz wartete man jedoch vergebens. Professor Wolfgang Böhme, bis zu seiner Emeritierung Vize-Direktor des Museums Koenig, stellte am Freitagabend im Hörsaal des Hauses unbekanntere Seiten Buschs vor. Tierisches und allzu Menschliches, der Humorist als Maler und Philosoph, Fips der Affe und ein Pfannkuchenrezept standen auf dem Programm, zu dem die Alexander-Koenig-Gesellschaft eingeladen hatte.

Wolfgang Böhme hat schon lange eine besondere Beziehung zu Wilhelm Busch, dessen Texte er meist auswendig vortrug. Das kleine Büchlein, das griffbereit im Hörsaal lag, gehört zu einer großen Sammlung von Busch-Ausgaben und ist schon ganz zerlesen. Wilhelm Busch (1832-1909) war ein weitläufiger Verwandter. "Seine Schwester hat einen Bruder meiner Ur-Ur-Großmutter geheiratet", berichtete der Professor.

Dichten ist die Buttermachen

Die norddeutsch-trockene Vortragsweise Böhmes passte gut zu den großen Weisheiten und kleinen Gemeinheiten Buschs, die in seinen Versen so leicht und überraschend daherkommen. Dichten ist wie Buttermachen, beschrieb Busch selbst. Bei ihm trennt sich der Rahm vom Unwesentlichen. Und so beschreibt er, wie sich der unsichtbare Maulwurf mit gewölbten Tempeln Denkmäler setzt, die schließlich ein Kunstbanause mit der Hacke zerstört. Käfer begraben den armen Maulwurf schließlich mit Sand. Den Totengräber, einen Aaskäfer, gibt es tatsächlich.

"Wilhelm Buschs Onkel war eine große Nummer im Imkerwesen. Deshalb hat er den Insekten viel Aufmerksamkeit geschenkt", erklärte Böhme. Er geht davon aus, dass sich viele der naturkundlichen Beschreibungen auf das zoologische Nachschlagewerk "Brehms Tierleben" beziehen. Ein Beispiel: "Ein Molch kann seine Extremitäten nachwachsen lassen. Das stimmt, aber das hat er mit Sicherheit nicht beobachtet", so Böhme.

Ihn fasziniert besonders der Facettenreichtum des Dichters. Bei Wilhelm Busch zergehen nicht nur klassische Hexameter auf der Zunge, er ist auch der Vater des Comics. "Ich finde seine Zeichnungen genial. Er war der Erste, der Bewegungen gezeichnet hat, zum Beispiel den zappelnden Mann auf dem Zahnarztstuhl. Das war bahnbrechend", sagte Böhme nach der Lesung. Zuvor saß er im Polstersessel im Hörsaal und berauschte sich gemeinsam mit dem Publikum an der Sprache, die wesentlich zeitloser ist als die mit Fransen besetzte Stehlampe aus Böhmes Arbeitszimmer, die das Ganze beleuchtete.

Von der Natur lernen

Die Wirtschaft kann von der Natur durchaus so einiges lernen. Im Zuge der Sonderausstellung "Darwin meets business" beginnt am Mittwoch, dem 18. Januar, um 18.30 Uhr eine Podiumsdiskussion im Museum Koenig, Adenauerallee 160. Unter dem Motto "Was Hidden Champions aus der Evolutionsbiologie lernen können" diskutieren an diesem Tag Harald L. Scheld, Partner bei Simon-Kucher, Ulrich Spindler (Eaton Industries), Verpoorten-Geschäftsführer William Verpoorten, Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges, Arndt Schäfer (Ascem) und Helmut Graf (Verlag für die Deutsche Wirtschaft).