Ulla Hahn im Literaturhaus Bonn

Im Gespräch ist sie in den letzten Jahren eher durch ihre Romane "Das verborgene Wort" und "Aufbruch". Doch für das Literaturhaus Bonn las Ulla Hahn aus ihrem neuen Gedichtband "Wiederworte".

Für die Lyrik, die ihr so am Herzen liegt, will sie in der Katholischen Familienbildungsstätte eine Lanze brechen. Schon in der Schule bekomme man Angst vor der falschen Interpretation eines Gedichtes beigebracht.

Dabei sei doch das Wichtigste, dass man dazu in der Lage sei, auf ein Gedicht zu reagieren: Ein Gedicht werde immer zu so vielen Gedichten, wie es Köpfe gibt, die es lesen. Und wenn man ein Gedicht nach einer Weile noch einmal lese, sei es nie das gleiche. Einfach genießen ist ihr Rat. "Ich muss ein bisschen missionieren", erklärt die Autorin. "Gedichte haben es einfach schwer."

In ihrem neuen Lyrikband "Wiederworte" (DVA) tritt die Dichterin in einen Dialog mit ihrem 35-jährigen Ich. Sie stellt Gedichten ihres ersten Gedichtbandes "Herz über Kopf" neue gegenüber. Während die einen noch fragend, erwartungsvoll in die Zukunft schauen, blicken die anderen antwortend zurück. So stellt sich "Blaue Flecken" dem älteren "Blinde Flecken" gegenüber, und das "Ständige Sonett" folgt dem "Anständigen Sonett".

Wie ihren Gedichtband, unterteilte Ulla Hahn die Lesung in mehrere Abschnitte: Liebe, Vergänglichkeit, Gesellschaft sowie eine Metareflexion über das Leben des Dichters. Ihr Stil hat sich kaum verändert, doch der Gestus ist neu. Ebenfalls neu sind die politischen Themen, die Ulla Hahn in ihre Gedichte einfließen lässt. So zum Beispiel Gedanken zur Globalisierung. Die Dichterin ist am Leben gereift. Sie hat sich und ihren Platz in der Welt gefunden.

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